Mit bis zu 120 km/h vor der Polizei abgehauen: Landtagsanfrage zu schwerem Verkehrsunfall mit 7 Verletzten nach Verfolgungsjagd
Mehr als zwei Monate nach der folgenschweren Polizeiverfolgung in Halle (Saale) beschäftigt der Vorfall nun auch die Landespolitik. Der Landtagsabgeordnete der Grünen, Sebastian Striegel, hat eine parlamentarische Anfrage an die Landesregierung gestellt, um Details zu Ablauf und Bewertung des Einsatzes zu klären.
Der Unfall ereignete sich am Abend des 3. Januar 2026, zwei Autos kollidierten in der Wörmlitzer Straße frontal. Zuvor war ein Opel vor der Polizei geflüchtet. Bei dem Unfall wurden insgesamt sieben Menschen verletzt, darunter mehrere schwer.
Kontrolle wegen falschem Kennzeichen
Nach Angaben der Landesregierung waren Polizeibeamte während einer Streifenfahrt auf den Wagen aufmerksam geworden. An dem Opel war das hintere Kennzeichen lediglich provisorisch mit Klebeband befestigt. Eine Abfrage ergab, dass das Kennzeichen zu einem anderen Fahrzeug gehörte.
Als die Beamten den Wagen daraufhin kontrollieren wollten, ignorierte der Fahrer das Anhaltesignal und setzte seine Fahrt fort. Um 20.27 Uhr begann die Nachfahrt, die vom Lage- und Führungszentrum der Polizeiinspektion Halle übernommen wurde.
Vier Minuten bis zum Unfall
Die Verfolgung dauerte nach Angaben der Landesregierung nur wenige Minuten. Zwischen 20.27 Uhr und 20.31 Uhr folgten die Beamten dem Fahrzeug über mehrere Straßen im Süden der Stadt: über die Theodor-Weber-Straße, die Guldenstraße, die Erhard-Hübner-Straße und die Freyburger Straße bis zur Paul-Suhr-Straße und schließlich zur Straße der Republik.
Bis zur Paul-Suhr-Straße bewegte sich der Opel laut Regierung mit etwa 40 bis 60 km/h. Danach beschleunigte der Fahrer deutlich und erreichte Geschwindigkeiten von bis zu 120 km/h.
Um 20.29 Uhr erhielt die Streife aus der Einsatzzentrale mehrere Anweisungen. Die Beamten sollten insbesondere die Verhältnismäßigkeit beachten und die Verfolgung abbrechen, falls eine zu große Gefährdung für Unbeteiligte entstehe. Zudem wurde untersagt, auf die Gegenfahrbahn zu fahren, stationäre Sperren einzurichten oder das Fahrzeug abzudrängen.
Frontalzusammenstoß im Gegenverkehr
Wenig später verlor der Fahrer im Bereich des Übergangs von der Straße der Republik zur Wörmlitzer Straße die Kontrolle über den Wagen. Der Opel prallte zunächst gegen ein Verkehrsschild auf einer Verkehrsinsel, geriet anschließend auf die Gegenfahrbahn und stieß frontal mit einem entgegenkommenden Smart zusammen.
Der 50-jährige Fahrer des Smart wurde schwer verletzt. Auch zwei Insassen des flüchtenden Fahrzeugs wurden schwer verletzt und mussten aus dem Wagen befreit werden, der kurzzeitig Feuer fing. Vier weitere Insassen flüchteten zunächst vom Unfallort, konnten jedoch später ermittelt werden. Bei ihnen handelte es sich um Jugendliche im Alter von 15 bis 17 Jahren.
Ermittlungen gegen Fahrer
Nach Angaben der Landesregierung wurden gegen den Fahrer mehrere Ermittlungsverfahren eingeleitet, unter anderem wegen Urkundenfälschung, Verstoßes gegen das Pflichtversicherungsgesetz, fahrlässiger Körperverletzung und wegen eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens.
In ihrer Antwort auf die Anfrage von Striegel kommt die Landesregierung zu dem Schluss, dass die Polizeibeamten die geltenden Leitlinien für Verfolgungsfahrten eingehalten hätten. Nach derzeitiger Bewertung gebe es keine Hinweise auf eine Fehleinschätzung bei der Verhältnismäßigkeit des Einsatzes.











Hat Herr Striegel nicht auch Fahrerflucht begangen nach Unfall ?
Hab so ne Erinnerung.
Korrekt. Schon beschämend wie die Polizei in Misskredit gebracht werden soll. Das ging nach hinten los. Die Wahl ist im Herbst.
Korrekt. Und er kam mit ’nem Strafbefehl davon.
Das ist theoretisch richtig, hat aber mit dem vorliegenden Fall nichts zu tun. Es geht hier nicht um die Flucht des Fahrers vor der drohenden Polizeikontrolle, sondern um die Verhältnismäßigkeit der Verfolgungsjagd.
Herr Striegel von den Grünen, selber als Fahrerflüchtiger bekannt, kann da sicherlich auch fachlich bei der Auswertung und Aufarbeitung beitragen.