Keine Steuern mehr für Tanzveranstaltungen und Sexdarbietungen, dafür mehr für Spielhallenbetreiber? Finanzausschuss debattiert über Vergnügungssteuer

Der Finanzausschuss der Stadt Halle (Saale) hat am Dienstag über eine Reform der Vergnügungssteuer beraten – entschieden wurde jedoch noch nicht. Die Verwaltungsvorlage wurde zur weiteren Diskussion im Rahmen der Haushaltskonsolidierung im November vertagt. Streitpunkt der Sitzung war nicht nur die geplante Steuererhöhung für Spielhallen, sondern auch der mögliche Wegfall von Vergnügungsabgaben für öffentliche Tanz- und Erotikveranstaltungen.

Mehrbelastung für Spielhallen – Einnahmen sollen steigen

Im Mittelpunkt der geplanten Neufassung der Vergnügungssteuersatzung steht die Erhöhung der Steuer auf Spielautomaten mit Gewinnmöglichkeit. Der Steuersatz soll von derzeit 15 auf 18 Prozent steigen. Für die Stadt wäre das ein lukratives Geschäft: Rund 390.000 Euro an Mehreinnahmen werden erwartet. Damit würde der Gesamtertrag aus der Vergnügungssteuer auf knapp 1,95 Millionen Euro jährlich steigen.

Die Stadtverwaltung sieht darin keine sogenannte „erdrosselnde Wirkung“. Das bedeutet: Auch mit der Erhöhung soll es den Betreibern wirtschaftlich weiterhin möglich sein, ihre Geschäfte in Halle zu führen. Zur Einordnung nennt die Verwaltung eine Beispielrechnung: Bei einem Bruttoeinspielertrag von 250.000 Euro im Jahr würde sich die Steuerbelastung künftig um 7.500 Euro auf insgesamt 45.000 Euro erhöhen. Laut Verwaltung bleibe dies „wirtschaftlich zumutbar“.

Gleichzeitig weist der Finanzdezernent Egbert Geier darauf hin, dass die Vergnügungssteuer als Betriebsausgabe geltend gemacht werden kann und sich damit steuermindernd auswirkt – insbesondere auf die Gewerbesteuer.

Tanzveranstaltungen und Sexdarbietungen: Kaum Einnahmen, viel Aufwand

Wenig lohnend scheint dagegen die Besteuerung öffentlicher Tanzveranstaltungen und karnevalistischer Feiern. Die Stadt nahm hier zuletzt lediglich 8.000 Euro jährlich ein. Auch die Steuer auf Veranstaltungen mit Sexdarbietungen – darunter fallen Tabledance-Bars oder Pornokinos – brachte nur etwa 300 Euro ein.

Die Verwaltung schlägt deshalb vor, diese Steuertatbestände komplett zu streichen. Als Begründung wird genannt, dass Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis stünden. Finanzdezernent Geier verwies im Ausschuss auf die hohen Personalkosten für Kontrollen, die mit einer Personalstelle à 60.000 Euro jährlich sogar höher ausfallen als die Einnahmen. Für Tim Kehrwieder (FDP) ist der Schritt logisch: „Es ist richtig, eine Steuer zu streichen, die der Stadt nichts bringt, aber Kosten verursacht.“

Politischer Streit um Symbolwirkung und Gerechtigkeit

Die Vorschläge sorgten dennoch für kontroverse Diskussionen im Ausschuss. Bodo Meerheim (Linke) spielte die geringe Summe von 8.000 Euro herunter: „Hier streichen wir einfach mal 8.000 Euro für eine Branche, die davon mit Sicherheit nicht kaputt geht.“ Gleichzeitig warnte er aber davor, die Summe zu unterschätzen: „Im Rahmen der Haushaltskonsolidierung werden wir in den nächsten Wochen um viele kleinere Beträge kämpfen müssen.“ Auch Andreas Schachtschneider (Hauptsache Halle) äußerte Kritik: „Ich habe ein Problem damit, eine Branche zu entlasten und gleichzeitig in anderen Bereichen Gebühren zu erhöhen.“ Eine Entlastung für Clubbetreiber sei aus seiner Sicht nicht vermittelbar, solange an anderer Stelle gespart werden müsse. Martin Sehrndt (AfD) brachte es auf den Punkt: „Kleinvieh macht auch Mist.“ Für ihn zählt jeder Beitrag zur Haushaltskonsolidierung – auch kleine Steuern.

„Nur Schaden für die Stadt“ – Clubbetreiber in der Kritik geschützt

Friedemann Raabe (Volt) hingegen kritisierte die Belastung der Clubszene durch Bürokratie. Die Steuer bringe der Stadt nichts, schade aber durch ihren Verwaltungsaufwand: „Den Clubbetreibern geht dadurch enorm viel Zeit verloren.“ Tatsächlich ist der Verwaltungsaufwand für solche Vergnügungsveranstaltungen hoch. Wie viele Mitarbeitende konkret mit den Kontrollen beschäftigt sind, ließ die Verwaltung offen – doch allein die erwähnten Kosten einer Vollzeitstelle sprechen für einen erheblichen Aufwand.

Spielsucht und Lenkungswirkung – Steuer als gesellschaftliches Instrument?

Guido Haak (parteilos) forderte, die Vorlage zusätzlich im Sozialausschuss zu beraten. Höhere Steuern auf Spielhallen könnten nämlich auch soziale Folgen haben. Spielsüchtige seien oft indirekt betroffen, da die höheren Kosten zumindest teilweise an die Kundschaft weitergegeben würden. Christoph Bergner (CDU) betonte zudem die Lenkungsfunktion der Steuer: „Die Vergnügungssteuer kann nicht nur Einnahmen generieren, sondern auch bestimmte Verhaltensweisen beeinflussen.“

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34 Antworten

  1. Darfdochwohlnichtwahrsein sagt:

    Klar, wenn Stadträte dadurch selber profitieren, dann soll eine Steuer wegfallen. Die Gringer, (Tanzbar Palette), sorgt sich eben um ihr Geld, ähnlich wie der verstorbene Wolter das für sein WUK gemacht hat.

  2. Manfred Hegewald sagt:

    Mal ehrlich: Wenn über Kürzungen in der Kultur debattiert wird – etwa bei Tanzveranstaltungen oder freien Theaterszenen –, dann muss man sich schon fragen, wohin die öffentlichen Mittel tatsächlich fließen. Nehmen wir Radio Corax: Jahr für Jahr schießt die Stadt Halle 25.000 Euro Steuergeld dazu, zusätzlich zu den Zuwendungen der Medienanstalt. Der Auftrag? Ein offenes Bürgermedium, das Vielfalt und Teilhabe fördert. Die Realität? Ein Programm, das oft einer engen ideologischen Linie folgt und viele Hallenser*innen eher ausschließt, als einzubeziehen.

    Wenn Geld knapp ist und Kulturprojekte ums Überleben kämpfen, muss der Maßstab klar sein: Transparenz, Pluralität, Gemeinwohlorientierung. Alles andere untergräbt nicht nur den fairen Umgang mit Steuermitteln, sondern auch das Vertrauen in die Kulturpolitik der Stadt. Statt reflexhaft am Status quo festzuhalten, sollte Halle lieber prüfen, wo Förderung wirklich gesellschaftlichen Mehrwert schafft – und wo sie bloß bestehende Filterblasen alimentiert.

    • Radio Corax Hörer sagt:

      Ich gehe jede Wette ein, dass Du noch nie Radio Corax gehört hast!

    • Umgeschaut sagt:

      Du mußt einfach mal dort mitmachen und dich nicht ausgeschlossen fühlen. Aber das ist mit Aufwand verbunden, sag ich dir gleich…

    • Jörg sagt:

      25.000 EUR sind angesichts des städtischen Haushaltes wirklich Kleingeld. Und Transparenz, Pluralität und Gemeinwohlorientierung findet sich bei Radio Corax in hohem Maße, da beißt die Maus keinen Faden ab. Dass es keinen Nazi-Rock bei Corax zu hören gibt, finde ich äußerst angenehm.

  3. Schlagloch sagt:

    Wo gibt es denn in Halle Sexdarbietungen, das wäre mal interessant zu wissen?

  4. Emmi sagt:

    „Stadt will darauf verzichten, weil die Einnahmen ohnehin nur bei 8.000 Euro lagen. “
    Kleinvieh macht auch Mist! Bei reiner Belustigung sollen Gebühren wegfallen und bei Sportvereinen Gebühren eingeführt werden. Das sollte unbedingt überdacht werden.

    • Rainer B. Wittich sagt:

      Wenn die Verwaltung der Einnahmen auch nur 9.000 Euro kostet, ist der Kleinviehmist schon verpufft. Das wäre weniger als eine Halbtagskraft mit Mindestlohn kostet.

    • Fred sagt:

      Die Sportvereine sollen an den Betriebskosten Anteil nehmen. Vergnügungssteuer entrichten sie ohnehin nicht. Betriebskosten haben jedenfalls die Belustigungsläden auch… und zahlen sie selbst.

    • „überdacht“ Ein Verb, dessen zugehöriger Tätigkeit Du Dich noch nie und auch wieder in diesem Fall nicht befleißigt hast.
      Zusatzfrage: Hast Du den Artikel überhaupt komplett gelesen?

    • eseppelt sagt:

      „Kleinvieh macht auch Mist!“ – um 8.000 Euro Steuern einzunehmen 60.000 Euro Personalkosten verausgaben? Durch den Wegfall der Steuer würde die Stadt also sogar 52.000 Euro einsparen…

  5. Harald sagt:

    Sexdarbietungen – darunter fallen Tabledance-Bars oder Pornokinos – brachte nur etwa 300 Euro ein? Hahaha…Die Kerle zahlen vermutlich selten mit Karte, sonst bekommt Mutti was mit.

  6. Fragender??? sagt:

    Kann mir mal bitte jemand sagen, was die Erhöhung der Vergnügungssteuer mit der Höhe der Personalkosten zu tun hat? Kontrollen haben doch auch so schon statt gefunden oder?
    Wer verursacht die höheren Personalkosten bzw. kontrolliert denn die Clubs?

    • bisschen mitmachen sagt:

      Die Erhebung kostet Geld. Die Personalkosten für die Erhebung steigen unabhängig vom Steuersatz. Wenn die Erhebung aber sehr viel teuerer ist als die Einnahme, kann man die Erhebung auch sein lassen.

  7. Kann man sich nicht ausdenken sagt:

    Wollten die Pappnasen nicht neulich noch Steuererhöhungen für alle Hallenser ind Form höherer Grundsteuer beschließen und jetzt palavern die über die Abschaffung von Steuern? Weil Tanzveranstaltungen und Sexdarbietungen Schlüsselindustrien sind und die Betreiber am Hungertuch nagen oder was? Kannste dir nicht ausdenken…

    • SagJaNur sagt:

      Bist du AfD-Wähler? Mitdenken ist nicht so deine Stärke? Es soll insgesamt weniger Geld ausgegeben werden. Also bleibt mehr Geld für den Bürger übrig. Das das der AfD nicht passt, ist ihr Problem. Das ist übrigens ein Teil der Bürokratie, die abgebaut werden kann.