9 Millionen Euro für Freiflächengestaltungen in den Franckeschen Stiftungen: zukunftsfähiger Umgang mit Wasser, Boden und Vegetation
Klimaschutz und Denkmalschutz gelten oft als Gegensätze – doch auf dem Gelände der Franckesche Stiftungen in Halle (Saale) soll nun das Gegenteil bewiesen werden. Mit einem innovativen Bauprojekt, das 2026 startet, reagieren die traditionsreichen Stiftungen auf die zunehmenden Herausforderungen durch Starkregen und Klimawandel. Ziel ist es, die historische Bausubstanz langfristig zu schützen und zugleich die Freiflächen ökologisch sowie barrierearm neu zu gestalten.
Für die Jahre 2026 und 2027 sind Gesamtkosten in Höhe von 9.020.810,69 Euro brutto veranschlagt. Finanziert wird das Vorhaben aus Bundes- und Landesmitteln. Damit erhält das Projekt nicht nur regional, sondern auch auf übergeordneter Ebene hohe Anerkennung als Modell für nachhaltige Denkmalpflege.
Nach Jahrzehnten der Gebäudesanierung: Fokus auf die Freiflächen
„Inzwischen sind alle Hochbauten durchsaniert. Bei manchen Gebäuden befinden wir uns bereits in der zweiten oder dritten Sanierungsphase“, erklärt Dr. Marianne Schröter, Direktorin der Franckeschen Stiftungen. „Nun wollen wir uns mit einem innovativen Projekt den Freiflächen zuwenden. Wir wollen aufzeigen, dass Denkmalschutz und Klimaschutz ineinander greifen können.“
Tatsächlich liegt der Schwerpunkt des neuen Projekts nicht auf weiteren Fassaden- oder Dachsanierungen, sondern auf einem zukunftsfähigen Umgang mit Wasser, Boden und Vegetation – sensibel abgestimmt auf das denkmalgeschützte Ensemble. Die jahrzehntelangen Investitionen in die historischen Gebäude bilden nun die Grundlage für einen ganzheitlichen Ansatz, der auch die Außenräume als schützenswerten Bestandteil des kulturellen Erbes begreift.
Starkregen im Blick: Klimaresilientes Regenwassermanagement
Das Stiftungsgelände ist durch seine Böschungslage besonders anfällig für Starkregenereignisse. Immer wieder kommt es bei heftigen Niederschlägen zu starken Wasserabflüssen, die sowohl Wegeflächen als auch Gebäudesubstanz belasten. Vor diesem Hintergrund wird das bestehende Kanalsystem umfassend ertüchtigt und teilweise durch neue Leitungen ergänzt.
Herzstück des Projekts ist die schrittweise Installation eines klimaresilienten Regenwassermanagements. Drei unterirdische Zisternen sollen künftig große Wassermengen aufnehmen und zwischenspeichern. Ergänzt wird dieses System durch Stauraumkanäle, die bei Starkregenereignissen als Puffer dienen. Regenwasser kann so kontrolliert gespeichert, verzögert abgeführt oder gezielt zur Versickerung gebracht werden. Auf diese Weise werden die historischen Gebäude besser geschützt und zugleich Maßnahmen zur Klimaanpassung umgesetzt, die langfristig wirken.
Entsiegelung und Stabilisierung: Mehr Raum für Wasser und Wurzeln
Neben der unterirdischen Infrastruktur widmet sich das Projekt intensiv den Oberflächen des Geländes. In den vergangenen Jahrzehnten intensiver Bautätigkeit kam es zu Verdichtungen und Versiegelungen, die den natürlichen Wasserhaushalt beeinträchtigen. Diese Eingriffe sollen nun behutsam zurückgebaut werden. Durch die Entsiegelung kann Regenwasser künftig wieder stärker in den Boden eindringen, anstatt oberflächlich abzufließen.
Im Lindenhof stehen zudem gezielte Maßnahmen am Baumbestand an. Der Wurzelbereich wird aufgelockert, um die Bodenstruktur zu verbessern und die Wasserversorgung der Bäume nachhaltig zu sichern. Geplant sind darüber hinaus Nachpflanzungen sowie fachgerechte Kronenpflegen. Ziel ist es, die vorhandenen Bäume langfristig zu stabilisieren und die ökologische Qualität des historischen Hofes zu erhöhen. Die Vegetation wird damit zu einem zentralen Baustein des Klimakonzepts.
Barrierearme Wege im historischen Kontext
Auch die Wegeführung auf dem Stiftungsgelände wird im Zuge des Projekts neu gedacht. Ein barrierearmes Wegesystem soll künftig allen Besucherinnen und Besuchern einen besseren Zugang ermöglichen, ohne die denkmalgeschützte Struktur des Ensembles zu beeinträchtigen. Die Oberflächen werden sensibel gestaltet und in Materialität und Erscheinungsbild auf den historischen Kontext abgestimmt.
So entsteht ein ausgewogenes Zusammenspiel aus technischer Innovation, ökologischer Verantwortung und denkmalpflegerischer Sorgfalt. Mit einem Investitionsvolumen von über neun Millionen Euro setzen die Franckeschen Stiftungen ein deutliches Zeichen: Historische Orte können sich den Herausforderungen des Klimawandels stellen, ohne ihre Identität zu verlieren. Das Projekt versteht sich damit als Vorbild über Halle hinaus – als Beleg dafür, dass Klimaschutz und Denkmalschutz gemeinsam gedacht werden können und sich gegenseitig stärken.










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