Denkmal-Ensemble an der Mansfelder Straße verkommt nach der Pleite des Großinvestors immer mehr – Stadt prüft Ersatzvornahme, möglicher neuer Investor in Sicht

Ein historisches Stück hallesche Stadtgeschichte droht im Herzen der Saalestadt endgültig zu verkommen. Der markante, denkmalgeschützte Gebäudekomplex an der Mansfelder Straße, Ecke Tuchrähmen in Halle (Saale), bietet seit Monaten ein Bild des Jammers. Wo einst ambitionierte Zukunftspläne geschmiedet wurden, herrscht heute lähmender Stillstand.

Vom Millionen-Projekt zur Stillstands-Falle

Dabei waren die Absichten des Projektentwicklers groß angelegt: Das Frankfurter Unternehmen Norsk hatte angekündigt, die historischen, vom Verfall gezeichneten Bauten aufwendig zu sanieren. Ergänzt werden sollte das Areal durch moderne Neubauten sowie eine großzügige Tiefgarage. Doch diese Träume sind vorerst geplatzt: Die Firma Norsk steckt inzwischen in der Insolvenz. Seitdem ruht an den Baustellen bundesweit – und eben auch in Halle – der See.

Gefahrenzone Mansfelder Straße

Wie akut die Gefährdung der Bausubstanz tatsächlich ist, bekamen die Bürger der Stadt im vergangenen Jahr plastisch vor Augen geführt. Seitdem ist der Fußweg in der Mansfelder Straße entlang des Komplexes mit rot-weißen Baken weiträumig abgesperrt. Der Grund dafür ist so simpel wie alarmierend: Es besteht akute Gefahr durch marode und herabstürzende Gebäudeteile. Ein verheerender Brand im vorigen Jahr setzte den ohnehin geschwächten Strukturen zusätzlich zu und beschleunigte den baulichen Niedergang dramatisch.

Die „Grüne Tanne“: Ein Denkmal am Abgrund

Besonders bitter ist die Historie des markantesten Gebäudes des Ensembles: Das Eckhaus zur Packhofgasse steht mittlerweile seit 15 Jahren ununterbrochen auf der städtischen „Roten Liste“ bedrohter Baudenkmale. Dass der einstige historische Gasthof „Grüne Tanne“ – einst stolzer Ausspannhof an der Mansfelder Straße und später überregional bekannt als Standort von „Gelis Erotikmarkt“ – eine solche Abwärtsspirale erleben würde, schmerzt Denkmalschützer zutiefst. Seit etlichen Jahren steht der Komplex nun vollkommen leer, Graffiti und Wildwuchs dominieren das Bild.

Pragmatismus statt Prunkbauten

Die Insolvenz der Eigentümergesellschaft hat die Situation zusätzlich blockiert. „Der Zustand ist misslich“, fand auch Baudezernent René Rebenstorf im Planungsausschuss deutliche Worte. Er räumte ein, dass die Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter äußerst zäh verlaufen. Dennoch gibt es einen ersten Hoffnungsschimmer: Laut Rebenstorf hat ein Unternehmen Interesse bekundet, welches sich auf die Sanierung von Altbauten spezialisiert hat. Das Konzept: Nur Rettung der Bestandsgebäude, keine teuren Neubauten. „Lieber einen Spatz in der Hand, als eine Taube auf dem Dach“, kommentierte der Baudezernent den potenziellen Kurswechsel.

Noch ist nichts in „Sack und Tüten“, weshalb die Stadt parallel ein Verwaltungsverfahren gegen den insolventen Eigentümer betreibt. Auch eine städtische Ersatzvornahme wird geprüft, damit zumindest der Gehweg bald wieder freigegeben werden kann.

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9 Kommentare

  1. Rob sagt:

    Schön das dieses Thema aufgegriffen wird!
    Die Stadt scheint generell ein Problem zuhaben bei der Auswahl von Investoren.
    Ist dann schon das 3. Projekt was stillsteht und darunter Historische Gebäude leiden!
    Damit meine ich nur 3 Aktuelle Projekte !

    • 10010110 sagt:

      Die Stadt wählt Investoren nicht aus. Das sind Privatgrundstücke, die kaufen kann, wer will.

  2. Buerger sagt:

    Die Mehrheit des damaligen Stadtrates wollte ja unbedingt eine einzelne Kastanie retten indem der Investor gezwungen wurde sie hochpreisig zu umbauen….

    • Achnee sagt:

      Wenn das der Grund ist, für eine Insolvenz, hat der Investor generell schlecht gewirtschaftet und Zeichen der Zeit verschlafen.
      Wenn der Stadtrat nicht eingegriffen hätte, wäre die Kastanie weg und das Haus würde durch Insolvenz trotzdem verfallen.

    • 10010110 sagt:

      Also wie man sich nur so einen Scheiß zusammenschwurbeln kann, ist mir ein Rätsel. Du bist wahrscheinlich auch einer derjenigen, die die Schuld an der Schließung des Südstadt-Centers Herrn Neumann geben, weil der auf die untragbaren Zustände (die vom Eigentümer durch Untätigkeit herbeigeführt wurden) öffentlich aufmerksam gemacht hat. Und an der Insolvenz der Hedera Bauwert GmbH ist er vermutlich auch noch Schuld? 🤦‍♀️

  3. 10010110 sagt:

    […] ein Unternehmen Interesse bekundet, welches sich auf die Sanierung von Altbauten spezialisiert hat […]

    Klingt nach ISI Bau, die sich ja auch schon am Schweizerhaus betätigen. Wäre gut, wenn die Gebäude gerettet werden könnten.

    Auch eine städtische Ersatzvornahme wird geprüft, damit zumindest der Gehweg bald wieder freigegeben werden kann.

    Diese Ersatzvornahme besteht hoffentlich in der vorsorglichen Sicherung bzw. Sanierung der Gebäude, nicht im Abriss!

  4. Andreas sagt:

    So schnell geht es es: Vor 2-3 Jahren wurde noch vorne um die Kastanie gestritten und groß geplant welcher Supermarkt denn dort ansiedeln sollte. Und die Archäologen hatten auch noch ihren Spaß. Es war einmal… Und nun wuchert alles zu und geht kaputt. Wenn das liebe Geld nicht wär…

  5. Lubob sagt:

    1. Die Stadt kann keine Investoren für Grundstücke oder Immobilien aussuchen, die nicht ihr gehören. Was sie im besten Fall machen kann, wenn ein Eigentümer sich damit schwer tut, ist, ihn bei der Vermarktung zu unterstützen, sofern die Entwicklung eines Geländes im städtischen Interesse liegt. Hier bemüht sich die Stadt offensichtlich.

    2. Die Norsk AG ist nicht an diesem Projekt pleite gegangen. Norsk war der Real Estate-Arm eines Familienfonds. Die Familie ist ausgestiegen, das Norsk Management hat versucht, neue Investoren zu finden und das hat nicht geklappt. Grawo-Druck war auch Teil des Norsk-Portfolios.

  6. Familie sagt:

    Und für die Sicherheit bezahlen wieder die Bürger. Bravo. Halle und die Investoren. Wer genemigt eigentöich Bauprojekte? Gibt es da keine Prüfung der Finanzierung?