Große Unsicherheit vor dem neuen Schuljahr: Infoabend des Stadtelternrats informiert über Schulplatz-Losverfahren für künftige Füntklässler

Der Speisesaal der Saaleschule war am Freitagabend bis auf den letzten Platz gefüllt. Zahlreiche Eltern waren gekommen, um Antworten auf eine Frage zu bekommen, die viele Familien derzeit beschäftigt: Auf welche Schule wird ihr Kind im kommenden Schuljahr gehen?

Denn rund fünf Monate vor Beginn des neuen Schuljahres in Sachsen-Anhalt haben 417 zukünftige Fünftklässler in Halle (Saale) noch keinen Schulplatz an ihrer Wunschschule erhalten. Sie waren im Losverfahren erfolglos – und stehen nun vor einem ungewissen weiteren Verfahren.

Um Orientierung zu geben, hatte der Stadtelternrat zu einem Informationsabend eingeladen. Dabei ging es vor allem darum, die nächsten Schritte im Aufnahmeverfahren zu erklären – und Eltern zu warnen, welche Entscheidungen weitreichende Folgen haben können.

Besonders viele Betroffene bei Gesamtschulen

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die 153 Schülerinnen und Schüler, die eine Gesamtschule besuchen möchten, bislang aber keinen Platz erhalten haben. Gelost wurde unter anderem an der IGS Steintor/Hutten, IGS Am Planetarium sowie der Kooperativen Gesamtschule Wilhelm von Humboldt.

Zwar existieren an der Marguerite-Friedlaender-Gesamtschule noch freie Plätze. Doch die acht verfügbaren Plätze stehen einer Zahl von 153 noch unversorgten Gesamtschulbewerbern gegenüber.

„Die Kapazitäten sind viel zu gering“, kritisierte Thomas Senger vom Stadtelternrat vor den versammelten Eltern.

Kritik an der Stadtverwaltung

Senger warf der Stadtverwaltung vor, das Angebot an Gesamtschulplätzen künstlich zu begrenzen, um andere Schulformen zu stabilisieren. Gemeint sind die drei Sekundarschulen der Stadt. An der Sekundarschule Fliederwegschule habn sich lediglich 21 Schülerinnen und Schüler angemeldet, während allein an der IGS Am Planetarium 248 Bewerbungen eingegangen sind.

Nach Auffassung des Stadtelternrats sei eine solche Steuerung rechtlich problematisch. Senger verwies dabei auf ein Urteil des Oberverwaltungsgericht Sachsen-Anhalt. Demnach sei der Schulträger verpflichtet, ausreichend Plätze für die gewünschten Schulformen vorzuhalten. „Der Träger ist verpflichtet, ausreichend Plätze für die Schulformen vorzuhalten“, sagte Senger.

Warnung vor vorschnellen Alternativen

Aus früheren Jahren wisse man, dass die Stadtverwaltung Familien, die im Losverfahren unterlegen sind, häufig dazu dränge, eine andere Schulform als Ersatz zu wählen. So sollen freie Plätze an den Sekundarschulen doch noch gefüllt werden. Der Stadtelternrat warnte jedoch ausdrücklich vor einem solchen Schritt. „Damit verbaut man sich den Rechtsweg“, sagte Senger.

Denn Eltern haben grundsätzlich einen Rechtsanspruch auf die gewünschte Schulform. In der Vergangenheit hätten Familien diesen Anspruch auch erfolgreich eingeklagt. Allerdings brauche man dafür starke Nerven: Ein Urteil falle erfahrungsgemäß erst kurz vor den Sommerferien.

Viele Eltern scheuten diesen Stress und akzeptierten schließlich doch einen Platz an einer anderen Schulform. Gleichzeitig erinnerte Senger daran, dass es in der Vergangenheit gerade durch beharrliche Eltern gelungen sei, zusätzliche Gesamtschulkapazitäten in Halle zu schaffen. So entstanden mit der Marguerite-Friedlaender-Gesamtschule und der IGS Am Planetarium mehr als 300 zusätzliche Gesamtschulplätze.

Entspannung bei den Gymnasien erwartet

Auch bei den Gymnasien wurde in diesem Jahr gelost. Dennoch zeigte sich der Stadtelternrat hier deutlich optimistischer. Viele Schülerinnen und Schüler wechseln erfahrungsgemäß noch zu Spezialgymnasien wie dem Georg-Cantor-Gymnasium oder dem Landesgymnasium Latina August Hermann Francke sowie zum privaten Elisabeth-Gymnasium Halle, dort laufen teilweise noch die Bewerbungsverfahren.

Dadurch würden an den kommunalen Gymnasien wieder Plätze frei. Sollte es dennoch Engpässe geben, sei es möglich, kurzfristig eine zusätzliche fünfte Klasse an einem kommunalen Gymnasium einzurichten, erklärte Senger.

Wichtige Fristen und mögliche Fallstricke

Der Elternvertreter mahnte die Familien außerdem, jede Post der städtischen Schulverwaltung sorgfältig zu beachten und fristgerecht zu beantworten. In jeder Antwort sollten Eltern ausdrücklich den Wunsch nach einer Gesamtschule wiederholen.

Unterbleibe eine Reaktion, könne die Stadt automatisch einen Platz an einer anderen Schulform zuweisen.

Verwirrung um fehlende Briefe

Für zusätzliche Verunsicherung sorgte am Freitagabend ein weiteres Problem: Viele Familien berichteten, noch gar keinen Brief der Schulverwaltung erhalten zu haben, obwohl diese laut Stadt bereits am Montag verschickt worden seien. Senger riet den betroffenen Eltern deshalb, schnell Kontakt mit der städtischen Schulverwaltung aufzunehmen, um keine Fristen zu verpassen. schulverwaltung@halle.de 

SchuleKapazitätKapazität abzgl. WiederholerErstwunsch (02/26)Losverfahren
Gymnasium, davon864838872
Wolff112107128x
Giebichenstein140135183x
Südstadt140130134x
Genscher11211279
LFG112106297x
Summe kommunal616590821
Sportgym24unbestätigt
Cantor58unbestätigt
Summe kommunal (inh. Swp)82027
Elisabeth94unbestätigt
Latina72unbestätigt
Waldorfunbestätigt
Summe andere Träger166024
Gesamtschule, davon781705794
KGS Humboldt, Gym847837
KGS Humboldt, Sek11286113x
IGS Steintor/Hutten224202237x
MFG140130122
Planetarium168156248x
Summe kommunal728652757
Saaleschule53unbestätigt
Summe andere Träger53037
Gemeinschaftsschule, davon272248218
Kastanienallee565031
Heine140130119
AHF564850
Summe kommunal252228200
Bildungsmanufaktur20unbestätigt
Summe andere Träger20018
Sekundarschule, davon213192126
Reil565141
Fliederweg564621
Halle-Süd565042
Summe kommunal168147104
Sportsekundar6unbestätigt
Summe kommunal (inh. Swp)6011
St. Mauritius39unbestätigt
Summe andere Träger39011
Summe zu versorgende Schüler


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