Mit offenen Augen durch die Saalestadt: Kostenlose Führungen zum Weltgästeführertag begeisterten Hallenser – auch heute nochmal zwei Führungen

Wer am Samstag mit offenen Augen durch Halle ging, konnte Geschichte neu entdecken. Der Verein Hallesche Gästeführer hatte anlässlich des Weltgästeführertages unter dem Motto „Mit offenen Augen durch Halle“ zu kostenlosen Schnupperführungen eingeladen. Die Rundgänge waren eigens für diesen besonderen Tag konzipiert – und stießen auf reges Interesse bei Einheimischen wie Gästen.

Verborgene Geschichten rund um die Ulrichskirche

Ein Ziel der Führungen war die St. Ulrichskirche. Das einstige Gotteshaus blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück: Zu DDR-Zeiten wurde die Kirche profaniert und in eine Konzerthalle umgewandelt. Wo früher gebetet wurde, erklang fortan Musik. Auch ein alter Spruch wurde aufgegriffen: „Das schönste Geschmeide sei …“, zitierte eine Gästeführerin augenzwinkernd und spannte damit den Bogen zwischen sakraler Tradition und kultureller Nutzung. Viele Teilnehmer zeigten sich überrascht, wie stark politische und gesellschaftliche Umbrüche ihre Stadt geprägt haben.

Auf den Spuren des „Schlamms“

Eine weitere Führung widmete sich einem Begriff, mit dem heute selbst eingefleischte Hallenser kaum noch etwas anfangen können: dem „Schlamm“. Gemeint ist die Gegend rund um die Nikolaistraße. Der Name geht auf die einst feuchte Beschaffenheit des Bodens zurück. Das wasserundurchlässige, tonhaltige Erdreich sorgte dafür, dass sich hier Nässe staute – ein Umstand, der dem Viertel seinen wenig schmeichelhaften Beinamen einbrachte. Heute erinnert kaum noch etwas an diese geologischen Besonderheiten, doch die Geschichten dahinter ließen die Vergangenheit lebendig werden.

Glaucha: Verruf und Wandel

Auch ein Abstecher nach Glaucha stand auf dem Programm. Der heute zu Halle gehörende Stadtteil war einst eigenständig – und hatte nicht immer den besten Ruf. Der Komponist Robert Franz soll gewarnt haben, man müsse dort aufpassen, „dass man kein Messer in den Rücken bekommt“. Eine drastische Beschreibung, die von sozialen Spannungen und schwierigen Lebensverhältnissen im 19. Jahrhundert zeugt. Heute präsentiert sich Glaucha im Wandel – mit sanierten Häusern, kulturellen Projekten und neuem Selbstbewusstsein.

Spenden für die Moritzkirche

Ein weiterer Höhepunkt war die Führung durch die Moritzkirche. Das Gotteshaus wird derzeit umfassend saniert – ein kostspieliges Unterfangen. Im Rahmen des Weltgästeführertages wurden daher auch Spenden gesammelt, die in diesem Jahr der Moritzkirche zugutekommen.

Antje Löhr-Dietrich von der Bürgergesellschaft St. Mauritius hob insbesondere den „bildhaften Chor“ hervor. Dieser sei vor rund 600 Jahren entstanden und habe anderen Gotteshäusern als Vorbild gedient. Die Skulpturen des Bildhauers Conrad von Einbeck im Inneren der Kirche, die unter anderem die Halloren bei ihrer Arbeit zeigen, seien von europäischem Rang, betonte Löhr-Dietrich.

Doch der Zahn der Zeit nagt an dem Bauwerk. „Das Dach war undicht, die Fassade hat gebröckelt“, erklärte sie. Die Sanierung verschlinge enorme Summen – allein die Instandsetzung eines Pfeilers koste rund 100.000 Euro. Umso wichtiger seien Engagement und Spendenbereitschaft.

Führungen am Sonntag

Auch am heutigen Sonntag, 22.2.2026, finden nochmal zwei Führungen statt. Um 11 Uhr startet am Franckeplatz vorm Café Hopfgarten eine Führungen „Durch das Alte Glaucha.“ Zur geilen Zeit heißt es auch „Mit wachen Augen durch HaNeu“, Treffpunkt ist hier Magistrale / Ecke Hallorenstraße.

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