„Nordische Wichtelwelten“: Weihnachtsausstellung in der Neuen Residenz ist eröffnet
Die weihnachtliche Ausstellung im Hof der Neuen Residenz in Halle (Saale) ist mittlerweile ein fester Bestandteil der Weihnachtszeit in Halle (Saale). Am Freitag wurde die diesjährige Schau eröffnet, die unter dem Motto „Nordische Lichterwelten“ steht. Die liebevoll gestalteten Finnhütten, Miniaturhäuser und Werkstätten laden ein in eine poetische Welt zwischen Fantasie, Handwerk und sozialem Miteinander. Die Ausstellung bleibt bis zum 21. Dezember 2025, täglich von 10 bis 19 Uhr, zugänglich. Der Besuch ist kostenfrei.
Die diesjährige Schau zeigt eindrucksvoll, wie viel Kreativität entsteht, wenn Menschen die Möglichkeit erhalten, sich praktisch und gestalterisch auszuprobieren. Denn hinter den zahlreichen Kulissen der Wichtelwelt steckt ein engagiertes Team von Teilnehmenden an Arbeitsgelegenheiten beim Beruflichen Bildungswerk (BBW) – gefördert durch das Jobcenter Halle (Saale). Mit ihrer Arbeit haben sie auch in diesem Jahr ein visuelles Erlebnis geschaffen, das den Innenhof der Neuen Residenz vollkommen verändert. Jobcenter-Chef Jan Kaltofen fand bei der Eröffnung deutliche Worte: „Großer Respekt für Ihre Arbeit. Seien Sie stolz darauf, was Sie hier geschaffen haben.“

Eine Miniaturwelt, die lebt
Was Besucherinnen und Besucher auf den ersten Blick sehen, ist eine atmosphärische Weihnachtslandschaft: Wichtelhäuser, Finnhütten, eine kleine Backstube, der Schlitten des Weihnachtsmannes, dazu zahlreiche thematische Orte wie die Wichtelschmiede oder der Bienenwichtel. Auf den zweiten Blick offenbart sich jedoch, wie filigran gearbeitet wurde. Viele Details erschließen sich erst beim längeren Verweilen: kleine Werkzeuge, winzige Lebensmittel, nordische Fabelwesen oder handgeschnitzte Holztiere. Die Gestaltung folgt einem klaren Konzept, das gleichzeitig Raum für freie Interpretation lässt. BBW-Chef Steffen Kohlert beschreibt es als ein Thema, das „viel Raum für Interpretation und Kreativität“ lässt. Tatsächlich wirkt die diesjährige Ausstellung wie ein Spaziergang durch eine Mischung aus nordischer Sagenwelt, kindlicher Fantasie und traditioneller Handwerkskunst. Kohlert betont den nachhaltigen Charakter der Installation, viele Elemente stemmen aus früheren Ausstellungen und wurden gezielt umgearbeitet: „Die ganz kleinen Wichtelhäuser sind alles mal große Pavillons gewesen, die umgewandelt worden in diese Wichtelhäuser.“ Diese Weiterverwendung ermöglicht es, die große Fläche des Innenhofs trotz begrenzter Mittel zu gestalten – und verleiht der Ausstellung ihren besonderen Charme. Nichts wirkt neu und steril, vielmehr haben alle Einzelteile etwas Gewachsenes, Lebendiges.
Zwischen Teamarbeit und gesellschaftlicher Teilhabe
Ein zentrales Anliegen der Verantwortlichen ist es, das soziale Miteinander zu fördern. Für die Teilnehmenden des BBW ist der Aufbau der Ausstellung weit mehr als nur ein Kreativprojekt. Er ist eine Möglichkeit, im Team zu arbeiten, neue Fähigkeiten zu erlernen und Kompetenzen praktisch einzusetzen. Kohlert fasst diesen Gedanken präzise zusammen: „Einer allein kann das nicht. Das kriegen Sie nur hin, wenn alle mitziehen.“ Für viele Beteiligte bedeutet die Schau gesellschaftliche Sichtbarkeit. Kaltofen erläutert, dass die Ausstellung den Ansatz habe, „dass Menschen, die eben nicht in vorderster Front stehen, nicht in vorderster Front des sozialen Lebens gesehen werden, wirklich mit ihrer Handarbeit tolle Ergebnisse schaffen können.“ Dies sei wichtig, gerade weil die öffentliche Diskussion rund um das Bürgergeld häufig das Bild der Betroffenen verzerrt. Hier jedoch werde sichtbar, „dass Menschen, denen die Chance gegeben wird, solche Ergebnisse zu schaffen, signalisieren ‘wir können etwas, wir wollen arbeiten, wir können arbeiten.’“ Sein Appell an mögliche Arbeitgeber: dieses Potenzial zu erkennen und zu nutzen. Die Ausstellung ist somit nicht nur eine weihnachtliche Inszenierung, sondern zugleich ein Ort, an dem gesellschaftliche Teilhabe sichtbar wird – und zwar nicht abstrakt, sondern konkret, in Form von gestalteten Objekten, gebaut mit viel Sorgfalt und Kreativität. Kohlert bringt diesen Anspruch auf den Punkt: Die Schau sei für die Teilnehmenden „gesellschaftliche Teilhabe“.
Der Zauber der Dämmerung – Eine Ausstellung für alle Sinne
Wer die „Nordischen Wichtelwelten“ am Abend besucht, erlebt einen besonderen Zauber. Sobald die Lichter angehen, verwandelt sich der Innenhof in eine sanft schimmernde Winterwelt. Lichtinstallationen tauchen die Wichtelhäuser und Finnhütten in ein warmes, fast märchenhaftes Leuchten. Holzfiguren werfen lange Schatten, und die Geräusche der Stadt verlieren sich hinter den hohen Mauern der Neuen Residenz. Kohlert beschreibt diese Atmosphäre mit einem einzigen Wort: „muschepupu“. Ein Ausdruck, der schwer zu übersetzen ist, aber ein Gefühl transportiert: eine Mischung aus Geborgenheit, Verwunderung und einer Spur Sentimentalität. „Dann leuchtet der gesamte Platz und Sie werden eine Träne im Auge haben“, sagt er.

Ein Ort für Familien – und für stille Besucher
Die Ausstellung zieht traditionell Familien mit Kindern an, doch sie bietet ebenso ruhige Momente für Erwachsene, die abseits des Weihnachtsrummels einen Ort der Entschleunigung suchen. Die zehn Finnhütten, die über das Gelände verteilt sind, bieten Schutz vor Wind und Regen – und sind gleichzeitig liebevolle Blickfänger. Innen befinden sich Sitzgelegenheiten, außen schmücken Hirsch- und Elchköpfe aus Holz die Fassaden. Man kann sich auf eine Bank setzen, den leichten Geruch von Holz einatmen und dem gedämpften Treiben der Besucher lauschen. Genau diese Mischung aus Belebtheit und Stille macht den besonderen Reiz der Ausstellung aus.
Die Ausstellung ist wie ein Dorf aufgebaut, in dem jede Station ihre eigene kleine Geschichte erzählt: Da gibt es die Wichtelkrippe, der augenzwinkernde Hinweis von Kohlert: „Denn auch Wichtel vermehren sich.“ Die Wichtelschmiede erinnert an traditionelle nordische Handwerkskunst erinnert. Der Bastelwichtel steht für Kreativität und kleine Überraschungen. Auch einen Bienenwichtel, eine Backstube für Weihnachtsplätzchen und einen Weihnachtsmannschlitten gibt es. Zwischen all diesen Stationen schlängeln sich dekorative Installationen und zahlreiche kleine Details, die sich erst im zweiten Blick erschließen. Besucherinnen und Besucher wandern wie durch ein begehbares Adventskalenderbild.
Ein verwunschener Ort – und ein Aushängeschild über die Stadtgrenzen hinaus
Kohlert ist überzeugt, dass die Ausstellung auch über Halle und Sachsen-Anhalt hinausstrahlt: „Es ist ein verwunschener Ort.“ Tatsächlich hat die Neue Residenz mit ihrer geschichtsträchtigen Architektur und dem großzügigen Innenhof eine perfekte Kulisse für die jährlich wechselnden Themenwelten. Während die Ausstellung früher nur in einigen Innenräumen stattfand, füllt sie inzwischen den gesamten Hofbereich – eine Verdreifachung der Fläche. Damit haben die „Nordischen Wichtelwelten“ heute die Größe und Professionalität einer vollwertigen Freiluftinstallation. Kaltofen betont, dass dank der Trägerversammlung die Finanzierung auch in diesem Jahr gesichert sei – und es soll weitergehen: „Es ist unser fester Wille, die Ausstellung im vollen Umfang auch im nächsten Jahr stattfinden zu lassen.“
Ein sozialer Ort – und ein Stück Hallenser Identität
Neben all der handwerklichen und künstlerischen Leistung ist eine Dimension besonders wichtig: die soziale. „Das soziale Miteinander liegt unserem Träger besonders am Herzen. Es ist ein Ort der Begegnung“, sagt Kohlert. Für viele Besucherinnen und Besucher ist die Ausstellung zu einem festen Bestandteil der Adventszeit geworden – einem Ritual, das die Stadt im Winter belebt und Menschen zusammenführt. Tatsächlich ist die Neue Residenz während der Ausstellungszeit ein Mikrokosmos: Familien, Senioren, Schulklassen, Touristengruppen, aber auch Neugierige, die einfach einen Nachmittagsspaziergang machen, finden hier zusammen. Das Wichteldorf ist ein Raum, den alle gleichermaßen nutzen – und genau diese Offenheit macht es zu einem „Anziehpunkt für Alle“.











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