Von glitzernden Parkanlagen, dampfenden Flüssen und dem bunten Treiben auf dem Eis: ein Streifzug durch das tiefverschneite Halle
Halle hat sich an diesem Wochenende in ein wahres Postkartenmotiv verwandelt. Was für den Berufsverkehr meist Stress und Verspätungen bedeutet, stellt für das Stadtbild eine fast magische Verzauberung dar: Eine dicke Schneeschicht hat die Saalestadt unter sich begraben und die Hektik des Alltags spürbar gedämpft. Bei klirrenden Temperaturen von bis zu -12 Grad Celsius zeigte sich die Natur von ihrer unerbittlichen, aber wunderschönen Seite und verwandelte selbst die Fließgewässer in teilweise begehbare Kunstwerke.
Das Phänomen der „rauchenden“ Saale
Wer in den frühen Morgenstunden den Weg über die Brücken der Stadt wagte, wurde mit einem seltenen Naturschauspiel belohnt. Während die Außenluft eisig war, wirkte die Saale beinahe lebendig. An den Stellen, an denen die Strömung das Wasser noch offen hielt, schien der Fluss regelrecht zu „dampfen“. Dieses physikalische Phänomen entsteht, wenn die extrem kalte Luft auf das – im Vergleich dazu – deutlich wärmere Wasser trifft. Obwohl das Flusswasser selbst eisig ist, sorgt die Differenz zur zweistelligen Minustemperatur der Luft für aufsteigende Nebelschwaden.
Besonders eindrucksvoll zeigte sich dies an der „Brücke der Freundschaft“. Inmitten der weißen Dampfwolken tummelte sich eine Schwanenfamilie im Wasser und suchte zwischen den Eisschollen nach Nahrung. Es war ein Bild vollkommener Winterruhe, das viele Spaziergänger kurz innehalten ließ, bevor sie ihren Weg durch den tiefen Schnee fortsetzten.
Rodelspaß mit Hindernissen
Für die Kinder der Stadt gab es in diesen Tagen kein Halten mehr. Überall entstanden Schneemänner, und die Schlittenhügel der Stadt wurden zu den wichtigsten Treffpunkten der Hallenser. Am Anhalter Platz in der Silberhöhe sowie am Hasenberg an der Pauluskirche herrschte reger Betrieb, als hunderte Rodelfreunde die Abhänge hinunterjagten. Auch der Hügel im „Grünen Dreieck“ in Heide-Süd lockte zahlreiche Familien an.
Doch wo viel Licht ist, gibt es leider auch Schatten: In Heide-Süd mischten sich Misstöne in das Wintervergnügen. Mehrere Eltern beschwerten sich verbittert darüber, dass die ausgelassene Stimmung von Langfingern ausgenutzt wurde. Während die Kinder im Schnee spielten oder eine weitere Runde den Hügel erklommen, wurden am Rand abgestellte Schlitten entwendet – ein Vorfall, der einen bitteren Nachgeschmack bei den betroffenen Familien hinterließ.
Zwischen Baustelle und Eisvergnügen auf der Ziegelwiese
Das wohl kurioseste Treiben spielte sich jedoch auf der Ziegelwiese ab. Eigentlich gleicht das Areal derzeit einer großflächigen Baustelle, da die Stadt hier aufwendig die Wege erneuern lässt. Doch die aufgestellten Absperrungen stellten für die winterhungrigen Massen kein Hindernis dar; sie wurden kurzerhand beiseite geschoben, um den Zugang zum Gelände zu ermöglichen.
Obwohl die Stadtverwaltung im Vorfeld ausdrücklich vor dem Betreten der Eisflächen gewarnt hatte, herrschte auf dem Fontäne-Teich regelrechter Trubel. Zahlreiche Familien nutzten die dicke Eisschicht für einen Ausflug. Das Besondere in diesem Jahr: Die Hallenser nahmen die Pflege der Eisfläche selbst in die Hand. Ausgerüstet mit Schneeschiebern befreiten engagierte Bürger die Wasseroberfläche vom Neuschnee und zogen so saubere Bahnen für die Schlittschuhläufer. Sogar Eishockey-Matches wurden ausgetragen. Im Gegensatz zu früheren Jahren, in denen das Ordnungsamt solche inoffiziellen Vergnügen oft vorzeitig beendete, blieb die Behörde diesmal fern. Der Spaß wurde nicht unterbunden, auch wenn der Teich offiziell niemals freigegeben war.
Winterschlaf auf der Peißnitz
Einige Meter weiter bot sich ein deutlich ruhigeres Bild. Der Peißnitzexpress liegt tief unter dem Weiß begraben. Die Gleise und Bahnsteige der Parkeisenbahn sind komplett zugeschneit und lassen die kleine Bahn in einem tiefen Winterschlaf verharren. Für die Fans der Eisenbahn heißt es ohnehin geduldig sein, denn der Express befindet sich regulär noch bis Ostern in der Winterpause.
Allerdings steigen die Temperaturen in den nächsten Tagen wieder an, so dass es mit der weißen Winterlandschaft bald vorbei sein dürfte.














































































So ein wunderschönes Winterwetter hatten wir in Halle lange nicht und man „musste“ die 2 Tage mit Sonne und Schnee einfach geniessen. Sehr schade, dass ab morgen Schneematsch, Regen oder gar Glatteis diese Idylle beenden…
“ Im Gegensatz zu früheren Jahren, in denen das Ordnungsamt solche inoffiziellen Vergnügen oft vorzeitig beendete, blieb die Behörde diesmal fern.“ Tja, gestern noch auf die Gefahrenabwehrverordnung verweisen und heute nicht einschreiten. Wo kein Kläger, da kein Richter, wo kein Richter, da kein Gesetzt. War dem Ordnungsamt wohl zu kalt und zu verschneit, um da mal durchzugreifen. Ist etwas ironisch gemeint. An sich kann man die Verordnung knicken. Vielmehr sollte man als Stadt den Arsch in der Hose haben und die Flächen ggf. sauber zu prüfen und dann offiziell frei zugeben.