Keine Lebensretter in städtischen Gebäuden: Haushaltslage in Halle verzögert wichtigen Kauf neuer Defibrillatoren massiv

Wer im Ratshof oder anderen städtischen Gebäuden in Halle (Saale) einen medizinischen Notfall erleidet, sollte auf schnelle Ersthelfer hoffen – auf modernste Technik kann er sich derzeit nicht verlassen. Wie die Stadtverwaltung auf SPD-Stadtratsanfrage bestätigt, verfügt aktuell keines der städtischen Objekte über einen betriebsbereiten Defibrillator (AED).

Lange Zeit war der Ratshof die einzige Bastion für den schnellen Elektroschock im Notfall. Doch damit ist es seit April vergangenen Jahres vorbei. Im Rahmen einer Routineüberprüfung wurde an dem dort installierten Gerät ein Defekt festgestellt, der eine sofortige Demontage erforderlich machte. Seitdem klafft an der Wand eine Lücke, die so schnell auch nicht gefüllt wird.

Trotz der potenziellen Lebensgefahr bei Herzrhythmusstörungen hat die Stadt keine Eile bei der Ersatzbeschaffung. Erst für das Jahr 2027 ist der Kauf eines neuen Geräts geplant. Der Grund für die jahrelange Wartezeit: die prekäre finanzielle Situation der Stadtkasse. Die Verwaltung betont dabei die rechtliche Lage: „Defibrillatoren sind zwar wünschenswert, gehören aber nicht zur Pflichtausstattung von öffentlichen Gebäuden.“ Damit bewegt sich Halle zwar im Rahmen der gesetzlichen Mindestanforderungen, bleibt aber hinter den Standards vieler anderer Kommunen zurück, die AEDs flächendeckend als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge betrachten.

Dass weitere städtische Gebäude – wie Schulen oder Ämter mit hohem Publikumsverkehr – zeitnah mit den Lebensrettern ausgestattet werden, gilt als unwahrscheinlich. Die Stadt macht deutlich, dass zusätzliche Anschaffungen nur dann in Erwägung gezogen werden, wenn passende Förderprogramme greifen. Ohne externe finanzielle Spritzen bleibt die Defibrillator-Dichte in Halles Behörden vorerst bei null.

Kritiker sehen darin ein falsches Signal: Bei einem Herzstillstand entscheiden oft Sekunden über Leben und Tod. Ein funktionierender Defibrillator, der auch von Laien bedient werden kann, erhöht die Überlebenschancen massiv. In Halle müssen sich Bürger und Mitarbeiter bis 2027 auf die klassische Herzdruckmassage verlassen – und auf das Eintreffen des Rettungsdienstes.

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