Ohne genehmigten Haushalt droht das Sterben der Kinder- und Jugendarbeit in Halle (Saale): 6 Millionen Euro auf Eis, Stadt stellt alle Aufgaben auf den Prüfstand
In der Stadt Halle (Saale) steht die Kinder- und Jugendarbeit vor einer ungewissen Zukunft. Weil der städtische Haushalt bislang nicht genehmigt ist, dürfen sogenannte freiwillige Leistungen derzeit nicht ausgezahlt werden. Betroffen sind nach Angaben der Stadtverwaltung rund sechs Millionen Euro, die insbesondere freien Trägern und Vereinen zugutekommen sollten.
Für viele Einrichtungen bedeutet das eine existenzielle Bedrohung.
Träger stoßen an finanzielle Grenzen
Über Jahre hinweg haben freie Träger – von Jugendclubs über Streetwork-Projekte bis hin zu Bildungs- und Beratungsangeboten – einen wesentlichen Teil der sozialen Infrastruktur in Halle getragen. Doch ohne bewilligten Haushalt fehlt nun die rechtliche Grundlage für Auszahlungen im Bereich der freiwilligen Leistungen.
Zwar hätten zahlreiche Träger in den vergangenen Monaten Gelder vorgestreckt, doch diese Rücklagen seien inzwischen weitgehend aufgebraucht. Immer mehr Einrichtungen kündigen deshalb an, ihren Betrieb einstellen zu müssen, sollte sich die Situation nicht kurzfristig ändern.
Einrichtungen, die Jugendlichen Halt, Beratung und Perspektiven bieten, stehen damit vor dem Aus. Besonders betroffen sind niedrigschwellige Angebote in sozialen Brennpunkten – dort, wo Unterstützung am dringendsten benötigt wird.
Stadt verweist auf rechtliche Vorgaben
Die Stadtverwaltung von Halle (Saale) bestätigt die schwierige Lage. Die Meldungen der Träger seien bekannt, man stehe „in engem Austausch“ mit dem Landesverwaltungsamt sowie mit den betroffenen Einrichtungen.
Ein Sprecher betont: „Um (Planungs-)Sicherheit für die Träger herzustellen, braucht es zwingend einen genehmigten Haushalt 2026. Klar ist schon jetzt, dass dies nur gelingen wird, wenn die Stadt Halle (Saale) beim Haushaltskonsolidierungskonzept deutlich nachbessert.“
Grundsätzlich seien vertraglich gebundene Leistungen nicht betroffen. Dazu zählen unter anderem Einrichtungen wie die Stadtbibliothek, Museen, Bäder, der Zoo oder größere Bauvorhaben wie das Rennbahnkreuz sowie Investitionen bei den Freiwilligen Feuerwehren in Nietleben und Diemitz.
Rechtsgrundlage sei § 104 Abs. 1 Punkt 1 des Kommunalverfassungsgesetzes Sachsen-Anhalt (KVG LSA). Demnach dürfe die Stadt in der vorläufigen Haushaltsführung Aufwendungen leisten, zu denen sie rechtlich verpflichtet ist oder die zur Weiterführung notwendiger Aufgaben unaufschiebbar sind. Bereits begonnene Investitionen und Baumaßnahmen könnten ebenfalls fortgeführt werden. Freiwillige Leistungen jedoch fallen nicht unter diese Kategorie.
Sechs Millionen Euro im Feuer
Nach Angaben der Stadt sind rund sechs Millionen Euro für freie Träger und Vereine gesperrt. Dabei handelt es sich um Gelder, die traditionell Projekte der Kinder- und Jugendarbeit, kulturelle Initiativen sowie soziale Angebote finanzieren.
Gerade die Kinder- und Jugendarbeit gilt jedoch als präventiver Pfeiler kommunaler Sozialpolitik. Fachleute warnen seit Jahren davor, hier zu sparen. Jeder geschlossene Jugendclub, jede gestrichene Streetwork-Stelle könne langfristig deutlich höhere soziale Folgekosten verursachen.
Haushaltskonsolidierung als Mammutaufgabe
Hintergrund der Misere ist die angespannte Haushaltslage der Stadt. Um die finanzielle Handlungsfähigkeit nachhaltig zu sichern, werden „sämtlichen Ausgaben und Einnahmemöglichkeiten auf den Prüfstand gestellt“, heißt es aus dem Rathaus.
Zu Details aus den Gesprächen mit dem Landesverwaltungsamt wolle man sich öffentlich nicht äußern. Klar sei jedoch: Ohne ein tragfähiges Haushaltskonsolidierungskonzept werde es keine Genehmigung geben.
Ein weiteres Gespräch zwischen Stadtverwaltung und den Stadtratsfraktionen ist geplant. Die Verwaltung betont zugleich die Rolle des Rates: „Die Hoheit über den städtischen Haushalt obliegt dem Stadtrat. Insofern trifft der Stadtrat auch hinsichtlich der erforderlichen Konsolidierung die Entscheidung.“
Zwischen Hoffnung und Resignation
Für die betroffenen Träger bleibt die Lage angespannt. Viele kämpfen mit kurzfristigen Zahlungsfristen, Mietkosten und Personalausgaben. Mitarbeitende bangen um ihre Arbeitsplätze, Jugendliche um ihre Anlaufstellen. Während Bibliotheken, Museen und Großprojekte abgesichert erscheinen, droht im sozialen Nahbereich eine stille Erosion.
Ob es der Stadt gelingt, rechtzeitig einen genehmigten Haushalt für 2026 vorzulegen und damit Planungssicherheit zu schaffen, entscheidet sich in den kommenden Monaten. Für die Kinder- und Jugendarbeit in Halle geht es dabei nicht nur um Zahlen – sondern um Räume, Beziehungen und Zukunftschancen einer ganzen Generation.
Am Mittwoch, 25. Februar 2026, wird es um 13 Uhr eine Demonstration der Vereine und Freien Träger auf dem Marktplatz geben.










6Millionen werden eingespart. Richtig. Auch wenn das nur ein kleiner Teil ist. Das sieht man mal wo das Geld hin abgewandert ist.
Die mehrjährigen Förderungen aus dem Kulturetat gehören gestrichen! Diese wurden noch schnell am 04.11.2025 im Kulturausschuss durchgewunken und zwar von fast allen Fraktionen! Unter anderem soll Radio Corax jährlich 25.000 EUR bekommen, (insgesamt 75.000 EUR). Gewährung mehrjähriger Zuwendungen zur Förderung der freien Kulturarbeit an den Kunstverein „Talstrasse“ e.V., die WOMEN IN JAZZ gGmbH, den Corax e.V., die Robert-Franz-Singakademie Halle e.V., das Künstlerhaus 188 e.V., die Kindersingakademie der Stadt Halle (Saale) in Trägerschaft der Halleschen Jugendwerkstatt gGmbH sowie die Singschule Halle (Saale) e.V. gemäß der Richtlinie der Stadt Halle (Saale) über die Gewährung von Zuwendungen zur Förderung der freien Kulturarbeit (Kulturförderrichtlinie) für die Jahre 2026 bis 2028. 744.000 € wurde da durchgewunken, obwohl alle wussten, dass die Stadt kein Geld hat. Jetzt sind alle Stadträte bestürzt, ich finde das einfach nur widerlich, wie die sich aus der Affäre ziehen wollen.
Kultur ist nich so Ihrs, was?
Wieviele Millionen sind in dem Haushalt 2026 eigentlich für das neue „Zukunftszentrum“ vorgesehen? Ja, das wird mit X-Millionen vom Bund gefördert. Trotzdem muss die Stadt mit Sicherheit auch ihren Beitrag für sekundäre Baumaßnahmen einplanen / leisten…. Anschlüssen und Straßen bauen sich ja nicht von selbst…
Und warum stellt man dann das Bild des derzeitigen OB an erste Stelle? Es ist nicht nur der OB der für die derzeitige Situation verantwortlich ist!
Bestes Halle aller Zeiten