Landesverwaltungsamt genehmigt vorzeitigen Maßnahmebeginn: Kraftwerk Schkopau wird modernisiert und umgebaut
Das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt hat die Zulassung zum vorzeitigen Beginn der Maßnahmen für die geplante Modernisierung des Kraftwerks Schkopau erteilt. Damit ist ein wichtiger Meilenstein für die Umsetzung des Projekts „Zukunft Energieversorgung Sachsen-Anhalt“ erreicht.
Mit der erteilten Zulassung (§ 8a BImSchG) kann die Saale Energie GmbH nun vorbereitende Arbeiten für die Errichtung eines hocheffizienten Gas- und Dampfturbinenkraftwerks (GuD) sowie einer Industriegasturbinenanlage (IGT) aufnehmen. Diese Anlagen sollen künftig u.a. die Versorgung des benachbarten Chemieparks mit Prozessdampf und Strom sowie die Stromerzeugung für das öffentliche Netz sicherstellen -und das mit deutlich reduzierten CO₂-Emissionen.
„Mit der Zulassung des vorzeitigen Maßnahmebeginns ist der erste entscheidende Schritt in Richtung Zukunft gemacht. Unser gemeinsames Ziel ist es, die Versorgungssicherheit in Sachsen-Anhalt auch nach dem Kohleausstieg zu gewährleisten und gleichzeitig die CO₂-Emissionen deutlich zu reduzieren.“, erklärt der Präsident des Landesverwaltungsamtes, Thomas Pleye.
Als erste Maßnahme wird das an der vorhandenen Zufahrt zu den vom Vorhaben betroffenen Baufeldern stehende Pförtnergebäude versetzt, neu und modernisiert errichtet.
Das Kraftwerk Schkopau ist der größte Energieversorger in Sachsen-Anhalt und spielt eine zentrale Rolle in der öffentlichen Stromversorgung. Der gesetzlich vorgeschriebene Kohleausstieg am Standort ist bis zum 31.12.2034 umzusetzen. Bereits ab 2029 soll eine defizite Residuallast* möglich sein. Ein schlüssiges Konzept der Bundesregierung zur Sicherstellung dieser Residuallast steht jedoch noch aus. Die geplante Modernisierung ist so ausgelegt, dass die neuen Anlagen „H2-ready“ sind und künftig auch Wasserstoff als Brennstoff nutzen können.
Das Projekt sieht die Errichtung eines modernen Gas- und Dampfturbinenkraftwerks mit einer Spitzenlast von rund 900 MW netto vor. Neben der Stromerzeugung (50 Hz) wird die Anlage Schwarzstartfähigkeit** für das 50Hertz-Regionalnetz Mitte bieten und wichtige Systemdienstleistungen wie Momentanreserve, Primär- und Sekundärregelung sowie Minutenreserve erbringen. Zusätzlich wird vollentsalztes Wasser für den Chemiepark Schkopau bereitgestellt.
Genehmigungsverfahren
Die geplante Änderung des Kraftwerks stellt eine wesentliche Änderung nach § 16 BImSchG dar. Die Umweltverträglichkeitsprüfung erfolgte im Rahmen der ersten Teilgenehmigung. Der Antrag ist herstellerneutral gestaltet und berücksichtigt verschiedene technische Varianten. Die öffentliche Auslegung der Antragsunterlagen fand vom 25.08. bis 24.09.2025 in mehreren Gemeinden sowie online statt. Zwei Einwendungen wurden fristgerecht eingereicht und am 20.11.2025 erörtert.
Die Zulassung des vorzeitigen Maßnahmebeginns wurde nun erteilt. Im nächsten Schritt erfolgt die abschließende Prüfung und Bescheidung des vorliegenden Antrags auf eine erste Teilgenehmigung. Es sind Anträge zu weiteren Teilgenehmigungen geplant. In diesen werden die herstellerspezifische Errichtung und der Betrieb des GuD-Kraftwerks beantragt.
Darin enthalten werden sein:
- die Bauanträge für die weiteren Bauwerke,
- die Anträge auf Erlaubnis nach § 18 (1) BetrSichV für die neuen Anlagen,
- Eignungsfeststellungen nach § 63 WHG
Bedeutung des Projekts
Mit der Umsetzung des Projekts ZESA leistet die Saale Energie GmbH einen entscheidenden Beitrag zur Energiewende und zur Versorgungssicherheit in Sachsen-Anhalt. Die neuen Anlagen ermöglichen eine flexible, schnell regelbare Stromerzeugung und tragen dazu bei, Engpässe im Netz – etwa bei Dunkelflauten – zu vermeiden. Durch die H2-Readiness wird zudem die Grundlage für eine klimaneutrale Energieversorgung bis 2045 geschaffen
*Residuallast ist die Restlast im Stromnetz: Stromverbrauch minus Strom aus erneuerbaren Energien. Sie zeigt, wie viel Strom konventionelle Kraftwerke (z. B. Gas, Kohle, Kernkraft, Speicher) noch liefern müssen, nachdem Wind- und Solaranlagen bereits ihren Beitrag geleistet haben.
** Schwarzstartfähigkeit: Ein Kraftwerk oder eine Anlage kann sich ohne externe Stromversorgung selbst wieder hochfahren und Strom erzeugen. Also: Es braucht kein fremdes Netz, um zu starten – es kann „aus dem schwarzen Zustand“ (Blackout) selbstständig anlaufen








„Die geplante Modernisierung ist so ausgelegt, dass die neuen Anlagen „H2-ready“ sind und künftig auch Wasserstoff als Brennstoff nutzen können.“
Ein sehr gute Nachricht! So gelingt die Energiewende, und zwar ohne dass der Lebenskomfort eingeschränkt werden muss.
Es wird auch in den nächsten Jahrzehnten keinen billigen Wasserstoff geben, der verheizt werden kann. Zudem sind die technischen Probleme beim Umgang mit dem Gas ungelöst.