Stadtrat ebnet Weg für neuen Globus-Markt in der Dieselstraße

hela-baumarkt

Der geplante Neubau eines Globus-Warenhauses an der Dieselstraße im Stadtrat einen wichtigen Schritt genommen. Die Räte stimmten der Änderung des Flächennutzungsplanes sowie die Aufstellung der beiden Bebauungspläne. Diese werden nun erstellt, anschließend öffentlich ausgelegt. Dann können sich Firmen, Anwohner und Verbände dazu äußern, mit einem endgültigen Beschluss ist in etwa anderthalb Jahren zu rechnen.

Allerdings wurde eine halbe Stunde diskutiert, bis es zur Abstimmung kam. Christian Feigl (Grüne) sagte, er habe es zunächst nicht schlecht gefunden, einen weiteren Player zu Rewe und Edeka zu haben. Doch bei ihm würden sich verstärkt Zweifel auftun, ob die Pläne für das Gesamtgefüge der Stadt gut sind. Es handele sich um einenAufwuchs von weiterer Verkaufsfläche, so Feigl. Die Nachteile einer Neuansiedlung würden überwiegen, sie gehe zulasten anderer Standorte in der Stadt.
Das Vorhaben verstoße gegen das Einzelhandels- und Zentrenkonzept der Stadt, so Anja Krimmling-Schöffler (Linke). Ähnlich äußerte sich Denis Häder, man führe das Konzept ab absurdum, man habe immer wieder Ausnahmen zugelassen, das Konzept müsste langsam aufgehoben werden. Für Investoren herrsche keine „Rechtssicherheit, sondern Willkür.“
Man habe sich die Entscheidung nicht einfach gemacht, merkte Christoph Bernstiel (CDU) an. Entscheident sei gewesen, dass HEP erklärt habe, am HEP gebe es keine Zukunft. Option sei gewesen: entweder Globus verlasse Halle ganz oder investiere in Halle und schaffe sogar weitere Jobs.
Planungsdezernent Uwe Stäglin warf den Vorwurf der Willkür zurück. Ein Einzelhandels- Zentrenkonzept sei ein sinnvolles Instrument, das man auch fortschreiben wolle.
Tom Wolter (MitBürger) verteidigte dagegen den Vorwurf der Willkür, das Einzelhandels- und Zentrenkonzept biete Investoren keine Verlässlichkeit.
Oberbürgermeister Bernd Wiegand sprach davon, es gebe gewaltige Investorenanfragen. „EIn Investor fragt nur einmal. Wenn ich diese Chance nicht nutze, spricht sich das herum.“ Dann bestehe die Sorge, dass die Stadt künftig keine Investorenanfragen mehr bekomme. „Jeder Investor, der bei uns eine Anfrage macht, ist Willkommen.“
„EIn Einzelhandels- und Zentrenkonzept mag wichtig sein und mag es in anderen Städten geben, aber die halten sich vielleicht dran“, so Häder. Er warf der Verwaltung zudem vor, dass diese mit Verweis auf dieses Konzept auch Anfragen zur Erweiterung abgelehnt habe. Dies führe zu einer Ungleichbehandlung, die nicht mehr nachvollziehbar sei.
Bernstiel (CDU) meinte, genau diese Fragen habe man im Planungsausschuss diskutiert. Da seien die MitBürger offenbar nicht dabei gewesen.

Globus will vom Halleschen Einkaufspark in Bruckdorf umziehen. Ein Großteil der Debatte hatte wegen Unternehmensinterna hinter verschlossenen Türen stattgefunden. Im Juni 2020 soll das neue Warenhaus öffnen, der Baubeginn ist für 2018 vorgesehen. Gebaut wird auf der Fläche des geschlossenen Hela-Baumarkts. Dieser gehört ebenfalls zur Globus-Gruppe. Das neue Einkaufszentrum wird über 9.170 Quadratmeter Verkaufsfläche verfügen. Globus selbst wird davon 8.570 Quadratmeter belegen, 750qm weniger als bisher. Hinzu kommt aber noch die Vorkassenzone mit Restaurant, Fleischerei und Bäckerei. Lager und Produktion sollen nach Angaben des zuständigen Architekten im östlichen Gebäudeteil untergebracht werden, also unweit der Bahngleise, weil hier kaum Anwohner tangiert werden. Dort wird auch die Anlieferung erfolgen. Die Hauptzufahrt wird über die Dieselstraße erfolgen, auch von der Ottostraße wird es eine Zufahrt geben. Am neuen Standort rechnet Globus mit einem Jahresumsatz von 49 Millionen Euro und einem Marktanteil im Gebiet von bis zu 9 Prozent. Im Umfeld von 800 Metern wohnen 4.600 Menschen, so der Architekt. Aus diesem Grund rechne man, anders als beim bisherigen Standort im HEP, auch mit einem signifikanten Anteil an Fußgängern und Radfahrern. Auch auf ihre Belange wird Rücksicht genommen.

Im Vorfeld hatte sich der Hallesche Einkaufspark (HEP) in Bruckdorf zu Wort gemeldet. Dieser wehrt sich gegen den drohenden Verlust seinen Ankermieters. Die Begründung von Globus, am HEP seien nicht genügend Flächen für den Ausbau vorhanden, sei „nicht nachvollziehbar und auch nicht zutreffend“, so das Centermanagement. Globus berechne für die geplante Bäckerei und Metzgerei jeweils 50 qm und für die Gastronomie mit 700 qm. Diese Flächen stünden im HEP zur Verfügung. Mit der geplanten Errichtung des GLOBUS Einkaufszentrums an der Dieselstraße würden „primär immobilienwirtschaftliche Interessen der Inhaber durchgesetzt“, so das HEP. „Der Wunsch nach einer eigenen Immobilie kann aber nicht als Begründung für die Genehmigung zusätzlicher Verkaufsflächen aus dem innenstadtrelevanten Sortimentsbereich in einer nicht integrierten Standortlage herangezogen werden.“ Auch gefährde das neue Einkaufszentrum Arbeitsplätze in anderen Teilen der Stadt. Auch ein Rechtsstreit ist zu erwarten. Der Bebauungsplan lasse an diesem Standort kein Einkaufszentrum zu, macht das HEP deutlich. Zudem widersprechen die Pläne dem Einzelhandels- und Zentrenkonzept der Stadt.

Auch bei der City-Gemeinschaft, einem Zusammenschluss der Innenstadt-Händler, stoßen die Pläne auf Unverständnis. „Das Einzelhandels- und Zentren- Konzept der Stadt Halle sieht keine weiteren innenstadtrelevanten Ansiedlungen außerhalb der festgelegten Standorte vor“, heißt es in einem Schreiben an die Stadträte. Die City Gemeinschaft befürchtet nach eigenen Angaben durch eine Flächennutzungsänderung, die Aufweichung der Einzelhandelskonzeption, den Verlust an Gewerbeflächen und damit die Schaffung eines Präzedenzfalles. „Wir geben weiterhin zu bedenken, dass im Falle des Globus Neubaus, am verbleibenden alten Standort, sich ein zusätzlicher Wettbewerber mit voraussichtlich weiteren innenstadtrelevanten Sortimenten ansiedeln und somit durch den Globus Neubau mindestens 8.570 qm neue zusätzliche Einzelhandelsfläche an gemäß EHuZK nicht integriertem Standort entstehen könnte.“

image_pdfimage_print

Diesen Artikel teilen: