Streiks bei Bus und Bahn drohen: erste Tarifverhandlungsrunde für den Nahverkehr in Sachsen-Anhalt gescheitert

Nach der heutigen ersten Tarifverhandlungsrunde für den kommunalen Nahverkehr in Sachsen-Anhalt zeigt sich ver.di enttäuscht über die Haltung der Arbeitgeber. Statt auf die berechtigten Forderungen der Beschäftigten einzugehen, verwiesen die Arbeitgeber erneut auf die angespannte Haushaltslage der Kommunen und lehnten insbesondere Entlastungen bei der Arbeitszeit kategorisch ab. Arbeitszeitverkürzungen seien „nicht zeitgemäß“, stattdessen brachten die Arbeitgeber sogar Arbeitszeiterhöhungen ins Gespräch.

„Diese Argumentation ist nicht neu – und sie ist nicht akzeptabel“, erklärt ver.di-Verhandlungsführer Paul Schmidt. „Die Beschäftigten im Nahverkehr arbeiten seit Jahren unter hoher Belastung, mit Schicht-, Nacht- und Wochenendarbeit, Personalmangel und immer weiter steigenden Anforderungen.“ Eine erst kürzlich von ver.di veröffentlichte Studie (studie.tvn26.de) zeige klar: asymmetrische Schichtarbeit, wie sie im Fahrdienst üblich ist, verursacht bei den betroffenen Beschäftigten enorme physische und psychische Belastung. „Wer unter diesen Bedingungen ernsthaft über längere Arbeitszeiten spricht, blendet die Realität der Arbeit im Nahverkehr völlig aus.“

ver.di weist die Versuche der Arbeitgeber entschieden zurück, die Verantwortung für fehlende finanzielle Spielräume auf dem Rücken der Beschäftigten abzuladen. Die Unterfinanzierung der Kommunen und des öffentlichen Personennahverkehrs sei kein Naturereignis, sondern ein politisch verursachtes Problem, das seit Jahren – wenn nicht Jahrzehnten – bekannt sei.

„Dass der ÖPNV nicht ausfinanziert ist, ist menschengemacht und politisch verantwortet“, so Schmidt weiter. „Wir weisen seit Jahren auf den dringenden Reformbedarf bei der ÖPNV-Finanzierung hin. Sich jetzt hinter klammen Kassen zu verstecken, bedeutet in der Konsequenz immer: Die Beschäftigten und die Fahrgäste zahlen den Preis. Das kann und darf nicht der Weg sein.“

Mit ihren Forderungen verfolgen die in ver.di organisierten Arbeitnehmer*innen das Ziel, die Arbeitsbedingungen im kommunalen Nahverkehr spürbar zu verbessern und den Beruf langfristig attraktiv zu halten. Kernpunkte sind:

  • Arbeitszeit runter: Einführung der 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Ergänzend ein Wahlmodell, das freiwillig längere Arbeitszeiten gegen Geld, zusätzliche freie Tage oder Zeitgutschriften ermöglicht.
  • Entlastung bei Schicht- und Nachtarbeit: Deutlich höhere Zuschläge für Nacht-, Sonn- und Wochenendarbeit sowie eine Berechnung der Zuschläge mindestens auf Basis höherer Entgeltstufen.
  • Verlässliche Ruhezeiten: Ununterbrochene Ruhezeiten ohne Ausnahmen, um Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten zu schützen.
  • Nachwuchs sichern: Verbesserungen für Auszubildende, unter anderem durch mehr Freistellung zur Prüfungsvorbereitung, die Übernahme von Führerscheinkosten und ein arbeitgeberfinanziertes Deutschlandticket.
  • Anerkennung von Gewerkschaftsarbeit: Einführung einer gewerkschaftlichen Vorteilsregelung.

Durch den aus Gewerkschaftssicht enttäuschenden Verhandlungsverlauf sind Arbeitskämpfe nicht auszuschließen. ver.di betont dabei ausdrücklich, dass mögliche Maßnahmen mit Augenmaß erfolgen werden. „Wir sind nicht an einer Eskalation nur der Eskalation wegen interessiert“, stellt Schmidt klar. „Gerade weil viele Menschen auf Bus und Bahn angewiesen sind, werden wir verantwortungsvoll handeln und frühzeitig informieren. Wenn sich die Arbeitgeber jedoch jedweder Lösung verweigern, lassen sie den Beschäftigten leider keine andere Wahl, als Druck auszuüben.“

Für ver.di ist klar: Eine nachhaltige Sicherung des Nahverkehrs gelingt nur mit guten Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten – und mit einer verlässlichen, auskömmlichen Finanzierung durch Bund und Land. „Wer den ÖPNV stärken will, muss endlich die politischen Rahmenbedingungen ändern, statt die Probleme immer wieder an die Beschäftigten weiterzureichen“, so Schmidt abschließend.

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23 Kommentare

  1. On + On sagt:

    Der ÖPNV ist ein hochdefizitäres System, das mit Einführung des Deutschland-Tickets noch defizitärer geworden ist. Wenn EVH- und HWS-Kunden nicht jedes riesige Millionen Euro plus steigende Zuschüsse aus dem Stadthaushalt in die HAVAG schießen würden, wäre es bereits heute hoffnungslos zusammengebrochen. Eine Stadt von 226.000 Einwohner kann sich eine schienengebundenes ÖPNV-System in der Größe nicht mehr leisten und sollte komplett auf autonom fahrende Busse umgestellt werden, das wäre ein signifikanter Beitrag zur Haushaltstabilisierung. Die Tarifforderungen von Verdi zeigen, dass diese den Schuss nicht mehr gehört hat – und Halles katastrophale Haushaltslage trotz zusätzlicher Millionen vom Bund ein Zeugnis eines totalen gesellschaftlichen Versagens und einer beispiellosen Mitnahmementalität von Gewerkschaftsmitgliedern und linksgrünen Wählern ist. Die Stadtwerke Halle einschließlich die HAVAG sollten aus dem Tarifvertrag kommunaler Arbeitgeber austreten und einen neuen eigenen Haustarifvertrag verlangen. Bei Nichtentgegenkommen von Verdi sollte massenhaft betriebsbedingt gekündigt werden.

    • 10010110 sagt:

      Autonom fahrende Busse – Junge, nimm nicht so viele Halluzinogene. 🤦‍♀️

    • Darkwing Duck sagt:

      ÖPNV dient dem Allgemeinwohl und sollte dazu bezahlbar bleiben. Dazu ist es ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz. Das zu subventionieren ist richtig.
      Die Kosten könnte man leicht reinholen, indem man andere, unsinnige Subventionen streicht, Stichwort Diesel, Dienstwagenprivileg u.ä.
      Zudem sind die Streiks absolut berechtigt. Die Reallöhne sinken seit Jahren.

      • Fahre trotzdem SUV sagt:

        Die Diesel Subvention, welche 20 Cent gegenüber Benzin ausmachte, ist doch schon seit vielen Jahren weg!

    • PaulusHallenser sagt:

      On + On,

      Ihrem Beitrag stimme ich zu 100%.

      Kleiner Einwurf allerdings: Vor den betriebsbedingten Kündigungen würde ich es allerdings erst einmal zu einem knallharten Streik ankommen lassen. Nach einiger Zeit werden die meisten Fahrer wieder von sich aus anfangen zu arbeiten.

      • Frage sagt:

        Auf welcher Rechtsgrundlage? Wirklich witzig, wie energisch und engagiert Sie die Rechte und Interessen anderer verletzen und missachten wollen? Dass Löhne und Gehälter ausgehandelt werden, durchaus im Konflikt, statt von Oben dekretiert zu werden, scheint Ihrem Freiheitsverständnis fremd zu sein. Ihre Entlassungsdrohungen machen sehr schön deutlich, warum es des Streikrechts bedarf. FDP halt.

      • Ich würde es darauf ankommen lassen, Dir einen Bautrupp vorbeizuschicken und Deine aus Steuergeldern bezahlte Klimaanlage auszubauen. Und die Löcher offenzulassen.

    • War der Prompt bei ChatGPT „Schreib mir einen möglichst dummen und unrealistischen Vorschlag, bring irgendwie noch „linksgrün“ ohne Bezug zur Sache unter und am Ende eine Quatschschlussfolgerung“?

      Dann hat die KI das mit Bravour gelöst.

      • 10010110 sagt:

        Ich habe deinen Prompt mal bei ChatGPT eingegeben (und hinzugefügt, dass es um die Finanzierung des ÖPNV geht), und das hier kam dabei raus:

        Ein absolut unrealistischer Vorschlag zur Finanzierung des ÖPNV könnte wie folgt aussehen:

        Stellen wir uns vor, der öffentliche Nahverkehr wird durch eine Steuer auf alle Kaffeetrinker finanziert. Jeder, der regelmäßig seinen Filterkaffee oder Latte macchiato konsumiert, müsste eine „Kaffee-ÖPNV-Steuer“ entrichten. Diese Steuer würde dafür sorgen, dass diejenigen, die in vollen Zügen sitzen, gleich doppelt zur Kasse gebeten werden, denn sie sollen ja schließlich auch ihre Kaffeekultur im ÖPNV genießen können.

        Zusätzlich könnten wir eine „linksgrüne Klimaanpassungsgebühr“ einführen, die nur für Menschen mit einem grünen Daumen oder einem verstörend hohen Wissen über Radieschen gilt. Damit würden wir umweltbewusste Pflanzenliebhaber in die Pflicht nehmen, und das sorgt bestimmt für ein ordentliches Plus in der ÖPNV-Kasse!

        Am Ende würde dieser Vorschlag gleichzeitig die Kaffeekultur ins Unermessliche steigern und den ÖPNV so finanzieren, dass wir irgendwann alle klimaneutral und mit einem Becher in der Hand in den nächsten Zug steigen. Also: Kaffee für alle – und der ÖPNV erleuchtet in echtem, linksgrünem Glanz!

        😆

    • Bertram sagt:

      Autonom fahrende Busse sind von gestern. Flugtaxis sind der neueste Scheiß! In welcher Welt lebst du?! Scheinst ja völlig ahnungslos zu sein.
      Mal abgesehen davon das Verdi irgendwelche Forderungen aufstellt – woher kommt dein Hass auf die Stadtwerke? Und wie würde es denn deiner Meinung nach nach einer „massenhaften“ Entlassung der Beschäftigten weitergehen? Dir ist schon klar, dass die Arbeit durch die Beschäftigten geleistet wird?

    • Bahnfahrer sagt:

      Eine komplett umzustellen des autonomes Bus fahren bedarf einer Investition in diese Technologie. Dazu gehört der entsprechende Fuhrpark. Ich Wette, Du bist der Erste, der dann meckert wenn hierfür Geld ausgegeben wird
      Und was passiert mit den Busfahrerinnen und Busfahrer. Viele davon, meist die älteren, werden keinen Job bekommen. Wo landen sie dann? In die Sozialsysteme wie z. B. Bürgergeld/Grundsicherung. Ersparnis gleich Null.
      Übrigens, Gewerkschaften und das Rechtbauf Streik zur Durchsetzung der Forderung, gehören zu einer Demokratie und Rechtsstaat.
      Wärst Du denn bereit auf einen Teil Deines Lohnes zu verzichten? Ich denke wohl eher nicht. Aber von anderen fordern.
      Wenn es einem nicht selber betrifft, schwingt man immer große Reden. Aber sobald es an den eigenen Geldbeutel geht, wird gejammert und gemeckert.

  2. BESORGTER Hallenser sagt:

    Verdi sollte durch seine Daseinsberechtigung nicht immer nur fordern, sie sollten lieber statt Geld auch mal was leisten.

    • VERDATTERTER Hallenser sagt:

      Hä?

    • Also sollen sie ohne Geld was leisten? So wie Du, ach nee, bei Dir war es ja Geld ohne Leistung. Wie konnte ich das nur verwechseln…

      • Micha sagt:

        Wirklich?
        Das ist die emotional beherrschte art und weise die man politikern unterstellt?
        Fäkalniveau und beleidigungen auf ebene der herabsetzung der würde des menschen?
        Grundgesetz gelesen?
        Kein wunder dass niemand eure partei wählt, eine partei auf deren wahlplakaten der wähler als „fotze“ bezeichnet wird.
        Und ganz makaber ist von spenden zu leben und anderen sozialleistungen vorzuhalten.
        Und bitte erwähne jetzt in deiner antwort dass du reich bist und richtig viel geld machst, dann bekommt die parteifinanzierung aus spenden noch einen leckeren beigeschmack.

        Ihr politiker habt alle grenzen überschritten. An adenauer kommt ihr heutzutage nicht ran.
        Ihr diffamiert, hintergeht, betrügt, lügt und beleidigt. Und das alles sogar direkt ins gesicht eurer wählerschaft.

        Abgesehen davon, wieso artet dieser chat hier immer wieder in beleidigungen aus?
        Warum predigt ihr frieden und lebt den krieg?

        Darum, weil ihr euch so verhaltet, wie ihrs tut, hasse ich alle menschen!

        • verständlich sagt:

          Mir geht es ähnlich. Weil du so eingeschnappt bist, hasse auch ich alle Menschen.

        • Du hast Dich beim Antwortbutton vertan. Das Fäkalniveau war beim „besorgten“ Hallenser, der von den Beschäftigten verlangt, einfach so Gehaltseinbußen hinzunehmen. Und das ist wirklich unterirdisch.

  3. Kai sagt:

    Verdi ist und bleibt die schlimmste Gewerkschaft.
    Immer schön freche Forderungen stellen und die Öffentlichkeit nerven.

  4. Belladonna sagt:

    Wer, wie die Fahrer, im Schichtsystem arbeiten, können ein Lied von kaputten Biorhythmus und Co singen. Mehr Nachtzuschläge sind da nicht die Lösung. Eher ein Ausgleichstag nach z.B. einer Woche Nachtschicht. 35 Stunden Woche, sehe ich auch eher schwierig. Längere Arbeitszeiten jedoch ebenso. Bringen nur dem Staat mehr Einnahmen, die dieser sinnlos verballert, das sollte man nicht unterstützen. Warum soll ein AN ständig die Kosten für Flüchtlinge, Diätenerhöhungen, Ausgabewahn ohne Sinn finanzieren. Evtl sollte man auch mal durchforsten, wo denn die Einnahmen sowie die Zuschüsse vom Bund denn genau landen.

  5. Lestrade sagt:

    Frechheit für unpünklichkeit und Service nachlassung noch mehr Geld fordern. Mit welchen Recht? Ihr seit nicht in der Lage irgendwelche Zeit und Sauberkeit in euren verkersmitteln einzuhalten.

  6. Fakt sagt:

    @lestrade…wer macht denn die Bahnen Dreckig…werden jeden abend gereinigt.
    Die Diskussionen sind so sinnfrei ..autonom fahrende Busse bei den Baustellen…5h Verspätung…aber geil wäre es.kann keiner mehr auf den Fahrer meckern..gibt ja keinen
    Oder alle entlassen….wenn 1 tag die Bahnen nicht fahren ist die Hölle los….zu viele sind darauf angewiesen
    Denkt alle mal nach ,oder geht zur Abendschule.