Pflegeheimkosten in Sachsen-Anhalt steigen weiter an: Eigenanteil bei mittlerweile 2.111 Euro
Die Eigenanteile für Pflegeheimbewohner in Sachsen-Anhalt sind im letzten Jahr erneut gestiegen. Nach einer aktuellen Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) mussten 2025 Pflegebedürftige in Sachsen-Anhalt im Durchschnitt 2.111 Euro pro Monat selbst für ihren Platz im Pflegheim zahlen – und das nach Abzug aller Zuschläge und Leistungen der Pflegekasse. Die AOK Sachsen-Anhalt fordert deshalb schnellstmöglich Reformen der Pflegeversicherung.
Insgesamt kostete ein Heimplatz in Sachsen-Anhalt 2025 im Durchschnitt 4.569 Euro. Davon übernehmen die Pflegekassen 1.641 Euro, hinzu kommt ein Zuschlag nach Wohndauer von durchschnittlich 817 Euro. Selbst zuzahlen müssen die Pflegebedürftigen durchschnittlich 962 Euro für den pflegebedingten Eigenanteil, 819 Euro für Unterkunft und Verpflegung sowie 330 Euro für Investitionskosten.
„Seit Jahren steigen die Eigenanteile für Pflegeheimbewohner in Sachsen-Anhalt mehr oder weniger ungebremst. 2017 lagen diese noch bei durchschnittlich 1.113 Euro pro Monat, 2025 bereits bei 2.111 Euro, haben sich also nahezu verdoppelt“, sagt Corinna Beutel, Leiterin des Geschäftsbereiches Gesundheitsversorgung und Pflege bei der AOK Sachsen-Anhalt. 2021 führte die Politik zwar Zuschläge ein, die je nach Wohndauer die Eigenanteile begrenzen sollten. Das damalige Eigenanteilniveau von 1.557 Euro pro Monat wird mittlerweile aber wieder deutlich überschritten.
Die Zahlen zeigen auch, dass die Eigenanteile bundesweit gestiegen sind und je nach Bundesland variieren. Während die durchschnittliche Zuzahlung in Sachsen-Anhalt bei 2.111 Euro liegt, waren es in Nordrhein-Westfalen 2.969 Euro pro Monat. Sachsen-Anhalt hat bundesweit damit noch den niedrigsten Wert.
Trend wird weiter anhalten, wenn Politik nichts unternimmt
„Der ungebremste Anstieg ist erschreckend, insbesondere vor dem Hintergrund, dass 2025 die Zuschüsse der Pflegekassen gestiegen sind und wir auch immer mehr Geld für die Zuschläge nach Wohndauer bereitstellen. Insgesamt hat die Pflegekasse der AOK Sachsen-Anhalt 2025 über 1,4 Milliarden Euro ausgegeben. 2024 waren es noch 1,3 Milliarden“, sagt Beutel.
Der Trend werde deshalb weiter anhalten, wenn die Politik nicht schnell handelt. Beutel: „Die Politik muss nun endlich eine nachhaltige Struktur- und Finanzierungsreform der Pflegeversicherung auf den Weg bringen – die Rechnung zahlen sonst die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen.“
Um Pflegebedürftige von den Eigenanteilen zu entlasten, schlägt die AOK vor, dass die Länder ihrer finanziellen Verantwortung nachkommen und die Investitions- und Ausbildungskosten für die Pflegeheime vollständig übernehmen. Diese werden aktuell allein von den Pflegeheimbewohnern getragen. Außerdem müssen die Leistungen der Pflegeversicherung jährlich angepasst werden. Orientieren sollten sich diese Anpassungen an den Beitragseinnahmen.
Um die Pflegeversicherung zu entlasten, müsse der Bund zudem endlich versicherungsfremde Leistungen aus Steuergeldern finanzieren. „Es kann nicht sein, dass der Bund auf dem Rücken der Beitragszahlenden seinen Haushalt saniert. Die Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige oder kostendeckende Beiträge zur Pflegeversicherung für Bürgergeldempfänger sind gesamtgesellschaftliche Aufgaben, die vom Bund übernommen und aus Steuergeldern finanziert werden müssen. Hier muss der Bund endlich seiner Verantwortung gerecht werden“, so Beutel.










Was ist denn, wenn die Angehörigen, das Geld nicht aufbringen können und der Pflegebedürftige auch nicht? Bleibt dann nur der Strick?
Dann bleibt die Fast-Pleite-Stadt Halle (Saale).
Wer zahlt in welcher Reihenfolge:
1. Pflegeversicherung:
Zahlt Leistungen je nach Pflegegrad, aber deckt selten die vollen Kosten (sogenannte „Pflegelücke“).
2. Rente & Einkommen:
Die Pflegebedürftigen selbst müssen ihre Rente, Einkommen und Vermögen einsetzen (bis auf Schonvermögen).
3. Ehepartner:
Das Einkommen und Vermögen des Partners wird ebenfalls herangezogen (Paar-Einkommen), wobei ein Schonvermögen für den nicht pflegebedürftigen Partner bleibt.
4. Sozialamt:
Wenn die oben genannten Mittel nicht ausreichen, leistet das Sozialamt „Hilfe zur Pflege“, zahlt die Differenz und gewährt ein Taschengeld (ca. 152 €).
5. Angehörige (Elternunterhalt):
Kinder müssen nur zahlen, wenn ihr jährliches Bruttoeinkommen 100.000 € übersteigt, dann anteilig nach Düsseldorfer Tabelle.
Sachlich und rechnerisch richtig 🙂 Danke für den Kommentar, der auch die eine oder andere Angst nehmen kann.
Es bleibt ein Freibetrag von 10000€ und dann wird Sozialhilfe beantragt…. Staat zahlt
Was stimmt? Entgegen dem hier genannten Eigenanteil von 2.111€ schreibt die MZ in ihren „aktuellen News – Kostenschock“, dass ein Eigenanteil von 2.720€ zu zahlen sei.
Wenn die Menschen im Schnitt nur drei Jahre pfegebedürftig wären, müsste man ca. 75.000 Euro allein dafür auf der Kante habe. Wenn Menschen teils unter 2.000 netto verdient haben, kann man sich ausmalen, wie realistisch das ist, wie hoch Ersparniss und Rente sind. Wenn sie dann noch Kinder haben, macht es die wirtschaftliche Lage meistnoch schlechter.
Im Prinzip ahnt jeder zweite Mensch: Es ist völligh sinnlos, überhaupt dafür zu sparen, man kann es sich schlichtweg nicht leisten, pflegebedrüftig zu sein.
Der DAX wurde am 31.12.1987 mit 1000 indiziert. Jetzt, keine 40 Jahre später, steht er bei knapp 25000. Wenn man sich also am Anfang seines Berufslebens einfach nur ein DAX-Aktienpaket ohne großartiges Kaufen und Verkaufen zwischendrin zugelegt hat, hätte man mit einer Investition von 3000€ heute die 75000€ zusammen. Kaufkraftbereinigt wären es rund 6000€ Investition, oder 50€ im Monat, 10 Jahre lang.
Selbst Menschen mit geringem Einkommen geben heutzutage einen Haufen Geld für relativ sinnlosen Konsum für ein besseres Leben jetzt aus, der genausogut in ein besseres Leben im Alter investiert werden könnte. Für die überwiegende Mehrheit wäre es jedoch das machbar, und überaus sinnvoll.
Eine schöne Milchmädchenrechnung. Die jungen Menschen sollen doch aber schon 60 Prozent der Lücke bei der Rente vorsorgen. Dann sollen sie viele Kinder kriegen und für denren Auisbildung vorsorgen. Was sagst du den 40 % im Land, die nicht mehr als 2.000 netto haben, sondern zum Teil noch darunter?
Schöne Betrachtung so zurückblickend.
Konntest du das 1987 voraussagen?
Davor hat sich der DAX 20 Jahre lang recht seitwärts bewegt.
Nicht zu vergessen, dass der DAX seit 1987 auch zweimal die Hälfte verloren hat.
Solange die Weltwirtschaft wächst (oder beim DAX die deutsche Wirtschaft), sind Aktien eine sichere langfristige Geldanlage. Das ist logisch und scheitert erst, wenn das komplette System den Bach runter geht. Aber dann braucht man sowieso kein Geld mehr, sondern einen Kleingarten zur Selbstversorgung.
Wenn man nicht auf dem Niedrigstand verkauft, ist es völlig egal, ob der Kurs mal zwischenzeitlich runter geht. Wenn man des Geld nicht akut braucht, wie z.B. in einer Langzeitanlage zur Altersvorsorge, verkauft man die Aktien, wenn es einem gefällt. Über Zeiträume von 40-50 Jahren sind Aktien sicherer (und ergiebiger) als Renten- oder Pflegeversicherungen.
Ende 1967 stand der DAX (wenn man ihn da schon so nennen will) bei 500. Eine Verdopplung ist nicht unbedingt eine Seitwärtsbewegung.
Kann sich aber jeder selber entscheiden, ob nun alle 2 Jahre ein neues iPhone, oder eine Altersvorsorge wichtiger sind. Fakt ist, die große Mehrheit der Deutschen hat die Möglichkeit dazu und es ist keinesfalls sinnlos, es zu probieren.
Was Sie fordern, ist nicht mehr oder weniger als die flächendeckende Einführung von Kasino-Kapitalismus.
Ich fordere gar nichts.
Interessant wäre doch auch einmal zu erfahren, zu untersuchen, ob die gestiegenen Kosten für Pflegebedürftige auch tatsächlich den gestiegenen Kosten der Pflegeheime entsprechen oder ob hier schlichtweg eine Profitmaximierung der Betreiber auf Kosten der Steuerzahler stattfindet.
Wenn es diesbezüglich keine gesetzlichen Regelungen gibt, wären diese doch auch nur folgerichtig zu fordern diese zu schaffen.
Forderst Du gerade Planwirtschaft?
Naja, einen Plan, gerade von realen Kosten, sollte man da schon haben… Und, auch Mannesmann oder Krupp hatten Planwirtschaft… gerade im Schwermaschinenbau.
Wer freiwillig in Pflegeheim geht ist selber schuld.
JeanPütz,
die von Ihnen zwischen den Zeilen geforderte Einführung der Planwirtschaft wird es definitiv nicht geben.
Ihnen steht es allerdings völlig frei, selbst ein ein Pflegeheim für alte Menschen zu gründen und dauerhaft zu betreiben. Um dabei Ihrer Geisteshaltung gerecht zu werden, können Sie das gerne im Rahmen einer Genossenschaft (e.G.) tun.
Aber dafür müssten Sie auch selbst mal so richtig arbeiten und eben nicht nur fordern und reden.
Ach der FDP/AFD Kasper wieder. Dir ist schon bewusst, dass der Staat einspringt und die Kosten für die Pflegeheimunterbringung des übernimmt, wenn die Person den Eigenanteil nicht mehr selbst aufbringen kann?! Scheinbar nicht. Und es zeigt wiedermal, dass du von Wirtschaft nicht den Hauch einer Ahnung hast, dafür aber auch in der richtigen Partei. Du checkst es echt nicht.
Aber witzig, das du keine Argumente hast, was von Planwirtschaft fantasierst und anfängst zu versuchen mich zu beleidigen. Das ist armselig und erbärmlich.
Dich kann man nicht mehr beleidigen …
2024 hat der Staat im übrigen ca 6,4 Milliarden zur Deckung des Eigenanteils über die Sozialkassen beigesteuert.
Im MDR Teletext steht 2661 Euro.
Habe selbst einen Angehörigen im Pflegeheim. Von Pflege kann nicht die Rede sein,eher von Aufbewahrung 😢
Dann mache es selber besser. Niemand zwingt dich dazu, Angehörige ins Pflegeheim zu schicken.
10010110,
was ist eigentlich mit Ihnen, wenn Sie mal altersbedingte Hilfe brauchen? Sie kinderloser Grantler dürften in einer solchen Situation recht alleine dastehen.
An deiner Stelle wäre ich mal nicht so vorlaut.
Wahrheit tut weh.
Nicht nur da, das geht auch, wenn die nächsten Angehörigen durch Arbeits- oder andere Migrationen nicht in der Nachbarschaft wohnen. Und da gab es in den letzten 35 Jahren doch einiges…
Alt-Hallenser,
warum unterstützen Sie Ihren Angehörigen nicht?
Es gibt mittlerweile Pflegeeinrichtungen, die so eine Art Mischung aus Hotel und Pflegeheim bilden. Die kosten natürlich ein bisschen mehr, bieten aber eine perfekte Betreuung älterer Menschen.
Vor allem bei dem was man nur noch als Rente bekommt, obwohl man 40 Jahre und länger gearbeitet hat. Und selbst die Angehörigen müssen zusehen, wie sie zu Recht kommen, denn alles ist gestiegen. Da ist es besser, man beendet sein Leben vorher. Nur wer möchte das
Wo fließt eigentlich all das Geld hin? Also schon mal nicht ins pflegende Personal. Und Investitionszuschlag die so 2/3 einer Monatsmiete einer normalen Wohnung ausmacht??? Dazu kommen ja sowieso noch zu tragende Kosten für Unterkunft und Verpflegung (und allein der „Eigenateil“ ist höher als meine derzeitigen Ausgaben dafür….)
Die Pflegekostenproblematik macht deutlich, dass das System der gesetzlichen Altersvorsorge völlig überholt ist.
Die gesetzliche Renten- und Pflegeversicherung gehört komplett abgeschafft. Wer mit 25 Jahren nach dem Studium oder der Ausbildung anfängt zu arbeiten, hat, wenn er etwa mit 80 Jahren pflegebedürftig wird, 55 Jahre Zeit, entsprechende Rücklagen zu bilden.
Der Staat sollte sich aus Rente und Pflege komplett raushalten.
FDann muß der Gehalts/Lohnansatz auch so sein, daß man da, mit Wohnung, Familienunterhalt und Kindererziehung auch genügend Basis hat, Rücklagen zu bilden. In den letzten 35 jahren war das ja bei eher weniger Beschäftigten möglich…
Da stimme ich um Teil zu, die gesetzliche Altersvorsorge ist nur nicht überholt sondern von Neoliberalen kaputt gemacht.
Wenn wieder alle einzahlen, ohne Deckelung wird sie auch funktionieren.