400.000 Euro für Sofortmaßnahmen an der Grundschule Südstadt

Der Zustand der Grundschule Südstadt in der Rigaer Straße in Halle (Saale) war in den vergangenen Wochen, nicht zuletzt ausgelöst durch einen Protestbrief der Lehrer, mediales Thema. Am Dienstag hat sich der Bildungsausschuss vor Ort umgeschaut. Inzwischen sind sogar erste Maßnahmen umgesetzt worden. Insgesamt 400.000 Euro für Sofortmaßnahmen werden investiert. Die Komplettsanierung steht im Jahr 2027 an.

„Ich bin erschrocken, was wir unseren Kindern zumuten“, sagte Klaus Hensel (FDP), der von einer Zeitreise sprach. Die Liberalen wollten die Sanierung vorziehen. Letztendlich stimmte aber der Ausschuss dagegen. Denn wenn die Grundschule Südstadt vorgezogen wird, müssen im Gegenzug zwei andere Schulsanierungen nach hinten geschoben werden. Davon wäre die Grundschule Otfried Preußler in der Wolfgang-Borchert-Straße betroffen, an der der Zustand noch schlechter als in der Südstadt ist.

Hendrik Lange (Linke) sprach von einer Zumutung, die über Jahre angewachsen sei. Er machte auch Vorwürfe an das Land bezüglich der Förderrichtlinie, „da ist viel den Bach runtergegangen“, so Lange. Erste umgesetzte Maßnahmen wie neue Toiletten goutierte Detlef Wend (MitBürger). Er regte auch die Aufstellung von Toren für eine Bolzplatz-Nutzung an und bot eine finanzielle Beteiligung an. Silke Burkert (SPD) bat die Stadt zudem, sich beim Land für eine schnelle Wiederbesetzung der Schulleitung einzusetzen. Mahnende Worte fand Jan Riedel, Schulleiter des Feininger-Gymnasiums. Aus der Praxis kennt der den Zustand viele Schulgebäude. „Was ich hier gesehen habe, hat mich nicht geschockt“, so Riedel. Gerade auf dem Land gebe es viele marode Schulen. Riedel warnte auch vor einem „Windhundrennen“ mit Unterstützung für die Schulen, die am lautesten schreien.

Die Bildungsausschuss-Vorsitzende Claudia Schmidt (CDU) hat sich mit einigen Schülern unterhalten. Der Zustand der Toiletten wurde zwar angesprochen. Doch den Kids geht es auch um die Atmosphäre. Gemalerte Wände, ein bunter Schulhof mit aufgemalten Spielen… das sind Maßnahmen, die ohne großen finanziellen Aufwand realisierbar sind.

Besonders schlimm war auch der Zustand in der Turnhalle. Wegen Legionellen wurden die Duschen gesperrt. Inzwischen sind die Rohre ausgetauscht. Nun müssen auch Geräte und Sprossenwände ausgetauscht werden. Prüfsiegel zeigen, seit wann diese gesperrt sind. Diese stammen teilweise aus den Jahren 2017. Eigentlich wäre für eine Komplettsanierung der Turnhalle eine Summe von fast 1,9 Millionen Euro nötig. Und da gibt es schon das nächste Problem. Zwar hat das Landesverwaltungsamt durch Aufnahme von Krediten für die Schulsanierungen erlaubt, aber nicht für Turnhallen.

Sofortmaßnahmen (teilweise schon realisiert):

  • Toilettenspülung und Kamerabefahrung
  • automatische Spülung in Toiletten
  • Bodenlegearbeiten / Ausbesserungen
  • Übergangsprofile Schwellen in Flurbereichen 
  • Putzarbeiten Risse in Fensterbereichen 
  • Defekte Fenster / Bruchsicherheit herstellen 
  • Zweiter Handlauf Treppenhäuser
  • Parkettschaden Gestaltenraum ausbessern
  • Innenverschattung / Ost- und Südseite
  • Neuausstattung Tische/Stühle 
  • Schränke und Tafeln 
  • EDV (Drucker etc.)
  • Ausstattung Verwaltung incl. Lehrerzimmer
  • schnelles Internet: Bypasslösung 4 Klassenzimmer incl. Schwachstrom
  • neue Warmwasserboiler inclusive Verrohrung Turnhalle 
  • Sanitärbereich Armaturen, WC-Keramik, Waschbecken Turnhalle 
  • Ausbesserung Parkett, Aufarbeitung Bodenfliesen Sanitär Turnhalle 
  • Fußabtreter Eingangspodest Turnhalle 
  • Notfalltelefon Turnhalle 
  • Mobile Ausstattung, Aufarbeitung aller Geräte Turnhalle 
  • Reparatur Sprossenwand Turnhalle
  • Malern innen Turnhalle 
  • Türen aufarbeiten Turnhalle
  • Außenbeleuchtung Turnhalle 
  • Fensterband Sanitär Turnhalle 
  • Sanierung Entwässerung Turnhalle
  • Prüfung Reparaturbedarf Dach Turnhalle
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4 Antworten

  1. Sanierer sagt:

    Also wird wieder ne Million verbrannt. Oder glaubt irgendjemand daran, dass sich die ausführenden Firmen an die Angebote halten? Nachtrag hier, Teuerung da. Die lachen sich jedesmal ins Fäustchen.
    Einige Maßnahmen sind übrigens als Sofortmaßnahme unnötig. Bei einer Komplettsanierung wird alles wieder rausgerissen und tausende Euro Steuergeld sind Müll und verbrauchte Ressourcen.
    Aber schön, dass die Entscheider in der Öffentlichkeit gut dastehen.

  2. Laufrad sagt:

    Wir haben Geld für alles mögliche, für unsere Zukunft (unseren Nachwuchs) sparen wir an allen Ecken und Kanten!
    Es ist beschämend!

  3. Stefan S sagt:

    Den Zustand einer Gesellschaft muss man immer daran messen, wie sie mit ihren schwächsten Mitgliedern umgeht. Ich denke Grundschulkinder könnte man schon als „schwache Mitglieder“ unserer Gesellschaft werten und egal, was jetzt versprochen wird (natürlich muss man das abstellen), kann es ja echt nicht sein, dass dieser Zustand überhaupt existiert.
    Wenn da verantwortliche Politiker erschüttert sind .. dann geh weg du Vogel, lass den Job jemanden machen, der es schon längst gewusst hätte und viel eher hätte helfen können. Die Augen zumachen und dann erschüttert gucken, wer soll darauf reinfallen?

  4. erererer sagt:

    Erschütternde Situation an dieser Schule. Wer ist dafür verantwortlich? Die Person(en) sollte(n) sich in Grund und Boden schämen!

  5. BESORGTER Hallenser sagt:

    Ob der Herr Lange noch weiß, das er aus einer Schule, auf der Silberhöhe,eine Arche Noah und Am Hohen Ufer eine noch bessere Schule mit abgerissen hat?

    • natüüürlich nicht sagt:

      Der leidet sicher bei solchen Angelegenheiten auch an Scholz’scher Demenz.