209 neue Lehrer für Sachsen-Anhalt erhalten an der Uni Halle ihr erstes Staatsexamen – vier von ihnen mit besonderer Auszeichnung
In der ehrwürdigen Aula des Löwengebäudes der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) herrschte am heutigen Tag festliche Stimmung. 209 angehende Lehrerinnen und Lehrer nahmen im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung ihr Zeugnis über das erste Staatsexamen entgegen. Im Beisein von Bildungsminister Jan Riedel und der Rektorin der MLU, Prof. Dr. Claudia Becker, wurden sie offiziell in den Vorbereitungsdienst entlassen, der nach 16 Monaten mit dem zweiten Staatsexamen abschließt.
Mit dem erfolgreichen Abschluss haben die Absolventinnen und Absolventen einen bedeutenden Meilenstein auf ihrem Weg in den Schuldienst erreicht. Künftig werden sie an Grund- und Sekundarschulen, Gymnasien sowie Förderschulen in Sachsen-Anhalt unterrichten. Vier von ihnen schlossen das erste Staatsexamen mit Auszeichnung ab – ein besonderer Beleg für herausragende Leistungen in Studium und Prüfung.
Ein Meilenstein auf dem Weg in einen verantwortungsvollen Beruf
In seiner Rede würdigte Bildungsminister Jan Riedel die Leistungen der Absolventinnen und Absolventen und hob die gesellschaftliche Bedeutung ihres künftigen Berufs hervor. „Mit dem erfolgreichen Abschluss des ersten Staatsexamens haben 209 angehende Lehrerinnen und Lehrer einen bedeutenden Meilenstein auf ihrem Weg in einen verantwortungsvollen und gesellschaftlich zentralen Beruf erreicht“, sagte Riedel.
Sie übernähmen künftig „eine Schlüsselrolle für die Bildung und persönliche Entwicklung junger Menschen in Sachsen-Anhalt“. Für das Engagement und die Leistung, die hinter diesem Abschluss stehen, sprach der Minister seinen ausdrücklichen Dank aus. Zugleich wünschte er für den nun beginnenden Vorbereitungsdienst „viel Erfolg, wertvolle Erfahrungen und einen guten Start in den Dienst unseres Landes“.
Riedel, selbst ausgebildeter Lehrer, betonte, dass der Beruf gerade in der heutigen Zeit von besonderer Bedeutung sei. „Gerade in diesen Zeiten ist ihr Beruf von besonderer Bedeutung. Denn Schule ist mehr als Wissensvermittlung. Sie ist ein Ort für Orientierung, Stabilität und des Zusammenhalts.“ In einer sich wandelnden Gesellschaft komme Schulen eine zentrale Rolle zu – nicht nur als Lernorte, sondern auch als Räume, in denen demokratische Werte gelebt und vermittelt werden.
„Wir brauchen engagierten Lehrernachwuchs dringender denn je“
Der Minister machte deutlich, dass Sachsen-Anhalt auf engagierte Nachwuchslehrkräfte angewiesen sei. „Das Land braucht engagierten Lehrernachwuchs dringender denn je“, sagte Riedel und äußerte die Hoffnung, dass viele der Absolventinnen und Absolventen dem Bundesland treu bleiben. „Es gibt keinen besseren Arbeitgeber als Sachsen-Anhalt“, betonte er. Das Land zahle Überstunden „von der ersten Stunde an“. Mit einem Augenzwinkern fügte er hinzu: „Und Sie müssen viele Überstunden machen.“
Riedel sprach offen über seine eigene Studienzeit und seine damaligen Überlegungen, in seiner Heimat Sachsen zu bleiben. „Leipzig und Dresden klingt anders als Halle und Magdeburg, dachte ich damals. Heute weiß ich, das ist ein großer Trugschluss.“ Sachsen-Anhalt biete vielfältige Chancen und Gestaltungsmöglichkeiten. „Ein kleines Bundesland bietet die Möglichkeit, an vielen Stellen mitzuwirken, an vielen entscheidenden Stellen auch Veränderungen herbeizuführen.“
Der Minister unterstrich die gesellschaftliche Verantwortung des Lehrerberufs: „Sie übernehmen Verantwortung für junge Menschen und damit für die Zukunft Sachsen-Anhalts.“ Kinder und Jugendliche müssten spüren, was sie können, und Chancen erhalten, sich zu entwickeln. „Das ist die tragendste Säule des Gemeinwesens, der Demokratie und der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.“
Zugleich verschwieg Riedel nicht die Herausforderungen des Berufs. „Im Lehrerberuf müssen Sie mit viel Flexibilität auf die Herausforderungen der Zukunft reagieren“, sagte er. Dazu gehörten insbesondere die fortschreitende Digitalisierung, der Einsatz Künstlicher Intelligenz im Unterricht sowie der gesamte gesellschaftliche Transformationsprozess. Lehrkräfte müssten sich kontinuierlich weiterentwickeln, neue Technologien einordnen und pädagogisch sinnvoll einsetzen.
Universität sieht Ausbildung als gesellschaftlichen Auftrag
Auch Rektorin Prof. Dr. Claudia Becker würdigte in ihrer Ansprache die Absolventinnen und Absolventen. „Wir qualifizieren die zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer für Sachsen-Anhalt. Verbunden mit einer zukunftsorientierten Lehre zählt das zu unseren gesellschaftlichen Kernaufgaben“, sagte sie.
Die MLU verstehe die Lehrkräftebildung als zentralen Beitrag zur Entwicklung des Landes. „Wir sind überzeugt, dass unsere Absolventinnen und Absolventen mit ihrem erworbenen Fachwissen und ihrer pädagogischen Kompetenz bestens vorbereitet sind, die vielfältigen Anforderungen des Lehrerberufs zu meistern und die Bildung in unserem Land nachhaltig zu bereichern.“
Mit dem bestandenen Staatsexamen beginne ein neuer Lebensabschnitt. „Mit dem Abschluss in der Tasche sind Sie auf dem Weg in einen wunderbaren Beruf“, so Becker. Lehrerinnen und Lehrer seien nicht nur Wissensvermittler, sondern Vorbilder. „Sie werden Vorbilder sein“, sagte sie und erinnerte an eine oft gehörte Formulierung in Familien: „‚Das hat aber meine Lehrerin gesagt‘.“ Dieser Satz zeige, wie nachhaltig Lehrkräfte wirken.
Besonders eindrucksvoll beschrieb die Rektorin die langfristige Wirkung pädagogischer Arbeit: „Als Lehrer sehen Sie, wie Ihre Saat aufgeht.“ Bildung sei ein Prozess, der Geduld, Engagement und Überzeugung verlange – und dessen Früchte oft erst Jahre später sichtbar würden.
Zahlen und Perspektiven
Im aktuellen Prüfungszeitraum legten insgesamt 209 angehende Lehrkräfte ihre erste Staatsprüfung ab, die vom Landesprüfungsamt für Lehrämter durchgeführt wird. Die Verteilung nach Schulformen zeigt die Breite der Ausbildung:
– 80 Absolventinnen und Absolventen für das Lehramt an Grundschulen
– 66 für das Lehramt an Gymnasien
– 42 für das Lehramt an Förderschulen
– 21 für das Lehramt an Sekundarschulen
Im Anschluss treten sie nun in den 16-monatigen Vorbereitungsdienst ein, in dem sie ihre praktische Ausbildung an Schulen fortsetzen und ihre pädagogischen Fähigkeiten im Unterricht vertiefen. Dieser schließt mit dem zweiten Staatsexamen ab und berechtigt zur dauerhaften Übernahme in den Schuldienst.
Die Lehrkräftebildung ist an der MLU ein bedeutender Studienbereich. Derzeit studieren rund 4.100 Studierende auf Lehramt, allein zum Wintersemester 2025/26 immatrikulierten sich etwa 800 neue Studierende. Diese Zahlen verdeutlichen die zentrale Rolle der Universität in der Sicherung des Lehrernachwuchses für Sachsen-Anhalt.
Feierlicher Rahmen und persönliche Momente
Die Übergabe der Zeugnisse wurde von musikalischen Beiträgen umrahmt und von großem Applaus begleitet. Viele Familienangehörige und Freunde waren gekommen, um diesen besonderen Moment mitzuerleben. Zwischen offiziellen Reden und feierlicher Zeremonie blieb Raum für persönliche Begegnungen, Erinnerungsfotos und Gespräche über die kommenden Monate im Vorbereitungsdienst.
Für die Absolventinnen und Absolventen markiert der Tag das Ende eines intensiven Studienabschnitts – geprägt von Vorlesungen, Seminaren, Praktika und Prüfungen – und zugleich den Beginn einer neuen, praxisnahen Phase. Die Erwartungen sind hoch, doch ebenso groß ist die Motivation.
Verantwortung für die Zukunft
Die Feier im Löwengebäude machte deutlich: Die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern ist mehr als eine akademische Angelegenheit. Sie ist ein zentraler Baustein für die Zukunftsfähigkeit des Landes. In Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche, technologischer Innovationen und wachsender Anforderungen an Schulen kommt der pädagogischen Arbeit besondere Bedeutung zu.
Die 209 Absolventinnen und Absolventen treten nun an, diese Verantwortung zu übernehmen. Mit ihrem ersten Staatsexamen in der Hand und dem Vorbereitungsdienst vor Augen stehen sie am Beginn eines Berufs, der gleichermaßen fordert und erfüllt.
Oder, wie es Bildungsminister Riedel formulierte: „Sie übernehmen Verantwortung für junge Menschen – und damit für die Zukunft Sachsen-Anhalts.“










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