Gedenken an den Volksaufstand: Kranzniederlegungen im Roten Ochsen

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16 Tote waren allein im Bezirk Halle zu beklagen, es gab unzählige Verletzte und viele Verhaftungen. Am Samstag wurde in der Gedenkstätte Roter Ochse in Halle (Saale) an den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 erinnert.

Unter anderem wurden Kränze niedergelegt. Gedenkstätten-Chef André Gursky erinnerte an das Schicksal von Erna Dorn, die als Haupträdelsführerin der Aufstände in Halle zum Tode verurteilt wurde. Die Stasi-Akten seien unstimmig, ihr sei die Biografie der KZ-Aufseherin Gertrud Rabenstein übergestülpt worden. Zudem berichtete er von Erinnerungen des ebenfalls nach dem Volksaufstand inhaftierten Joachim Fiedler. Der hatte 2010 kritisiert, dass trotz Versprechungen keine Regierung wirklich etwas zur Rehabilitierung getan hätte. Nur zu öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen und Jubiläen seien Zeitzeugen gefragt, danach kehre Ruhe ein.

„Die sowjetischen Panzer haben jegliche Aufbruchsstimmung zerschlagen“, sagte der Beigeordnete Uwe Stäglin. Erinnerungen verblassen, der Blick verändere sich. In naher Zukunft werde es keine Zeitzeugen mehr geben, die noch authentisch berichten können. Es bestehe die Gefahr, dass das Gedenken zum bloßen Ritual werde. Doch es sei wichtig zu erinnern und das Bewusstsein schärfen, sich immer wieder selbst in die Pflicht zu nehmen. „Gedenken wir aller freiheitsliebenden Menschen.“

Niklas Poppe, Enkel des einstigen Bürgerrechtlers Gerd Poppe, hielt einen Vortrag über die Strafverfolgung im Kontext des 17. Juni 1953. Er hat zu diesem Thema eine Bachelorarbeit verfasst. Verglichen hat er dabei die Verläufe in der DDR mit dem Werk „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ von Hannah Ahrendt, die sich darin mit der Gestapo des dritten Reichs auseinandergesetzt hatte. Der Antifaschismus sei als Legitimation für das Vorgehen gesehen worden, so Poppe. „Man drängte sich in die Opferrolle.“ Bei zum Todes Verurteilten seien die Biographien oft konstruiert worden.

In Halle waren am 17. Juni 1953 in den Morgenstunden mehrere tausend Arbeiter und Angestellte vom Waggonbau Ammendorf zum Marktplatz gezogen, besetzten unter anderem die Staatsanwaltschaft. Viele Arbeiter anderer Betrieb schlossen sich entweder dem Demonstrationszug an oder legten ihre Arbeit nieder. Bei der Befreiung von Häftlingen aus dem Gefängnis “Roter Ochse” gab es durch Schüsse der Wachmannschaften erste Tote. Sowjetische Panzer riegelten anschließend die Zufahrtsstraßen zum Gefängnis ab. Trotz Verhängung des Kriegsrechtes durch den sowjetischen Stadtkommandanten hatten sich am Nachmittag des 17. Juni mehr als 60.000 Menschen auf dem Hallmarkt versammelt. Es gab 151 Festnahmen und 76 Verurteilungen, darunter eine Todesstrafe.

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