Ein funkelnder Neubeginn im Evangelischen Kirchenkreis Halle-Saalkreis: Dr. Ute Niethammer als neue Superintendentin ins Amt eingeführt
Mit festlichem Glockenklang und unter den Tönen des Chorals „Herr Jesu Christ, dich zu uns wend“ begann am Samstag ein besonderer Gottesdienst in der Marktkirche Unser Lieben Frauen: Dr. Ute Niethammer wurde als neue Superintendentin des Kirchenkreises Halle-Saalkreis in ihr Amt eingeführt – als erste Frau an der Spitze des Kirchenkreises. Das historische Gotteshaus war bis auf den letzten Platz gefüllt. Auf das Eingangslied folgte das Psalmgebet aus Psalm 25. Kantorin Anna Scholl und die Marktkantorei gaben dem Gottesdienst einen festlichen musikalischen Rahmen und unterstrichen die besondere Atmosphäre dieses Neuanfangs. Niethammer wurden zudem die Ernennungsurkunde und das Amtskreuz übereicht.

Ein neuer Abschnitt für Kirche und Superintendentin
Für Niethammer und die Kirche beginne nun ein neuer Abschnitt, sagte Tanja Düben vom Gemeindekirchenrat der Marktkirche. Mit dem Amt ist auch ein Predigtauftrag an der Marktkirche verbunden – die neue Superintendentin wird hier künftig regelmäßig zu hören sein.
Regionalbischöfin Bettina Schlauraff überreichte Niethammer das Amtskreuz und setzte in ihrer Ansprache einen deutlichen Akzent. Kirche brauche ein neues Verständnis von Macht und Hierarchie. „Gerade der Umgang mit Fällen sexualisierter Gewalt hat schmerzhaft aufgedeckt, wohin Rollen- und Verantwortungsdiffusion und ein überhöhtes Machtverständnis führen können“, sagte sie. Neu über Macht nachzudenken heiße nicht, Verantwortung unsichtbar zu machen – im Gegenteil: „Sie muss sichtbar sein und sich messen lassen.“
In einem Vorbereitungsgespräch habe sie Niethammer gefragt, was sie Jesus fragen würde, wenn sie ihn zum Frühstück träfe. Die erste Frage wäre pragmatisch: „Kaffee oder Tee – damit er auch wirklich wach ist.“ Dann würde sie ihm die Tageszeitung geben mit der Bitte: „Lies und sag mir, worum ich mich als Erstes mit dir zusammen kümmern kann.“ Für Schlauraff steht damit fest: „Kirche ist in der Welt – das ist unser Auftrag.“ Der Glaube sei nachhaltig und mitten im Leben verankert.

Hoffnung, die durch Leid trägt
In ihrer ersten Predigt als Superintendentin stellte Dr. Niethammer die Überzeugung des Apostels Paulus ins Zentrum: Aus Glauben und Vertrauen erwachse eine Hoffnung, die auch durch Leid und Enttäuschung hindurch trägt. „Durch Jesus ist Gott bei den Menschen und sagt Ja – Ja zu allem, was so eine menschliche Existenz ausmacht. Ja auch zu diesen Abgründen in uns, weil Gott sie durch Jesus Christus verwandelt.“ Sie zitierte aus der „Sprache der Gerechten“ des Paulus: „Sind wir nun gerecht gesprochen auf Grund von Vertrauen, so lasst uns mit Gott Frieden halten durch den, dem wir gehören: Jesus Christus.“ In diesem Licht könne das Leben gestaltet werden. „Wir können uns glücklich preisen, weil wir darauf hoffen, dass Gottes Glanz alles durchdringt.“
Der Sonntag „Reminiszere“ – lateinisch für „Erinnere dich“ – schlug den thematischen Bogen. Mitten in der Passionszeit mahne dieser Tag zum Erinnern, sagte Niethammer. Orte wie der Roter Ochse stünden für erlittene Gewalt in der NS- und DDR-Zeit – „ein Gebäude, das für schlimmste Bedrängnisse steht“. Aufgewachsen in Baden-Württemberg, sei sie weit entfernt gewesen von diesen Erfahrungen. Bücher, Filme und Gespräche mit Zeitzeugen hätten ihr jedoch ein Fenster geöffnet. Besonders beeindruckt habe sie die Haltung jener Menschen, die trotz Haft und Verfolgung aufrecht geblieben seien.
Niethammer zitierte die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer: „Es gibt kein christliches, jüdisches oder muslimisches Blut. Es gibt nur menschliches Blut. Wir sind alle gleich. Seid Menschen.“ Im Schmerz der Erinnerung zeigten sich zugleich Räume der Hoffnung. „Der Ostersonntag überbietet die Erinnerung an den Kreuzestod“, sagte die Superintendentin. Jeder Sonntag sei eine „kleine Osterfeier“, ein Zeichen dafür, dass Gottes Lebenskraft stärker sei als Tod und Angst.
Dieser göttliche Glanz zeige sich auch heute: „in den Augen jüngerer und älterer Menschen, die protestieren, dass der Profit weniger über das Wohl vieler gestellt wird.“ Er werde sichtbar in Initiativen wie dem Bauwagen auf der Silberhöhe oder dem Projekt „Out of the Box“ in Halle-Neustadt, in Konzerten der Chöre und im Orgelspiel. Wo Menschen solidarisch handelten und Hoffnungsinseln schüfen, werde Gottes Geist wirksam. „So funkelnd und glitzernd habe ich Kirche hier erlebt“, sagte Niethammer zum Abschluss. Eine Gemeinschaft, die aus der Erinnerung Kraft schöpft, Position bezieht und Kirche Jesu mitten im Heute gestaltet.

Kirche und Stadt – seit Jahrhunderten verbunden
„Die Kirchen und die Stadt Halle gehören seit Jahrhunderten zusammen“, betonte Halles Kulturdezernentin Judith Marquardt. Die Kirchen seien von großer kultureller Bedeutung – Orte für Konzerte und geistliche Musik. Der Stadtsingechor führe Motetten in der Marktkirche auf, Kirchenchöre prägten die Kulturlandschaft. Kirche und Stadt stifteten Gemeinschaft und brächten Menschen zusammen.
Klare Wahl, klarer Auftrag
Niethammer tritt die Nachfolge von Superintendent Hans-Jürgen Kant an, der im vergangenen Jahr in den Ruhestand gegangen ist. Seit dem 1. November 2025 hatte Karsten Müller den Kirchenkreis kommissarisch geleitet. Im Juni war Niethammer auf einer Wahlsynode mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit bereits im ersten Wahlgang gewählt worden – ein deutliches Votum. Mit ihrer Einführung beginnt nun offiziell ein neues Kapitel im Kirchenkreis Halle-Saalkreis. Eines, das – so ihre Predigt – aus der Erinnerung lebt, Verantwortung übernimmt und im Vertrauen auf Gottes Zusage mutig in die Gegenwart geht.











Eine sehr sympathische Person. Ich freue mich auf kommende Veranstaltungen mit ihr.
Willkommen in Halle! Das war eine sehr schöne und würdige Feier. Danke allen, die dazu beitrugen. Frau Dr. Niethammer, bleiben Sie behütet und behalten Sie bitte das Miteinander aller Christen im Blick. Gottes Segen für Ihr Tun und Lassen.
Es ist wie immer hohe Ämter gehen immer an Menschen aus den gebrauchten Ländern
Besser ist es.
Die neue Superintendentin wurde von den Menschen aus dem hiesigen Kirchenkreis im ersten Wahlgang mit 2/3-Mehrheit gewählt. Eine sehr demokratische, lokale Entscheidung.
Und dann wundern sie sich, dass die Zahl der Asutritte immer weiter steigt. Nur weiter so.