Für 8,1 Millionen Euro: Zwei neue Fußgänger- und Radlerbrücken an der Saline – Stadtrat soll veränderten Baubeschluss fassen

Mit der Entwicklung des neuen Wohngebiets am Sophienhafen rücken auch zwei wichtige Infrastrukturprojekte in den Fokus: In Höhe Hafenstraße/Sandanger sowie an der Franz-Schubert-Straße sollen zwei neue Fußgänger- und Radlerbrücken zur Saline entstehen. Der Stadtrat hatte kürzlich die Offenlage des Bebauungsplans für das Wohngebiet beschlossen, nun soll in der Februar-Sitzung ein geänderter Baubeschluss für die Brücken gefasst werden. Konkret geht es um Anpassungen bei der Querschnittsbreite der Brückenkonstruktionen und um den aktualisierten Kostenrahmen. Insgesamt sind für beide Bauwerke 8,1 Millionen Euro veranschlagt. Der Baubeginn ist für das Jahr 2028 vorgesehen, allerdings ist dafür ein neues Planfeststellungsverfahren erforderlich.

Nach Angaben der Stadt schaffen die beiden Brücken eine selbstständige und direkte Rad- und Fußwegverbindung vom Domviertel über die Neumühlenbrücke und die Altstadt zur Salineinsel, zum Sandanger sowie in die westlichen Stadtteile Neustadt und Heide Süd. Gleichzeitig ermöglichen sie eine neue, altstadtnähere Führung des Saale-Harz-Radweges und stärken die „grüne“, freizeit- und naherholungsorientierte Verbindung zwischen den Saaleinseln. Entstehen soll eine weitgehend autofreie Vernetzung zwischen den touristischen Angeboten auf der Salineinsel und dem Sandanger sowie der historischen Altstadt mit Museumsufer und Kneipenmeile. Damit leisten die Brücken nach Einschätzung der Stadt einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit des Gesamtkonzeptes und zur Verbesserung der Lebensqualität.

Sandangerbrücke: breiter und radverkehrstauglich

Die Sandangerbrücke soll rund 4,1 Millionen Euro kosten und größtenteils aus GRW-Fördermitteln zur Tourismusförderung finanziert werden. Sie wird mit einer lichten Breite von 4,0 Metern zwischen den Geländern errichtet. Im ursprünglichen Baubeschluss waren lediglich 3,0 Meter vorgesehen, was eine Freigabe für den Radverkehr nicht ermöglicht hätte. Zusätzlich werden der Anschluss an das bestehende Wegenetz in Richtung Peißnitzinsel sowie die Zufahrt zu einer geplanten Slipanlage an der Elisabethsaale hergestellt. Die Brücke überspannt die Elisabethsaale, eine Binnenwasserstraße der Klasse I. Entsprechend muss ein Lichtraumprofil von 30 Metern Breite sowie 4,00 Meter Höhe zuzüglich 30 Zentimeter Wellenzuschlag freigehalten werden. Die geplante Brückenhöhe ist für die Berufsschifffahrt bis zum höchsten Betriebswasserstand ausgelegt.

Konstruktiv ist die Sandangerbrücke als Mehrfeldbauwerk in Stahlbeton- und Stahlverbundbauweise geplant. Die Hauptöffnung erhält ein Stahlverbundtragwerk in Hybridbauweise mit einer Gesamtstützweite von 58 Metern. Gekrümmte Untersichten und markante Bogenelemente sollen Transparenz und Leichtigkeit des Bauwerks betonen. Die Geländer werden nach außen konvex gebogen und mit einer horizontalen Ausfachung aus Rundrohr versehen.

Für Zuwegungen und Tiefbauarbeiten sind jedoch Eingriffe in Natur und Landschaft notwendig: Rund 2075 Quadratmeter Wald sowie zwölf Einzelbäume müssen gerodet werden. Als Ausgleich sind die Neuanlage von 1715 Quadratmetern Waldfläche im Bearbeitungsgebiet, eine zusätzliche externe Aufforstungsfläche von 360 Quadratmetern sowie die Pflanzung von zwölf neuen heimischen Laubbäumen vorgesehen.

Brücke an der Franz-Schubert-Straße: neues Konzept aus Kostengründen

Die zweite Brücke an der Franz-Schubert-Straße ist mit Kosten von 3,97 Millionen Euro veranschlagt, ebenfalls aus Tourismusfördermitteln. Ursprünglich war hier eine Schrägseilbrücke mit beidseitigen Pylonen und einer nutzbaren Breite von 3,0 Metern geplant. Zwischenzeitlich wurden jedoch die Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA) geändert, die für den Fördermittelgeber maßgeblich sind. Diese schreiben nun eine Breite von 4,0 Metern vor. Da die vorhandenen Mittel lediglich für eine schmalere Schrägseilbrücke ausgereicht hätten, wurde das Bauwerkskonzept geändert. Geplant ist nun eine kostengünstigere Fachwerkskonstruktion. Zudem wird die erforderliche Rampe auf der Altstadtseite neu geführt und vollständig nördlich neben dem Brückenbauwerk angeordnet.

Auch diese Brücke überspannt eine Binnenwasserstraße der Klasse I, die Stromsaale. Vorgesehen ist ein freizuhaltendes Lichtraumprofil von 30 Metern Breite und 4,0 Metern Höhe zuzüglich 30 Zentimeter Wellenzuschlag über dem höchsten schiffbaren Wasserstand. Der vorhandene Baumbestand soll weitgehend erhalten bleiben, dennoch sind aufgrund der notwendigen Bauarbeiten Rodungen einzelner Bäume im Eingriffsbereich unvermeidbar.

Mit dem geplanten Änderungsbeschluss soll der Weg frei gemacht werden, damit beide Brückenprojekte trotz angepasster Anforderungen und Kosten weiterverfolgt und langfristig umgesetzt werden können.

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6 Antworten

  1. JtD sagt:

    Zwei Brücken, vom Nirgendwo ins Nirgendwo. Aber immerhin ist das neue Ghetto dann gut zu Fuß und mit dem Rad erreichbar.

  2. lulu sagt:

    Stadtrat von Halle Freunde der Radfahrer – wieder Geldverschwendung

  3. Nicole sagt:

    Wenn die Infrastruktur fehlt ist der Bau der Wohnungen an der Stelle leider der falsche Platz. Die Gelder sollten in bestehende Infrastruktur gesteckt werden oder der Bauherr der Wohnungen die Anbindung bezahlen. Einfamilienhaus Erbauer müssen das ja auch.

  4. TT sagt:

    Eine weitere Saalebrücke für PKW in Halle wäre mal sinnvoller, zumal die Saline mit der Elisabeth und der Mansfelder Brücke vollumfänglich erschlossen ist.

  5. Zwegat sagt:

    Alle wesentlichen kommunalen Bauprojekte basieren ausschließlich auf dem abgreifen von Fördermitteln und steigern die Überschuldung weiter an.

  6. Die Ölv 11 sagt:

    Die Radlerbrücken natürlich beheizt, überdacht und mit Schnellspur.

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