Johannes-Grundschule soll für 25,6 Millionen Euro saniert werden – Elternvertreter für Mensa-Neubau – Weiterentwicklung als Ganztagsschule geplant
Die traditionsreiche Grundschule Johannes in der Liebenauer Straße steht vor einer grundlegenden Modernisierung: Für insgesamt 25,6 Millionen Euro soll das 1888 errichtete Schulensemble umfassend saniert und erweitert werden. Der Bildungsausschuss hat dem Vorhaben bei vier Enthaltungen zugestimmt. Nun liegt der Variantenbeschluss beim Stadtrat. Fällt dort die Entscheidung positiv aus, können die weiteren Planungen zügig voranschreiten. Die Bauarbeiten sollen im Herbst kommenden Jahres beginnen und bis zum Herbst 2029 andauern.
Zwei Varianten – eine Entscheidung
Im Mittelpunkt der Diskussion im Bildungsausschuss stand die Frage, wie die künftige Mensa untergebracht werden soll. Die Stadtverwaltung favorisiert eine Lösung, bei der das Hauptgebäude vollständig saniert wird, während das bestehende Hortgebäude nicht nur modernisiert, sondern auch erweitert und um ein zusätzliches Obergeschoss aufgestockt wird. In diesem erweiterten Baukörper soll die Mensa ihren Platz finden.
Zu Beginn der Sitzung hatte jedoch ein Elternvertreter für eine alternative Variante geworben. Diese sieht vor, die Mensa in einem eigenständigen Neubau unterzubringen. Die Idee sei in enger und tatkräftiger Zusammenarbeit von Schule und Hort entstanden, betonte er. Die Mehrkosten für diese Lösung würden sich nach Berechnungen auf rund 700.000 Euro belaufen. Die Stadtverwaltung hält dennoch an ihrem Vorschlag fest und argumentiert, dass dieser nicht nur bei den Baukosten, sondern auch mit Blick auf die langfristigen Folgekosten die wirtschaftlichste Lösung darstelle. Der Brief der Elterninitiative soll nun auch den Mitgliedern des Stadtrates zur Verfügung gestellt werden, bevor diese über den Variantenbeschluss entscheiden.
Sanierungsbedarf ist unstrittig
Unabhängig von der Frage der konkreten Ausgestaltung besteht zwischen allen Beteiligten Einigkeit darüber, dass die Sanierung dringend notwendig ist. Teile des Hortgebäudes sind derzeit gesperrt, weshalb ältere Schülerinnen und Schüler im Hauptgebäude betreut werden müssen. Für die Speisenversorgung wurden bereits zwei Klassenräume umgebaut, um eine Übergangslösung zu schaffen.
Hinzu kommt, dass das Hauptgebäude bislang nicht barrierefrei zugänglich ist. Auch der Brandschutz entspricht nicht den heutigen Anforderungen und wurde seit der Errichtung des Gebäudes im 19. Jahrhundert nicht grundlegend ertüchtigt. Eine Vertreterin des Hortträgers machte im Ausschuss deutlich, dass man mit beiden vorgestellten Varianten leben könne. Sowohl der Hort als auch die Schule seien frühzeitig in die Erarbeitung des Raum- und Funktionsprogramms einbezogen worden.
Perspektive Gemeinschaftsschule und Ganztag
Hintergrund der umfangreichen Investition ist die geplante Weiterentwicklung der bisherigen Grundschule zu einer Ganztagsschule. In den kommenden Schuljahren werden im Durchschnitt 352 Schülerinnen und Schüler erwartet. Mit einem Raumfaktor von 1,2 Unterrichtsräumen pro Klasse ergibt sich ein Bedarf von 16 Unterrichtsräumen. Dieser kann grundsätzlich durch die im Schulgebäude vorhandenen allgemeinen Unterrichts- und Fachräume gedeckt werden.
Im Zuge des bundesweiten Ganztagsanspruchs wird zudem mit einer vollständigen Hortversorgung geplant. Um die erforderliche Betriebserlaubnis zu erhalten, müssen gemäß den Fachstandards für Kindertageseinrichtungen der Stadt Halle (Saale) vier Quadratmeter kindbezogene Nutzfläche pro Kind nachgewiesen werden. Bei einer maximalen Belegung ergibt sich daraus ein Bedarf von rund 1.408 Quadratmetern für den Hortbereich, hinzu kommen weitere Nebenflächen entsprechend dem Raum- und Funktionsprogramm.
Pädagogisches Konzept bestimmt Architektur
Das Raum- und Funktionsprogramm wurde auf Grundlage des pädagogischen Konzepts gemeinsam von Schule und Hort entwickelt. Ziel ist es insbesondere, unnötige Doppelnutzungen zu vermeiden und die Hortflächen auf höchstens zwei Bereiche zu konzentrieren, um die Aufsichtspflicht jederzeit gewährleisten zu können. Unter diesen Voraussetzungen lässt sich das Konzept in den bestehenden Gebäuden weitgehend umsetzen. Lediglich zusätzliche Bewegungsräume für den bewegungs- und kreativitätsorientierten Hort sowie ein Multifunktionsbereich, der als Aula und Mensa dienen soll, müssen baulich ergänzt werden.
Für die Schule stehen im Hauptgebäude ab dem ersten Obergeschoss sämtliche Räume zur alleinigen Nutzung zur Verfügung. Das Raumprogramm kann vollständig abgebildet werden. In weiteren Abstimmungen soll die konkrete Aufteilung, etwa in Jahrgangscluster, präzisiert werden. Die bereits sanierten Werkräume und Umkleiden für die Sporthalle im Untergeschoss bleiben erhalten und werden weiterhin genutzt.
Der Hort erhält im Erdgeschoss des Hauptgebäudes eigene Flächen, darunter auch einen Verwaltungsbereich in unmittelbarer Nähe zur Schulverwaltung. Im Untergeschoss befinden sich Werk- und Holzwerkräume, wobei ein Werkraum als Doppelnutzung mit der Schule vorgesehen ist. Das im hinteren Grundstücksbereich gelegene Hortgebäude beherbergt künftig verschiedene Funktionsräume und wird um zwei Bewegungsräume, einen Foyerbereich sowie den Multifunktionsbereich einschließlich der erforderlichen Nebenflächen ergänzt. Dieser Bereich steht sowohl der Schule als auch dem Hort offen.
Im Zuge der Sanierung sollen die Schulflure teilweise aufgeweitet und durch zusätzliche Belichtungsflächen mit Tageslicht durchflutet werden. Die entstehenden Ausblicke ins Freie sollen die Orientierung im Gebäude verbessern und zu einer angenehmeren Atmosphäre beitragen. Die Flure werden nicht länger als reine Verkehrsflächen verstanden, sondern als gestaltete Bereiche, in denen unter anderem offene Garderoben Platz finden.
Ein besonderes Merkmal der Schule sind die beiden übereinanderliegenden historischen Sporthallen. Mit jeweils etwa einer halben Feldgröße erfüllen sie die Anforderungen für den Grundschulunterricht und sichern die Umsetzung des Lehrplans. Derzeit werden die Hallen intensiv von Vereinen genutzt, etwa für Kampfsport, Gymnastik und Tischtennis. Auch künftig sollen sie sowohl dem Schulbetrieb als auch dem Vereinssport zur Verfügung stehen. In den Nachmittagsstunden sind sie zudem für den Hort vorgesehen.
Ein zentrales Ziel der Sanierung ist die Herstellung vollständiger Barrierefreiheit. Geplant ist der Einbau eines Aufzugs an einer der beiden historischen Haupttreppen. Durch die Positionierung an einem zentralen Verkehrspunkt werden sämtliche Ebenen der Schule sowie die untere Hallenebene im Mittelbau erreichbar sein. Auch die auf halber Treppe gelegenen Sanitäranlagen können künftig barrierefrei genutzt werden.











Haben diese Eltern mal einen Blick auf den Haushalt der Stadt geworfen? Schulsanierungen werden fast ausschließlich über eigene Kredite der Stadt finanziert, da sind 700.000€ Mehrkosten für „nice to have“ wirklich viel Geld. Und weil die Bürger es gewöhnt sind ihren Willen zu kriegen wenn sie aufschreien ist Halle in dieser dramatischen Lage. Ja, vieles kommt über die massiv unterfinanzierten Pflichtaufgaben von Bund und Land, aber vieles auch einfach, weil Fraktionen im Stadtrat bei Schulbauten nicht nein sagen konnten zu Sonderwünschen der Eltern.
„Schulsanierungen werden fast ausschließlich über eigene Kredite der Stadt finanziert“
Buerger,
das ist mir auch schon aufgefallen. Die finanziellen Mittel für hallesche Schulen stammen im Wesentlichen aus Krediten. Das ist definitiv kein Zufall, sondern fest kalkulierte Absicht. Da große Kredite dem Landesverwaltungsamt gegenüber zustimmungspflichtig sind, begründet man diese durch die Sanierung von Schulen. Freiwillige Leistungen an sogenannte freie Träger erfolgen über reguläre städtische Einnahmen, um die halleschen Steuerzahler ruhigzuhalten. Das ist Absicht von Teilen der Stadtverwaltung und Teilen des Stadtrates.
Du lügst.
Buerger, hast Du mal einen Blick auf den Haushalt der Stadt geworfen? Der beträgt über eine Milliarde €, da sind 700.000€ noch nicht mal ein Tausendstel!
Ja, vieles kommt offenbar über den massiv unterfinanzierten Mathematikunterricht…
Es ist kein Geld da! Verstehen das die einfachen Menschen nicht?
Also Schule dichtmachen und die Kinder dauerhaft nach Hause schicken? Verstehst Du sehr, sehr einfacher Mensch das nicht?
Bei der Sitzung ging es auch um die GS meiner Kinder (Kirchteich) und ich war als Mama selbst vor Ort.
Es gab weder einen Aufschrei aufgeregter Eltern, noch eine Forderung nach „nice to have“, wie hier unterstellt wird. Der gute Mann hat darauf hingewiesen, dass es mehr als nur eine Möglichkeit gibt, diese Schule zu sanieren und darum gebeten, dass die Anwesenden sich eben auch Variante 2 anschauen. Thats it.
Der dünne Haushalt der Stadt war ihm geläufig, er hat von selbst auf die Mehrkosten hingewiesen, aber auch vorgerechnet, dass es lediglich einen Unterschied von ~2% in der Gesamtsumme wären.
Davon abgesehen hat er kein Schreiben einer „Elterninitiative“ übergeben, sondern (so habe ich es verstanden) 4-5 Seiten Argumente von Schulleitung + Hortleitung. D.h. er hat nur seinen Job als „Elternvertreter“ gemacht. Allein die Tatsache, dass er dort ohne Zettel/Skript aufläuft und frei argumentiert, hat (mich persönlich) beeindruckt.
Im Übrigen wurde (fraktionsübergreifend) ein valider Punkt getroffen: Die Enthaltungen bei der Abstimmung kommen ja nicht von irgendwoher!!!
Es wurde vielmehr von mehreren Stadträten kritisiert, dass sie diese Informationen nicht vorab bekommen haben, sondern etwas beschließen (durchwinken?) sollen, ohne alle Argumente zu kennen.
Man hat dem Elternvertreter zu fortgeschrittener Stunde und auf Wunsch einer Fraktion, sogar nochmal das Rederecht erteilt und ihn um 3 Fakten / Argumente gebeten.
Er hat geliefert und das ohne „bla bla“.