Neustart am Saaleufer: Die Renaissance des Kaffeegartens „Am Mühlwerder“

Wo jahrelang eine brachliegende Fläche das Bild prägte, hat die Wohnungsgesellschaft GWG Halle-Neustadt mbH ein historisches Kleinod zu neuem Leben erweckt. Das Areal des ehemaligen „Kaffeegartens Kurzhals“ am Böllberger Weg präsentiert sich nach einer umfassenden Entwicklungs- und Bauphase als lebendiger Ort zum Einkehren, Feiern und Übernachten. Mit einem Ensemble stilvollen Gästeapartments und einer vielfältigen Gastronomie gewinnt der Stadtteil Böllberg-Wörmlitz eine traditionsreiche Begegnungsstätte zurück, die über Jahrzehnte als beliebtes Ausflugslokal galt.

Von der verwilderten Brache zum durchdachten Gesamtkonzept

Die Vorgeschichte der Neugestaltung reicht bis in das Jahr 2017 zurück. Beim Erwerb eines rund 4,5 Hektar großen Grundstücksareals – das sich von der heutigen Bebauung bis zur ehemaligen Böllberger Brauerei erstreckt – übernahm die Gesellschaft das historische Gastronomie- und Gewerbegelände sozusagen als festen Bestandteil der Entwicklungsfläche. Um eine stimmige und tragfähige Lösung für das ca. 5.000 Quadratmeter große Baufeld des Kaffeegartens zu finden, schrieb die GWG Halle-Neustadt einen Architektenwettbewerb unter drei renommierten Büros aus. Den Zuschlag erhielt der Entwurf des Leipziger Architekturbüros „Atelier ST“, der historischen Bestand und moderne Ergänzungen harmonisch zusammenführt. Nach intensiven Planungsphasen begannen im Jahr 2024 die Bauarbeiten vor Ort. Die Umsetzungsphase, die in enger Zusammenarbeit mit der GP Günter Papenburg AG realisiert wurde, stellte Projektleiter Thomas Hiller und sein Team vor spürbare Herausforderungen.

Denkmalschutz und historische Entdeckungen unter der Treppe

Da es sich bei dem Baufeld um ein eingetragenes Flächendenkmal handelt, standen die Arbeiten unter strengen denkmalpflegerischen Auflagen. Sowohl bei der Sanierung des Bestands als auch bei der Neugestaltung angrenzender Riegelbauten mussten historische Gestaltungsvorgaben penibel beachtet werden. Dies betraf unter anderem die Farbgebung, Fenstereinteilungen, Dachziegel, Türformen sowie die Traufhöhen der Baukörper.

Während der Entkernung traten zudem unvorhergesehene Bausubstanzmängel zu Tage. Schädlingsbefall durch Holzwürmer sowie morsche Eichenbalken im Dachstuhl und den Decken erforderten umfassendere Abbruch- und Instandsetzungsarbeiten als ursprünglich veranschlagt.

Für eine besondere Motivation während der kalten Bauphase im Winter 2024/2025 sorgte ein außergewöhnlicher Fund: Bauarbeiter entdeckten unter der alten Treppe des historischen Bauernhauses eine Flaschenpost. Der darin enthaltene Brief, verfasst im verregneten Sommer 1907 von Emilie Kurzhals – der damaligen Betreiberin und Witwe des Hauses –, wurde mithilfe des Stadtarchivs Halle übersetzt. Die Schilderungen des damaligen Gaststättenbetriebs berührten das Bautrio tief und verstärkten den Ansporn, den Geist und die Tradition dieses historischen Orts neu aufleben zu lassen.

Übernachten direkt am Saaleradweg: Das Apartment-Konzept

Neben der Gastronomie bildet der Beherbergungsbereich ein zentrales Standbein des Ensembles. Für die GWG Halle-Neustadt ist die Vermietung von Gästewohnungen zwar kein Neuland – die Gesellschaft betreibt seit Jahren ein Boardinghaus am Weinberg Campus –, dennoch stellt das Apartment-Projekt im Kaffeegarten eine besondere Bereicherung dar.

Seit dem 1. Juli 2026 stehen den Gästen unter der Leitung von Verwalterin Carina Aderhold insgesamt 17 modern eingerichtete Einheiten zur Verfügung. Für Kurzzeitgäste und Radtouristen auf dem Saaleradweg, die oft nur für eine oder zwei Nächte einkehren, bieten neun Zweibettzimmer ohne Küche die ideale Bleibe. Zusätzlich steht ein speziell eingerichtetes Apartment für Rollstuhlfahrer bereit. Vervollständigt wird das Angebot durch ein Einraumapartment, vier Zweiraumapartments sowie zwei großzügige Dreiraumapartments, die Platz für bis zu sechs Personen bieten und sich besonders gut für Familien eignen.

Die Apartments richten sich an ein breites Publikum – von Urlaubern über Familienbesuche bis hin zu Anwohnern, die aufgrund von Baumaßnahmen oder Wasserschäden eine temporäre Ausweichunterkunft benötigen. Die Resonanz der ersten Gäste fällt überaus positiv aus: Neben den hellen Räumen, der liebevollen Einrichtung und dem Blick auf das nahegelegene Wehr wird vor allem die beruhigende Atmosphäre an der Saale gelobt.

Gastronomische Frische und Transparenz im Restaurant „Am Mühlwerder“

Das kulinarische Herzstück des Ensembles bildet der gastronomische Betrieb, der im Mai 2026 von der PS Event & Gastronomie GmbH um Geschäftsführer Jens Schade eröffnet wurde. Das Gastronomiekonzept setzt auf regionale und saisonale Spezialitäten mit handgemachter Qualität und einer bewusst übersichtlichen, regelmäßig wechselnden Speisekarte. Ein besonderes Highlight im Innenbereich, der 65 Sitzplätze umfasst, ist die gläserne, offene Küche, die den Gästen einen direkten Blick auf die Zubereitung der Speisen ermöglicht und für volle Transparenz sorgt.

Ergänzt wird das Restaurant durch großzügige Außenbereiche und vielseitige Veranstaltungsräume. Die Terrasse bietet Platz für rund 40, während ein separat bespielter Biergarten mit Platz für bis zu 200 Gäste zum Verweilen im Freien einlädt. Im restaurierten Bauernhaus befindet sich zudem ein teilbarer Saal für 30 bis 100 Personen, der inklusive Catering für Hochzeiten, Familienfeiern, Jugendfeiern oder Tanzveranstaltungen gebucht werden kann. Bei der Getränkeauswahl legt das Team großen Wert auf Lokalkolorit und serviert unter anderem Weine regionaler Winzer sowie Bierspezialitäten und Fassbrause der Böllberger Brauerei. Das Restaurant hat von Donnerstag bis Sonntag von 12:00 bis 21:00 Uhr geöffnet und bietet neben dem Abendservice auch Mittagstisch sowie Kaffee und Kuchen an.

Ein neuer Impuls für das Quartier

Die Fertigstellung des Kaffeegartens markiert einen bedeutenden Meilenstein für die Stadtteilentwicklung in Halles Süden. Anwohner, ältere Bürger aus umliegenden Pflegeeinrichtungen sowie ehemalige Stammgäste schätzen die Rückkehr eines Orts, mit dem viele Hallenser persönliche Kindheits- und Familienerinnerungen verbinden. Mit der schrittweisen Fertigstellung des angrenzenden Speichers und den verbleibenden Wohneinheiten findet die rund zehnjährige Arealentwicklung der GWG Halle-Neustadt einen erfolgreichen Abschluss, der historisches Erbe und modernes Wohnen zukunftsfähig vereint.

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14 Kommentare

  1. Bürger sagt:

    Wir waren dort und sind enttäuscht. Trotz Reservierung wurden wir nach 1 Stunde aufgefordert zu bezahlen, da die Belegschaft Mittagessen im Biergarten möchte . Nachfrage nach Eis, es war sehr heiß, wegen der Hitze hat die Küche zu. Wir waren die einzigen Gäste! Die haben erst 12:00 aufgemacht und eigentlich bis 22:00 geöffnet.Ein Gast kam noch und fragte uns wo er Kaffee bestellen kann, ihn haben wir dann in den Biergarten geschickt . Die Öffnungszeiten sind auch klasse für ein Kaffeehaus, erst ab Donnerstag. Die Einrichtung ist gut, das Drumherum zu betoniert . Dürftig war auch das Kuchenangebot in einem kleinen Schrank. Das Essen war für den Preis zu teuer, ab 25€, dafür war es wie Alltagsessen, da brachten auch die rohen Sprossen im Tütenkartoffelbrei keine Freude.

  2. 10010110 sagt:

    Schöne Sache. 🙂 Wäre toll, wenn das beim Gasthof zum Mohr auch passieren würde.

  3. Esser sagt:

    Waren 2x dort. Service ist langsam und überfordert. Schmutzige Tische und vergessene Bestellungen. Die „gläserne“ Küche ist ein Witz. Das was da zu sehen ist, hinder der verdunkelten Scheibe sieht was wir der Blick in eine Rumpelkammer. Essen ist überteuert und billig hergestellt. Ich sage nur Kartoffelstampf und Nudeln tragen alles. Aber das Schlimmste sind die zwei Männer im Service.

  4. Elfriede von dr Vochelweide sagt:

    Naach der Wende wurde auf der Rabeninsel eine ehemalige große Gaststätte wieder belebt. Mit Besuch aus M/V waren wir an einem Nachmittag dort. Gastronomie in Ordnung, sogar Tanzen war angesagt im Freien unter den alten hohen Bäumen. Leeider war bald die Initiative eingeschlafen. Schade. Die, die in Halle ein echtes Interesse haben, dass wieder Leben einzieht, haben leider kein Geld, so etwas zu finanzieren.

  5. Klara sagt:

    Wir haben da schon mehrfach gegessen und werden wieder hingehen.
    Der Kaffeegarten wird sich hoffentlich etablieren und über die Anfangsschwierigkeiten hinwegkommen. Er ist übrigens ziemlich barrierefrei für mobilitätseingeschränkte Personen und die Straßenbahn ist quasi vor der Tür.
    Die Sanierung ist sehr gut gelungen, sehr geschmackvoll und schlicht.

    • Bürger sagt:

      Vom Parkplatz aus kommt man nur über eine Treppe zum Eingang. Zu Fuß von der Haltestelle , durch das Tor und dann erstmal ums Haus zum Eingang.
      So behindertenfreundlich ist es nicht. Und die Optik von außen ist auch nicht ansprechend. Alles Betongrau. Evtl entwickelt es sich alles noch.

  6. Robert sagt:

    Liebe HWG. Die Bürger haben wirklich andere Probleme wo sie Kaffee schlappern können . Ein Problem wäre ausreichende und bezahlbare Mieten .

  7. 🧐 sagt:

    Macht den Kaffeegarten nur weiter schlecht, daß ist die beste Werbung das noch mehr Leute kommen 😄. Warum sind da so viele Rezessionen so positiv. Auf solche wie euch kann man ja verzichten da haben andere Gäste wenigstens Platz 😜

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