Stadtrat beschließt Neubau der Förderschule „Astrid Lindgren“ für 26,5 Millionen Euro mit Küche, Sitzecke und Platz für Betten im Klassenraum
Im halleschen Stadtteil Silberhöhe wird eine neue Schul errichtet: In der Ludwig-Bethcke-Straße entsteht ein hochmoderner, vollkommen barrierefreier Neubau für die Förderschule „Astrid Lindgren“ samt integriertem Hort. Rund 26,5 Millionen Euro werden investiert. Vom Stadtrat gab es am Mittwoch eine Zustimmung, ganz ohne Diskussionen.
Die Notwendigkeit des Bauvorhabens stand für alle Beteiligten außer Frage. Aufgrund kontinuierlich steigender Schülerzahlen stieß das bisherige Schulgebäude in der nahegelegenen August-Lamprecht-Straße längst an seine Kapazitätsgrenzen, sodass akuter Entlastungsbedarf bestand, um den gesetzlichen Bildungsauftrag auch künftig ordnungsgemäß zu erfüllen. Gebaut werden soll ab dem zweiten Quartal kommenden Jahres für zwei Jahre.
Spezialarchitektur für besondere Bedürfnisse
Da es sich bei der Förderschule „Astrid Lindgren“ um keine reguläre Schule handelt, orientiert sich die Planung der Architekten an extrem spezifischen Anforderungen. Man hat sich dafür Ideen aus Thüringen geholt, wo eine Leitlinie existiert, die es aber im Land Sachsen-Anhalt nicht gibt. In der Einrichtung werden 200 Schülerinnen und Schüler in 18 Klassen unterrichtet – darunter mehrfach behinderte Kinder, von denen viele auf den Rollstuhl angewiesen sind oder in speziellen Pflegebetten betreut werden.
Aus diesem Grund stand das Thema Sicherheit und Barrierefreiheit in den vorgeschalteten Fachausschüssen im Fokus: Um den Schutz nicht eigenständig fluchtunfähiger Kinder im Ernstfall zu garantieren, besteht der Baukörper aus zwei Gebäudeteilen, die im Brandfall völlig unabhängig voneinander als autarke Brandabschnitte fungieren. Insgesamt drei Aufzüge werden im Gebäude installiert. Neben dem zentralen Aufzug im Foyer dient jeweils ein weiterer Aufzug an den Treppenhäusern explizit auch der sicheren Entfluchtung im Notfall. Alle Geschosse und Zugänge werden absolut schwellenlos und nach strengen DIN-Normen realisiert. Die Klassenräume verfügen über maßgeschneiderte Lern- und Betreuungsstrukturen. Jeder Unterrichtsraum erhält eine eigene kleine Küchenzeile sowie eine gemütliche Sitzecke, um den Schultag optimal an die lebenspraktischen und pflegerischen Bedürfnisse der Kinder anzupassen. Zudem bietet der integrierte Hort Platz für bis zu 90 Kinder.
Wirtschaftliche Kehrtwende spart Millionen
Interessante Details kamen im Zuge der Planungsphasen ans Licht: Ursprünglich sah das Konzept der Stadtverwaltung eine Aufteilung auf zwei Standorte vor. Das bestehende Gebäude in der August-Lamprecht-Straße sollte aufwändig saniert werden, während in der Ludwig-Bethcke-Straße lediglich ein kleinerer Ergänzungsneubau entstehen sollte.
Nach intensiven Abstimmungen mit der Schul- und Hortleitung korrigierte die Verwaltung diesen Kurs jedoch grundlegend. Die Bündelung aller Kräfte an einem einzigen, modernen Standort erwies sich nicht nur aus pädagogischer Sicht als Ideallösung – sie schont auch massiv die Stadtkasse. Durch den Verzicht auf die Sanierung des Altbaus und die Konzentration auf den Neubau ergibt sich laut Stadt sogar ein enormes Einsparpotenzial von rund 6,6 Millionen Euro.
Abriss von leerstehender ehemaliger Polizei und Kita
Bevor der erste Spatenstich für den barrierefreien Schulkomplex gesetzt werden kann, muss Platz geschaffen werden. Auf dem Bauplatz in der Ludwig-Bethcke-Straße befindet sich ein seit Jahren leerstehendes DDR-Bestandsgebäude. Die Immobilie blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück: Einst als Kindergarten erbaut, diente das Gebäude in den Jahren nach der Wende zuletzt als Polizeirevier, bevor es endgültig verwaiste. Nun weicht der graue Betonbau einem nachhaltigen und zukunftsträchtigen Gebäude. Es bekommt eine recyclebare, natürliche Holzfassade.
Bezüglich des bisherigen Schulgebäudes in der August-Lamprecht-Straße hat die Stadtverwaltung unterdessen noch keine finale Entscheidung getroffen, hieß es in den Fachausschüssen. Hier gibt es zum aktuellen Zeitpunkt noch keine konkrete Nachnutzung, weshalb das Areal nach dem Umzug der Schule zunächst in die strategische Liegenschaftsplanung der Stadt übergehen wird.














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