Modernisierung des Kraftwerks Schkopau: erste Baugenehmigung erteilt – für ein Pförtnerhäuschen

Das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt hat die erste immissionsschutzrechtliche Teilgenehmigung für das Projekt „Zukunft Energieversorgung Sachsen‑Anhalt“ (ZESA) für das Kraftwerk der Saale Energie GmbH am Standort Schkopau erteilt. Damit ist nach der Zulassung des vorzeitigen Maßnahmebeginns vom Januar 2026 ein weiterer wichtiger Meilenstein für die Umsetzung des Projekts „Zukunft Energieversorgung Sachsen-Anhalt“ erreicht.

Gegenstand dieser Genehmigung ist nun die Errichtung und der Betrieb des Pförtnergebäudes, das künftig als zentraler Zugangspunkt zum modernisierten Kraftwerksstandort dient.

Grundsätzlich kann auf Antrag zunächst die Genehmigung für einen separaten Teil einer technischen Anlage erteilt werden. Dies ist hier umgesetzt worden. Rechtsgrundlage ist § 8 des Bundes-Immissionsschutzgesetzes. Voraussetzung ist dabei u.a., dass eine vorläufige Beurteilung ergibt, dass der Errichtung und dem Betrieb der gesamten Anlage keine von vornherein unüberwindlichen Hindernisse im Hinblick auf die Genehmigungsvoraussetzungen entgegenstehen.

Der vorliegende Antrag umfasst daher auch Angaben zum Gesamtvorhaben. Dabei wurden alle relevanten Aspekte des geplanten Kraftwerksumbaus – sowohl technische Varianten als auch Umweltauswirkungen – umfassend bewertet. Dabei agiert das Landesverwaltungsamt als Bündelungsbehörde für die Antragsteller und sorgt mit der Genehmigung aus einer Hand für einen zügigen Ablauf.

Weitere Teilgenehmigungen – darunter etwa für die eigentlichen Kraftwerksblöcke, bauliche Anlagen sowie wasser- und anlagentechnische Anlagen – werden nach detaillierter Planung durch die Antragstellerin in weiteren Teilgenehmigungen beantragt.

Bedeutung für das Gesamtprojekt

Mit der Erteilung dieser ersten Teilgenehmigung ist ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zur zukünftigen Energieversorgung in Sachsen-Anhalt geschafft. Das Modernisierungskonzept für das Gesamtvorhaben sieht eine leistungsfähige, flexibel regelbare und H‑fähige Kraftwerksstruktur vor, die:

  • die Versorgung des Chemieparks Schkopau sichert,
  • Strom für das öffentliche Netz bereitstellt,
  • wichtige Systemdienstleistungen gewährleistet (flexibler Kraftwerksbetrieb)
  • langfristig eine klimafreundliche Energieversorgung unterstützt.
  • Kapazität von
    • 2.629 MW Feuerungswärmeleistung der Bestandsanlagen,
    • 1.836 MW Feuerungswärmeleistung der Neuanlagen.

Warum eine Teilgenehmigung für das Pförtnergebäude?

Die Umsetzung eines Projekts in dieser Größenordnung setzt komplexe und vielschichtige Planungs- und Managementprozesse voraus, die die Festlegung auf einen Hersteller für die Dampfturbinen des Kraftwerks erst zu einem späteren Zeitpunkt ermöglichen. Die technischen Inhalte des vorliegenden ersten Antrages wurden herstellerneutral beantragt, sodass die weiteren Teilgenehmigungen erst die herstellerspezifischen Bau- und Betriebsdetails enthalten werden.

„Das Pförtnergebäude ist der Startpunkt für die gesamte Modernisierung. Schritt für Schritt entsteht in Schkopau eine Anlage, die Versorgungssicherheit und Klimaschutz vereint.“, so der Präsident des Landesverwaltungsamtes Thomas Pleye.

Bedeutung des Projekts

Das Kraftwerk Schkopau ist der größte Energieversorger in Sachsen-Anhalt und spielt eine zentrale Rolle in der öffentlichen Stromversorgung. Der gesetzlich vorgeschriebene Kohleausstieg am Standort ist bis zum 31.12.2034 umzusetzen. Bereits ab 2029 soll eine defizite Residuallast* möglich sein. Ein schlüssiges Konzept der Bundesregierung zur Sicherstellung dieser Residuallast steht jedoch noch aus. Die geplante Modernisierung ist so ausgelegt, dass die neuen Anlagen „H2-ready“ sind und künftig auch Wasserstoff als Brennstoff nutzen können.

Das Projekt sieht die Errichtung eines modernen Gas- und Dampfturbinenkraftwerks mit einer Spitzenlast von rund 900 MW netto vor. Neben der Stromerzeugung (50 Hz) wird die Anlage Schwarzstartfähigkeit** für das 50Hertz-Regionalnetz Mitte bieten und wichtige Systemdienstleistungen wie Momentanreserve, Primär- und Sekundärregelung sowie Minutenreserve erbringen. Zusätzlich wird vollentsalztes Wasser für den Chemiepark Schkopau bereitgestellt.

Mit der Umsetzung des Projekts ZESA leistet die Saale Energie GmbH einen entscheidenden Beitrag zur Energiewende und zur Versorgungssicherheit in Sachsen-Anhalt. Die neuen Anlagen ermöglichen eine flexible, schnell regelbare Stromerzeugung und tragen dazu bei, Engpässe im Netz – etwa bei Dunkelflauten – zu vermeiden. Durch die H2-Readiness wird zudem die Grundlage für eine klimaneutrale Energieversorgung bis 2045 geschaffen.

* Residuallast ist die Restlast im Stromnetz: Stromverbrauch minus Strom aus erneuerbaren Energien. Sie zeigt, wie viel Strom konventionelle Kraftwerke (z. B. Gas, Kohle, Kernkraft, Speicher) noch liefern müssen, nachdem Wind- und Solaranlagen bereits ihren Beitrag geleistet haben.

** Schwarzstartfähigkeit: Ein Kraftwerk oder eine Anlage kann sich ohne externe Stromversorgung selbst wieder hochfahren und Strom erzeugen. Also: Es braucht kein fremdes Netz, um zu starten – es kann „aus dem schwarzen Zustand“ (Blackout) selbstständig anlaufen.

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