Antrag für den Stadtrat von Halle (Saale) gegen Ausweisungsfantasien: Ausreiseverbot jetzt! Grenzen schließen, Rückführungen stoppen.

Während andernorts Grenzzäune hochgezogen werden, um Menschen fernzuhalten, geht die Satirepartei Die PARTEI in Halle (Saale) einen ganz neuen Weg: Sie will Menschen drinnen behalten – und zwar jene, die üblicherweise Ziel von Ausweisungsfantasien und Rückführungspolitik sind. Der neue Antrag von Stadträtin Dörte Jacobi verlangt nichts Geringeres als eine „unidirektionale Grenzschließung“. Heißt: Grenzen zu. Aber nur in eine Richtung – keiner kommt raus.

Jacobi fordert unter anderem, dass die halleschen Meldebehörden künftig Abmeldeanträge von Nichtdeutschen und Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft sehr, sehr, sehr gewissenhaft nicht bearbeiten. Stattdessen sollen besagte Anträge in die „hinterletzte Schublade“ wandern – eine Verwaltungsstrategie, die gemeinhin als „aktives Aussitzen“ bekannt ist.

Abwanderung von „Ausländern“ als nationale Krise

Der satirisch verpackte Antrag ist eine Reaktion auf aktuelle politische Realitäten, insbesondere die anhaltende Rhetorik rund um Abschiebungen, Rückführungen und das – so scheint es – immer wieder neu entdeckte politische Grundbedürfnis, Menschen aus Deutschland herauszukomplimentieren. Jacobi dreht den Spieß um: Wer das Land verlassen will, soll künftig auf entschlossenen Widerstand stoßen – aus wirtschaftlichen Gründen.

„DEUTSCHLAND hat ein Problem“, heißt es in der Begründung, „Ausländer, ehemalige Ausländer und sogar Deutsche, die Ausländer und Deutsche zugleich sind – im Folgenden ‚Ausländer‘ genannt – wollen das Land verlassen.“ Und das, obwohl gerade sie es sind, die das wirtschaftliche Rückgrat des Landes darstellen.

Jacobi verweist auf Zahlen, laut denen 62 % der ausländischen Beschäftigten in systemrelevanten Berufen arbeiten – im Gegensatz zu 48 % bei den „Nicht-Ausländern“ (auch bekannt als: Dieter, Uwe und Erika). Jacobi dazu: „Würden kritische Einrichtungen ausschließlich durch Deutsche ohne Migrationshintergrund betrieben, läge DEUTSCHLAND lahm.“ Oder wie es in wirtschaftlichen Fachkreisen heißt: „Game over.“

Die Verwaltung als letzte Verteidigungslinie

Um die drohende Auswanderungskrise zu stoppen, soll laut Antrag der Oberbürgermeister eingreifen – mit sanftem Druck auf die eigene Verwaltung. Der Plan: Abmeldeanträge werden nicht bearbeitet, stattdessen mit „faulen Ausreden“ (z. B. „leider gerade keine Zeit, Herr Asaf“) verzögert, und letztlich in einer Art Schreibtisch-Gulag in Vergessenheit geschickt. Die Meldebehörde wird damit zur Bastion der Verteidigung des Wirtschaftsstandorts Deutschland – notfalls mit Post-it und Kaffeefleck bewaffnet.

Bauchschmerzen erlaubt – aber bitte Grenzen dicht!

Darüber hinaus soll der OB auf Landes- und Bundesebene Druck machen. Die PARTEI fordert, dass täglich mindestens eine drängelnde SMS an Kanzler Friedrich Merz geschickt wird – mit der klaren Forderung: „Grenzen zu, bitte – aber nur nach draußen!“

Falls es dem OB dabei nicht gut geht: kein Problem. In der Begründung heißt es ausdrücklich, er dürfe dabei „gerne Bauchschmerzen haben“. In einer Welt, in der Menschenrechte oft im Koalitionsausschuss abgelegt werden, ist ein bisschen Magenkrämpfen offenbar das höchste Maß an Moral, das erwartet werden kann.

„Keiner verlässt das Land!“ – Satire als Spiegelbild absurder Politik

Dörte Jacobi, die in Halle bereits mehrfach durch satirische Anträge auffiel (u. a. für ein „Verbot aller Menschen mit schlechten Frisuren“), legt mit diesem Antrag den Finger tief in die politische Wunde. Ihre Botschaft: Wenn schon rationale Argumente gegen die Abschiebepolitik ungehört verhallen, dann hilft vielleicht nur noch blanke Ironie.

Die Realität, in der Deutschland einerseits verzweifelt nach Fachkräften ruft, andererseits aber deren Rückkehr in Herkunftsländer aktiv befördert, wird durch den Antrag mit bitterem Humor entlarvt.

Ob der Antrag tatsächlich im Stadtrat verabschiedet wird? Eher unwahrscheinlich. Doch wie jeder gute satirische Vorstoß zeigt er eines ganz deutlich: Die absurde Realität ist längst absurder als jede Satire.

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6 Antworten

  1. Erdna sagt:

    Grenze zu.
    Aber nur in eine Richtung – keiner kommt raus.
    Die DER hatte solch eine Grenze, in Richtung NSW, da gibt es doch im Archiv noch Baupläne.

  2. Joachim Euther sagt:

    Ein weiterer sinnfreier Antrag, der ohne Wortbeiträge aller übrigen Fraktionen abgelehnt werden wird.

  3. Holger sagt:

    Hier ist jetzt umgehend der Staatsschutz und Verfassungsschutz gefragt. Wer solche Anträge stellt wendet sich direkt gegen Volk und Staat.

    • Hier ist umgehend professionelle Hilfe gefragt! Die Männer mit den drei Ärmeln und dem Auto mit den viereckigen Rädern.

      Aber warte, ist der Verfassungsschutz nicht linksextrem? Das behaupten doch zur Zeit alle Rechtsextremen? Aber Vorsicht: Nicht drüber nachdenken! Sonst implodiert da noch was und verpufft in einem Logikwölkchen.

      • Rebell sagt:

        Manche Menschen schaust du an oder hörst du reden und denkst dir, das Rad dreht sich zwar, aber der Hamster ist nicht mehr da.

      • Jürgen sagt:

        Keine Gefahr; da implodiert nichts. Wu nichts ist kann auch nichts implodieren.

        Ja, ich sehe das in vielen Bereichen ebenso: Ironie ist das (fast) letzte Mittel. Wenn es nur nicht so traurig wäre solche Satire machen zu müssen. In jedem Fall: Coole Aktion. Ich hoffe, dass wenigstens ein wenig Zeit mit einer entsprechenden Diskussion zum Thema herauskommt!

  4. Siegfried von der Heide sagt:

    Sehr gute Idee. So geht Satire wenn sie ernst gemeint ist.

  5. Ein Fan sagt:

    Leider wird der Antrag nicht weit kommen. Aber er ist mehr als das übliche „Inhalte überwinden“ oder „Die Metalschicht entlasten“! Uns wird der Arsch mehr als auf Grundeis gehen, wenn die ganzen Ausländer in der Pflege, im Service, in der allgemeinen Versorgung usw. verschwinden. Blödes Beispiel: euer Spargel auf dem Tisch. Gestochen garantiert nicht von deutschen (die haben Rücken). Der Antrag ist mindestens diskussionswürdig! Erst recht wegen der unterhaltsamen Kommentare von Raue und co…..

    • Maxim sagt:

      @Fan, eine Farce, das so ein Antrag gestellt werden darf! Fehlten nur noch Minenfelder,Selbstschussanlagen und Grenzanlagen! Dein Spargel taugt nicht als Bsp.! Wieviel Kilo hast du selbst mit Familie verspeist?? Solche feuchten Fantasieen haben mit Satire nichts mehr zu tun!!

      • Einfach mal nachdenken sagt:

        Damit hast du genau die richtige Bewertung dieses deutsch denken Antrags gegeben.
        Und genau so gedacht, wie es die Partei von dir wollte.
        Also war das wohl ein Erfolg.

        • Maxim sagt:

          @Einfach mal nachdenken, was bitte macht eine sogenannte Satirepartei überhaupt im Stadtrat oder auf Bundesebene, außer Geld kosten, Ressourcen binden, Zeit verschwenden für sinnlose Anträge, Anfragen oder ähnliches.? Das man mit solchen Anträgen eventuell die Opfer, Angehörigen dieser, verhöhnt und lachhaft macht,kommt dieser Sekte nicht in den Sinn! Auch so kann man den Unrechtsstaat DDR noch glorifizieren. Mit ihrem Adolfauftritt hat diese Person eh den Vogel abgeschossen! Nur noch gruselig diese…!

  6. Michael sagt:

    Wie kann man nur soviel Grütze verbreiten.Dieser Antrag hat im Stadtrat nichts zu suchen. Das ist auch keine Satire, einfach nur Grütze.

    • 10010110 sagt:

      Das ist Satire. Muss man nicht gut finden, ist aber erlaubt. Das ist die Freiheit, für die deine Eltern 1989 am Fernseher gesessen und inoffiziell Tagesschau geguckt haben. Bist du etwa gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung?

    • Augen auf sagt:

      Wenn der Maßstab von dir beibehalten wird, finde ich deine Einschätzung großartig.

  7. jippiii sagt:

    Klasse. Wichtig wäre, dass auch Inländer nicht mehr rauskommen. Gleiches Recht für alle!
    DDR 2.0. Das hat sich schließlich 40 Jahre lang bewährt!

    • Gewissen Bevölkerungsgruppen (Krah, Bystron, Weidelknecht, Chrupalla) werden wir die Ausreise nach China, Russland, Russland und Chrupalla-Land sicher nicht verwehren.

      • mein Fehler sagt:

        Klar. Ich Dummerchen dachte schon, gleiches Recht für alle.

        • Jürgen sagt:

          Die genannten Personen haben diese Satire erst möglich gemacht. Da gebührt ihnen die Ehre, in die demokratischsten Länder der Welt auszureisen. Zu den genannten Ländern kommt natürlich auch Nordkorea. Kim Jong-Un höchstselbst hat die Zustände in Deutschland moniert und macht sich große Sorgen um unsere Demokratie!

      • fdba sagt:

        irgendwie unpassend, wie auch schon der andere Kommentar – als journalist sollte man neutral sein? ich frage für einen freund

        • fddb sagt:

          „als journalist sollte man neutral sein?“

          Wo steht das!

          Und wo steht, dass Nutzer „Martin Bochmann“ Journalist und hier als solcher tätig ist?

  8. •-• sagt:

    Naja. Blöd nur, dass alle großen Parteien für Rückführungen sind (bis auf die Linke). Ist halt fragwürdig, inwieweit das eine gute Entscheidung ist. Vorallem da jüngere dt Staatsbürger zum Teil ausm Osten oder gar ganz Deutschland wegziehen. Wird spannend mit den leeren Arbeitsplätzen ohne Nachwuchs durch Migration und Jugend in ein paar Jahren

  9. Ute sagt:

    Ich bin gegen illegale Einreise, dass muss beendet werden

  10. JEB sagt:

    Dörte Jacobi – da braucht man gar nicht weiter lesen

  11. SN sagt:

    Sinnbildlich für unsere aktuelle gesellschaftliche Situation! Diese Witzfiguren sind überall.
    Deutschland schafft sich ab und die Welt hat immer Spaß beim Zusehen, unserer Fachkräfte, nicht nur in der Regierung!

  12. Detlef sagt:

    Ja,Grenzen zu und Kriminelle ohne deutsche Staatsbürgerschaft,Menschen ohne Vergangenheit und Ausweispapiere solle das Land unverzüglich verlassen bzw keine Leistungen mehr erhalten