Kunst trifft Wissenschaft: Leopoldina und Kunststiftung Sachsen-Anhalt stellen Kunstprojekte vor

Kunst trifft Wissenschaft: Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina stellt ihren Hauptsitz in Halle (Saale) für großflächige Kunstinstallationen zur Verfügung. Gemeinsam mit der Kunststiftung Sachsen-Anhalt hat sie zwei Kunstprojekte ausgewählt, die das Thema der diesjährigen Leopoldina-Jahresversammlung – Autonomie – auf individuelle Art interpretieren. Während die Bildhauerin Julia Schleicher die Innenräume des Hauptgebäudes mit großformatigen Kokons und Puppen ausgestaltet, baut die Künstlergemeinschaft Klub7 im Außengelände mit Holz, Stoffen, Sound- und Lichtinstallationen an einer kollektiven Autonomie. Heute wurden die Konzepte der beiden Kunstprojekte in der Leopoldina vorgestellt.

„Kunst und Wissenschaft haben ganz unterschiedliche Ansätze, um Erkenntnisse über komplexe Zusammenhänge zu gewinnen. Die Wissenschaft kann sich interdisziplinär mit dem Thema Autonomie auseinandersetzen“, sagt Franziska Hornig, die Generalsekretärin der Leopoldina. „In der Zellbiologie werden autonome Zellen erforscht, die eigenständig Stoffwechsel und Teilung organisieren können. In der Roboterentwicklung wird das Ziel verfolgt, dass Maschinen ohne äußere Steuerung komplexe Handlungen selbstständig ausführen. In der Soziologie zeigt sich Autonomie als Spannungsfeld zwischen Selbst- und Fremdbestimmung. Wir freuen uns sehr darauf, dass zur Jahresversammlung neben all diesen wissenschaftlichen Zugängen auch eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Autonomie entsteht. Durch die Kooperation mit der Kunststiftung Sachsen-Anhalt wird unser Hauptsitz am Jägerberg zu einer raumgreifenden Ausstellung.“

„Die Zusammenarbeit mit einer so renommierten Einrichtung wie der Nationalen Akademie der Wissenschaften, der Leopoldina, ist für uns ein herausragendes Ereignis. Es bietet nicht nur die Möglichkeit, neue Publikumsgruppen anzusprechen, sondern ermutigt auch dazu, das Verhältnis von Kunst und Wissenschaft jenseits der üblichen Grenzziehungen neu zu erkunden. In der Kunststiftung liegt uns viel daran, neue Bereiche und Schnittstellen zu schaffen, um den interdisziplinären Austausch zu fördern und sich gegenseitig zu inspirieren. Durch diese Kooperation können wir Künstlern eine Plattform bieten, auf der sie in einen kreativen Dialog mit Wissenschaftlern eintreten können. Wir freuen uns auf die zu entstehenden Werke und darauf, wie der ‚fremde Blick‘ auf die jeweils andere Disziplin zum Austausch und zur Reflexion anregt.“ so Manon Bursian, Direktorin der Kunststiftung Sachsen-Anhalt.

Anlässlich der Leopoldina-Jahresversammlung 2026 lud die Kunststiftung Sachsen-Anhalt im Rahmen eines Einladungswettbewerbes sechs Künstlerinnen und Künstler bzw. ein Künstlerkollektiv dazu ein, sich mit dem Thema „Autonomie“ zu befassen. Sie sollten Kunstwerke konzipieren, die den Akademiesitz zur Jahresversammlung visuell begleiten. Aus den Einreichungen wählten Vertreterinnen und Vertreter der Kunststiftung und der Leopoldina zwei Projekte aus: „Autonomie der Puppe“ von Julia Schleicher und „Kollektive Autonomie“ der Künstlergemeinschaft Klub7.

Die Bildhauerin Julia Schleicher (Grafik hier darüber) lockte bereits im vergangenen Jahr anlässlich der Jahresausstellung Sachsen-Anhalt „Gerechtigkeyt 1525“ das Publikum mit einer gigantischen plastischen Gewitterwolke nach Allstedt. Nun befasst sie sich mit der „Autonomie der Puppe“. In einem Insektenkokon laufen die Prozesse der Metamorphose abgeschlossen von äußeren Einflüssen ab. Die verpuppte Larve regelt im Kokon alle Prozesse selbst. Julia Schleicher setzt sich in ihrer Arbeit mit diesem autonomen biologischen Prozess künstlerisch auseinander. Über 30 Objekte aus verschiedenen Materialien wie Keramik, Gips, Beton oder Holzwolle gestaltet sie in Form von Insektenpuppen und Kokons. Im gesamten Gebäude der Leopoldina werden diese an Wänden und Decken platziert und zum Moment der Irritation.

Die Künstlergemeinschaft Klub7 erweckt seit 28 Jahren mit ihren farbgewaltigen Wandgemälden und Illustrationen Stadtlandschaften und Innenräume zum Leben. Vor dem Leopoldina-Hauptgebäude wird sie die großformatige Installation „Kollektive Autonomie“ aus verschiedenen Baumaterialien und eingefärbten, bemalten und bedruckten Stoffen errichten. Mit Sound- und – bei Nacht – Lichtelementen wird die Arbeit in den Stadtraum hinein sicht- und hörbar sein. Das geplante Kunstwerk fokussiert das Wesen der Autonomie, insbesondere das kollektive Tarieren von Freiheit und Begrenzung. Freiheit existiert nie völlig isoliert, sondern immer in Beziehung zu Regeln, Erwartungen und Grenzen. Menschen handeln selbstständig – aber nur innerhalb bestimmter Rahmen: Gesetze, Ressourcen, gesellschaftliche Normen oder moralische Leitlinien. Ziel ist die Sichtbarmachung von Prozess, Dynamik und Zusammenspiel von Struktur und Zufall – eng verbunden mit der Arbeitsweise im Kunstkollektiv. Dieser spontane, kollektive Arbeitsprozess schafft ein System, in dem Autonomie erlebbar wird.

Visualisierung: Klub7

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Eine Antwort

  1. Frager sagt:

    Und wer finanziert das?

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