„Freispruch für Jungpflanzen“: Hanfverband protestiert vor dem Landgericht – Stecklings-Prozess vertagt, weil der Anwalt im Schnee feststeckte
Unter dem Motto „Freispruch für Jungpflanzen!“ haben am Montagmittag rund 20 Menschen am Hansering vor dem Landgericht Halle protestiert. Trotz Schneetreibens folgten sie dem Aufruf des Deutschen Hanfverbands (DHV), um auf ein aus ihrer Sicht widersprüchliches Strafverfahren aufmerksam zu machen.
Eigentlich sollte an diesem Tag der Prozess gegen Angelika Saidi, Sprecherin des Deutschen Hanfverbands Halle-Saalekreis, stattfinden. Gegenstand des Verfahrens ist das Verschenken von Hanf-Stecklingen, also Vermehrungsmaterial, das im Rahmen einer politischen Aufklärungs- und Gedenkveranstaltung weitergegeben worden war. Doch zur Verhandlung kam es nicht: Wegen der winterlichen Witterung steckte der Anwalt der Angeklagten mit seinem Zug im Schnee fest. Das Gericht vertagte den Prozess auf März.
Der Fall sorgt für erhebliche Diskussionen. Das Konsumcannabisgesetz (KCanG) definiert in § 1, Punkt 7, Samen und Stecklinge ausdrücklich als Vermehrungsmaterial und nimmt sie vom weiterhin bestehenden Verbotssystem aus. Der Gesetzgeber habe hier bewusst differenziert, um den Umgang mit Vermehrungsmaterial zu entkriminalisieren, argumentiert der Deutsche Hanfverband.
Angelika Saidi sieht darin einen grundlegenden Widerspruch: „Eine Entkriminalisierung, die das Recht auf Anbau von Cannabis überhaupt erst möglich macht. Dennoch wird in Halle versucht, dieses Recht zu unterbinden, indem ein strafrechtlicher Vorwurf konstruiert wird“, erklärte sie am Rande der Kundgebung.
Die umstrittene Verschenk-Aktion stand im Zusammenhang mit dem Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende und folgte dem politischen Leitgedanken „Konsumsicherheit für Alle(s)!“. Ziel sei es gewesen, über den legalen Eigenanbau zu informieren, den Schwarzmarkt einzudämmen und die neue Rechtslage praktisch umzusetzen. Eine Werbung für den Konsum von Cannabis habe ausdrücklich nicht im Fokus der Veranstaltung gestanden, betont der DHV.








Neueste Kommentare