Schuldenberg statt Reichtum: Jury kürt Sondervermögen wegen verschleiernder Wirkung zum Unwort des Jahres
Wenn Sprache die Realität nicht mehr abbildet, sondern verschleiert, schlägt die Stunde der Sprachkritik. Die Jury der unabhängigen Aktion „Unwort des Jahres“ hat heute ihre Entscheidung für das vergangene Jahr bekannt gegeben. An der Spitze steht ein Begriff, der wie kaum ein zweiter die politischen Debatten um den Staatshaushalt geprägt hat: Sondervermögen.
Das Euphemismus-Dilemma: Schulden hinter „Vermögen“ versteckt
Die Jury, bestehend aus vier Sprachwissenschaftler:innen und einer Journalistin, begründet ihre Wahl mit der manipulativen Wirkung des Begriffs. Ursprünglich ein technokratischer Begriff aus dem Grundgesetz (Art. 110 Abs. 1), bezeichne er im Fachdiskurs einen Nebenhaushalt, der primär durch Kredite – also neue Schulden – finanziert wird.
Im allgemeinen Sprachgebrauch wecke „Vermögen“ jedoch positive Assoziationen von Besitz und Reichtum. „Der Gebrauch dieses Technizismus in der öffentlichen Kommunikation verdeckt, was eigentlich gemeint ist: die Aufnahme von Schulden“, so die Jury unter der Sprecherin Prof. Dr. Constanze Spieß. Durch diese Diskrepanz werde die Bevölkerung in die Irre geführt und eine ehrliche demokratische Debatte über die Notwendigkeit von Staatsverschuldung unterminiert.
Die Top 3 der Unwörter 2025
Neben dem Hauptsieger stehen zwei weitere Begriffe im Fokus der Kritik:
Platz 2: Zustrombegrenzungsgesetz
Hier kritisiert die Jury die Fortführung der sogenannten „Wassermetaphorik“ im Migrationsdiskurs. Begriffe wie „Zustrom“ würden Zuwanderung als unkontrollierbare Naturkatastrophe darstellen. Menschen auf der Flucht würden hinter einem physikalischen Prozess versteckt und dadurch entmenschlicht.
Das persönliche Unwort: Umsiedlung
Eingeführt durch den diesjährigen Gastjuror, den Juristen und Journalisten Dr. Ronen Steinke, rückt dieser Begriff die internationale Politik in den Fokus. Im Kontext des Gazastreifens sei „Umsiedlung“ ein gefährlicher Euphemismus für das, was völkerrechtlich als Vertreibung unter Zwang gewertet werden müsse.
Statistik und Hintergrund
Die Beteiligung der Bevölkerung war im vergangenen Jahr enorm. Insgesamt gingen 2631 Einsendungen bei der Jury ein, die 553 verschiedene Ausdrücke vorschlugen.
Interessanterweise belegte „Friedensangst“ mit 582 die höchste Zahl der Einsendungen, erfüllte jedoch nach Ansicht der Jury die strengen Unwort-Kriterien weniger prägnant als das „Sondervermögen“.
Die Jury mahnt abschließend an, dass Klarheit und Aufrichtigkeit die Grundpfeiler einer funktionierenden Demokratie seien. Wo Politik durch Fachbegriffe Tatsachen verschleiert, sei es diskursethisch geboten, diese sprachlichen Maskeraden aufzudecken.









Meinen allerhöchsten Respekt!
Das hat die Jury sehr klug und mutig entschieden! 👍
Es fehlt eindeutig Platz 3 im Artikel, nämlich das „Stadtbild“.
Vertraue also keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht oder unvollständig veröffentlicht hast!
Schade, dass du nicht weißt, was eine Statistik ist. Aber schön, dass du trotzdem mitredest.
„Technologieoffen“ nicht dabei? Oder war das schon in den Vorjahren dabei? Ist ja ein schöner Euphemismus für „Hände in den Schoß legen“.