Ärger auf der Kneipenmeile in Halle (Saale): Gastronomen meutern gegen WM-Sicherheitsbarrieren der Stadt – sie wollen größtenteils keinen Fußball zeigen

Es sollte eine Sicherheitsmaßnahme zum Schutz feiernder Fußballfans sein, doch in der Kleinen Ulrichstraße sorgt sie stattdessen für heftigen Unmut. Die Stadt Halle (Saale) hat auf der beliebten Kneipenmeile temporäre Absperrungen installieren lassen, um pünktlich zur anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft unerwünschten Autoverkehr einzudämmen. Bei den betroffenen Gastronomen stößt das Vorgehen jedoch auf blankes Unverständnis.

Stadt will „Poser-Fahrten“ zur WM ausbremsen

Nach Plänen der Stadtverwaltung sollen die neuen Barrieren – schwere Absperrelemente, die abends und nachts hochgeklappt werden können – zu den Spielzeiten der WM Autos aus dem gesperrten Teilbereich der Straße fernhalten. Das erklärte Ziel der Behörden: Sogenannte „Poser- und Showfahrten“ zu unterbinden und die Sicherheit der erwarteten Fangemeinden zu gewährleisten, die erfahrungsgemäß während solcher Großereignisse die Straße bevölkern.

„Vollkommen überzogen“: Gastronomen wurden vor vollendete Tatsachen gestellt

Doch die Betreiber der örtlichen Lokalitäten fühlen sich von der Stadtverwaltung überrollt. Aus einer E-Mail, die dubisthalle.de vorliegt, geht der massive Frust der ansässigen Händler und Wirte hervor. Das Schreiben richtet sich direkt an Tobias Teschner, den Leiter des städtischen Fachbereichs Sicherheit.

Verfasst wurde die Beschwerde im Namen der überwältigenden Mehrheit der Gastronomen in der Kleinen Ulrichstraße. Der Vorwurf wiegt schwer: Die Stadt habe die Maßnahmen ohne jegliche vorherige Absprache oder Einbindung der Betroffenen im Alleingang durchgezogen. Die installierten Barrieren werden von den Unternehmern als „martialisch“ und „vollkommen überzogen“ kritisiert. Sie würden die mühsam aufgebaute, einladende Atmosphäre der Flaniermeile nachhaltig zerstören.

Das Paradoxon: Kaum jemand zeigt die WM-Spiele

Besonders skurril: Die von der Stadt prognostizierten Fan-Massen wird es in der Kleinen Ulrichstraße laut den Gastronomen gar nicht geben. In dem betroffenen Straßenabschnitt befinden sich 12 Gastronomiebetriebe (darunter das Café Roter Horizont, die Bar Haley und der Connoisseur). Von diesen 12 Betrieben hat sich die absolute Mehrheit bewusst gegen eine Übertragung der Weltmeisterschaft entschieden.

Café Noir, Bar Haley und Café Lekkerey planen dagegen, die Spiele auf einem Fernseher zu zeigen. Man habe dazu auch einen Vertrag mit Sky, so der Betreiber.

In dem Schreiben der anderen Gastronomen heißt es dazu treffend: „Da wir uns mehrheitlich dafür entschieden haben, keine WM in der Straße zu übertragen, werden in dieser Straße auch gar keine Fans sein! Nicht zum Feiern und nicht zu irgendetwas anderem. Wer feiert schon dort, wo er nicht zuschauen kann?“

Die Wirte setzen stattdessen ganz bewusst auf Gäste, die abseits des WM-Trubels Ruhe suchen – beispielsweise Besucher der zeitgleich stattfindenden Händel-Festspiele.

Alternativvorschlag: Polizeikontrollen statt Barrikaden

Anstatt teurer und optisch störender Sicherheitsaufbauten schlagen die Gastronomen eine pragmatischere Lösung vor. Um das Problem der störenden Autos in den Griff zu bekommen, fordern sie gezielte Polizeistreifen, die vor allem am Freitag- und Samstagabend zwischen 21 Uhr und Mitternacht durchfahrende Fahrzeuge kontrollieren und Bußgelder kassieren. Zu diesen Zeiten trete das Problem tatsächlich auf – und die Kontrollen würden der Stadt mutmaßlich mehr Geld einbringen, als die Beamten kosten.

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41 Kommentare

  1. Barbara die Bar bezahlt sagt:

    Ich sag es schon zum Tausendsten Mal, diese Stadtverwaltung ist an Inkompetenz nicht zu übertreffen. So das war das 1001 Mal

  2. Nachdenklich sagt:

    Meiner Meinung nach ist die kleine Uli keine „Kneipenmeile “ mehr.
    Das die WM nicht mehr in der Öffentlichkeit stattfindet ist schade.
    Solche Veranstaltungen haben immer Spaß gemacht, obwohl mich Fussball gar nicht so interessiert.

    • Kneiper sagt:

      Wie kommst du zu dieser Meinung?

      • Nachdenklich sagt:

        @ Kneiper, weil es dort fast nur noch Restaurants gibt. Ob das gut oder schlecht ist, mag jeder für sich entscheiden.

        • Kneiper sagt:

          fast nur noch = 50%?

          Wann warst du das letzte Mal dort? Überhaupt schon mal?

          • Nachdenklich sagt:

            @Kneiper,
            Du weißt schon, was eine Kneipe ist ? Falls Du mich nur etwas gefragt hast um mich dumm und machen, hättest Du es auch lassen können.
            Ich bin genug in der kleinen Uli, aber nur um zu essen . Um gemütlichen ein Bier zu trinken, gehe ich woanders hin .

          • dumm und machen sagt:

            Dann war die kleine Uli aber auch nie eine Kneipenmeile. Deine Behauptung, sie wäre nun keine mehr ist damit unsinnig.

            Aber sag doch mal, in welchen „Kneipen“ du dort früher gemütlich dein Bier getrunken hast. Das kann jetzt nur gut werden. 😉

    • Andreas sagt:

      Ja, das ist höchstens eine Viertelmeile. Zu einer Meile fehlt noch mehr als ein Kilometer.

  3. theduke sagt:

    Kaffeeschuppen?Ist der nicht aktuell dicht? Dann sind sind es nur noch 11 Betreiber, die sich beschwert haben könnten. Polizei bringt da nichts, außer in Zivil.

    • Zivilist sagt:

      Kaffeeschuppen wird nicht erwähnt.

      Aber selbst 11 von 12 wären über 90%.

      • dbaumann sagt:

        Ursprünglich stand der Kaffeeschuppen mit drin, wir sind nicht so die Kneipen-/Cafégänger 🙂

        • theduke sagt:

          Ah, danke. Wenn ds nicht Kaffeeschuppen gestanden hätte, hätte ich ihn auch nicht erwähnt. Blöd wenn nachträglich Artikel geändert werden und das nicht kenntlich gemacht wird. In dem Fall führt es etwas zur Unglaubwürdigkeit. Wenn 12 Gastronomen genannten werden, von dem es einen nicht gibt. Jetzt wurde der Kaffeeschuppen weggelassen und es ist immer nich 12 Betrieben die Rede.

          • Ammendorfer sagt:

            Du kannst glauben und nicht glauben, was du willst.

            Weder wurden 12 Gastronomen (namentlich) genannt, noch ist von 12 Gastronomen (also Personen) die Rede.

            Das Problem liegt offenbar doch eher bei dir…

  4. : sagt:

    Es muss anscheinend erstmal jemand mit einem Auto dort oder woanders in Halle durchrasen. Und diese Pseudo-Begründung wieder. Standard-Jammern, wenn kein Auto mehr irgendwo durchfahren darf, ist, dass Geschäftsleute angeblich weniger Einnahmen haben. Und jetzt wird von einer einladenden Atmosphäre gesprochen. Sehr einladend, wenn dort u.a. junge oder spätpubertierende Männer mit ihrem Pe..is Ersatz dort lang fahren.

  5. Katrin sagt:

    Das ist schade. Da wird sich viel im. Noir treffen oder in andere Kneipenviertel gehen.

  6. Pseudonüm sagt:

    Für solche Sachen sind Lärmblitzer längst überfällig. Aber gut Ding will ja in Deutschland immer Weile haben. Stattdessen wird dieser Sperren-Unsinn verlegt oder es werden sinnlose Durchfahrtsvdrbote für 50 m Strecke verhängt. Wobei das Durchfahrtsverbot von 6-11 Uhr ja scheinbar derzeit gar nicht aktiv zu gelten scheint. Durch den Schilderwald an dieser Stelle blickt eh kein Mensch mehr durch.

  7. merlin80 sagt:

    So ganz kann ich die Aufregung unter den Gastronomen nicht nachvollziehen. Am bestehenden Durchfahrtsverbot ändert sich nichts, es wird nun lediglich durchgesetzt.

  8. MS sagt:

    Die Bußgelder würdfen der Stadt gar nichts einbringen, sie würden sie auch nichts kosten, aber die Stadt kann das gar nicht tun. Das wäre rollender Verkehr, mithin Sache der Polizei und damit des Landes. Um solche Kontrollen könnte die Stadt höchstens bitten, beeinfluss kann sie die gar nicht.

  9. A.W. sagt:

    Wäre ja auch zu viel verlangt gewesen, im Vorfeld einmal mit den Betroffenen zu reden.

    • 10010110 sagt:

      Die „Betroffenen“ sind von nichts betroffen. Die Sperren haben keine Auswirkungen auf den Fußgängerverkehr und die Kneipengäste. Das ist einfach nur Empörung um der Empörung willen.

      • Fußballgegner sagt:

        Ein großes Dankeschön, an diese tollen Kneipenbesitzer.Hoffentlich folgen noch mehr und boykottieren diesen Müll.

        • Nachdenklich sagt:

          @ Fussballgegner,
          Warum sollen man Fussball boykottieren?
          Ich finde Menschen widerlich, die die Interessen anderer Leute als Müll abstempeln.

  10. Tizian Sommer sagt:

    1. muss man die Besitzer der Restaurants ua nicht um Erlaubnis fragen. Finde die Reaktion total überzogen.
    2. ich finde den Gedanken gut, eine Fußball freie Atmosphäre zu schaffen, dennoch haben genug auch ein Smartphone und können auch ihn Public Viewing Spiele schauen
    3. ja, eine Info wär gut gewesen

  11. Aufmerksamer Beobachter sagt:

    Könnte es daran liegen, dass Fußball heute weit weniger Menschen interessiert, als vor zB 20 Jahren?

  12. Guten Appetit sagt:

    Ich bin gerne in der Kleinen Ulrichstraße und esse und trinke da was. Ich selbst begrüße da jede Maßnahme die Sicherheit fördert und die Lautstärke reduziert.

  13. Michael sagt:

    Ich kann die Aufregung der Gastronomen nicht nachvollziehen…
    Das Bild zeigt doch recht eindrucksvoll, dass da gar kein Platz für durchfahrende Autos ist.
    Umso besser finde ich es, wenn man abends es einfach unterbindet, dass dort durchgefahren wird.
    Müsste den Gastronomen doch eigentlich entgegenkommen, dass sich ihre Gäste gefahrlos auf der Straße bewegen können.
    Und warum möchte heutzutage eigentlich immer jeder um Erlaubnis gefragt werden, wenn Dinge umgesetzt/durchgesetzt werden?

    • Huhn sagt:

      Heutzutage will halt jeder mitgackern, egal man selbst Eier legt oder nicht. Sieht man ja hier am allerbesten.

  14. Wien 3000 sagt:

    Dass die Stadt, die Gastronomen in der kleinen Ulrichstraße nicht angehört hat, war richtig. Es kann nicht jeder bei jeder Entscheidung mitreden, sonst kommen wir hier zu gar nichts mehr. Außerdem konnte ich dem Beitrag keine handfesten Argumente der Gastronomen gegen die Sperren entnehmen. Es wird nur dem ästhetischen empfinden argumentiert. Insbesondere die Belieferung der Lokale scheint ja durch die Sperren nicht wirklich behindert zu werden.
    Ansonsten dürften auch drei Lokale mit Übertragung der Spiele genügen, um gewisse Menschenansammlungen zu erzeugen. Würde da jemand reinfahren, ist das Theater am Ende wieder groß. Wir haben erst kürzlich in Leipzig gesehen, was passiert, wenn jemand in eine Fußgängerzone an einem normalen Tag rast. Die Vorsicht der Stadt erscheint mir daher im Zusammenhang mit der WM gerechtfertigt.

  15. Naja sagt:

    Die Gastronomen sind allen Bereichen unverschämt. Seit Corona bekommen die keinen Cent von mir.Die halten sich für den Kaiser von China. Sie haben auch noch nicht erkannt, dass sie immer mehr von der Bildfläche verschwinden.

  16. Daniel M. sagt:

    Welches Problem haben die Wirte und Betreiber genau? Sollte es denn nicht in ihrem eigenen Interesse sein, dass die Straße sicherer und leiser ist?!
    Die Stadtverwaltung handelt erst einmal völlig richtig. Vielleicht hätte man trotzdem im Vorfeld alle Beteiligten informieren sollen. Kommunikation ist alles.

  17. Rentner sagt:

    Fußball interessiert mich nicht, habe aber nix dagegen, wenns zivil zugeht.
    Es gab doch schon mal vor Jahren eine Fanmeile in der Mansfelder, Nähe Karstadt, extra aufgebaut. Glaub, da musste Eintritt gezahlt werden.
    Warum hat die Stadt nicht sowas wieder geplant?
    Fußball ist Sport, Veranstaltung auch Kultur und Wirtschaftsförderung , Sicherheit dabei Ordnungsamt. Aber irgendwie sind die Bereiche der Stadt irgendwie nicht auf einer Linie.

  18. Das Auge sagt:

    Gastronomen meutern? Aha. Was ist denn wichtiger: Sicherheit der Bürger vor Verbrechern oder euer Umsatz? Schleicht euch !

  19. Nicole sagt:

    Hahaha keiner der von seinen Gästen auf Sicherheit angesprochen werden könnte wurde gefragt. Keiner oder so gut wie keiner will WM zeigen, aber man begründet es mit WM? Liebe Verwaltung was für eine Blamage ist dieser Blödsinn? Wenn ich da bin wurde nicht gerast aber schon mal ein Gang raus genommen und der Motor laut heulen gelassen.
    Diese Verwaltung und diese Stadtpolitik ist nur noch mit Fragezeichen über dem Kopf verbunden. Warum macht man immer so etwas wo jeder sagt… musste oder muss das sein?

  20. JEB sagt:

    Stadt / Polizei sollen einfach die Durchfahrts- und Geschwindigkeitsbeschränkungen durchsetzen.
    Unabhängig von der WM! Wäre dies bisher konsequent geschehen, hätte man sich die die Maßnahme und Diskussion ersparen können.

  21. BESORGTER Hallenser sagt:

    Fußball ⚽️ wird nach wie vor gerne in der Sternstr.gesehen.Mit der Absperrung in der kl.Ulli.hat die Stadt wieder bewiesen das Geldverschwendung Vorrang hat?

  22. Jules sagt:

    Erst fragen dann machen.🙄 Am Eingang und Ausgang der Straße zwei Betonklötze hinstellen. Aber nix mit hochklappen oder direkt vor den Kneipen. Junge denken die auch mal nach. Bei der letzten WM ging es auch so.