Ab Herbst soll gebaut werden: für 23 Millionen Euro werden die Grundschule Am Kirchteich und Salzmann-Förderschule im Südpark saniert und erweitert
Der alte Schulkomplex im Südpark in Halle-Neustadt bekommt nun seine lang ersehnte Aufwertung. Im Jahr 1984 wurde der Komplex als 2×2-zügige Polytechnische Oberschule vom typischen Gebäudetyp „Erfurt“ errichtet. Heute ist die Substanz der Plattenbauschule sichtlich in die Jahre gekommen. Im kommenden Monat soll der Stadtrat den finalen Baubeschluss fassen, damit bereits ab Herbst die Bagger anrollen können. Insgesamt 23 Millionen Euro fließen in die umfassende Sanierung und Erweiterung des Ensembles, das künftig weit mehr sein wird als nur ein Ort zum Lernen.
Ein Sieg für die Pädagogik: Mehr als nur eine Sanierung
Dass die Investitionssumme schlussendlich bei 23 Millionen Euro liegt, ist das Ergebnis einer intensiven politischen Debatte im vergangenen Jahr. Der ursprüngliche Vorschlag der Stadtverwaltung sah lediglich eine energetische Bestandssanierung für rund 19,3 Millionen Euro vor. Doch die Stadträte forderten eine umfangreichere und vor allem pädagogisch wertvollere Variante. Das nun vorliegende Konzept bricht die starre DDR-Architektur auf und schafft Raum für moderne Lehrformen. Durch die geplante Erweiterung der Hochtrakte entstehen großzügige Lernlandschaften und Flurerweiterungen, die den Schülern und Lehrkräften völlig neue Arbeitsmöglichkeiten eröffnen. Diese zusätzlichen Flächen ermöglichen es, differenzierte Lernangebote direkt in den Schulalltag zu integrieren, was besonders für die individuelle Förderung in der Grundschule und der Förderschule von entscheidender Bedeutung ist.
Innovative Raumkonzepte und barrierefreie Erschließung
Ein zentraler Aspekt der Neugestaltung ist die funktionale Neuordnung der Räume. Durch das neue Erschließungssystem über vorgelagerte Gänge in Richtung des Innenhofs müssen Zimmer künftig nicht mehr als Durchgangsräume genutzt werden. Dies erfüllt nicht nur moderne Brandschutzanforderungen, sondern wirkt vor allem der Lärmstörung während des Unterrichts entgegen. Zudem wird das Gebäude erstmals umfassend barrierefrei gestaltet. Ein neuer, außenliegender Aufzug wird im Bereich des Verbinders installiert, sodass fast alle Etagen sowie das Untergeschoss mit dem gemeinsamen Speisesaal problemlos erreichbar sind. Einzig das oberste Geschoss der Förderschule bleibt bauartbedingt ohne Liftanschluss, was jedoch in enger Abstimmung mit der Schulleitung organisatorisch durch eine geschickte Raumbelegung kompensiert werden kann.
Nachhaltigkeit und technischer Standard 2025
Bei der Sanierung setzt die Stadt Halle konsequent auf den Erhalt „grauer Energie“. Statt eines Abrisses wird die vorhandene Bausubstanz bewahrt und energetisch auf den neuesten Stand des Gebäudeenergiegesetzes gebracht. Die Fassade erhält ein hochmodernes Wärmedämmverbundsystem, während die bereits 2006 eingebauten Aluminiumfenster aufgrund ihrer langen Lebensdauer ökologisch sinnvoll überarbeitet und erhalten bleiben. Auch die Dächer spielen eine zentrale Rolle im ökologischen Konzept: Während die Hauptdächer weiterhin eine Photovoltaikanlage tragen, werden die Dächer der neuen Anbauten als Gründächer ausgeführt. Diese verbessern das Mikroklima und dienen dem sommerlichen Wärmeschutz. Im Inneren wird die gesamte Haustechnik nach den neuesten TGA-Standards von 2025 erneuert, inklusive einer effizienten LED-Beleuchtung mit Präsenzmeldern und einer hochmodernen IT-Infrastruktur für den digitalen Unterricht.

Ein Campus für zwei Schulen: Identität durch Farbe
Da sich die Grundschule „Am Kirchteich“ und die „Christian Gotthilf Salzmann“ Förderschule das Gebäude teilen, wurde besonderer Wert auf eine klare Trennung und gleichzeitige Orientierung gelegt. Die Trennung der beiden Schulen erfolgt im Erdgeschoss mittig und versetzt sich in den oberen Etagen leicht, um den unterschiedlichen Flächenbedarfen gerecht zu werden. Ein ausgeklügeltes Farbkonzept, bei dem die Schulen aktiv mitwirken können, wird jeder Etage und jedem Gebäudeteil eine eigene Identität verleihen. So finden sich künftig die jüngsten Schüler der ersten Klassen im Erdgeschoss mit direktem Zugang zum Schulhof wieder, während Fachunterrichtsräume und Verwaltungsbereiche in den beruhigten Zonen des Mitteltraktes und der Obergeschosse angesiedelt sind. Auch die Nutzung als Familienschulzentrum im Rahmen des Startchancen-Programms findet im neuen Raumprogramm volle Berücksichtigung.
Der Schulhof als Erlebnisraum und Interimslösung
Auch vor dem Gebäude wird kein Stein auf dem anderen bleiben. Die stark verschlissenen Außenanlagen werden komplett neugestaltet und in zwei Hofbereiche für die unterschiedlichen Altersstufen unterteilt. Von einem neuen Kleinspielfeld mit Ballfangzäunen über einen Seilgarten bis hin zu „Grünen Klassenzimmern“ mit Sonnensegeln entsteht ein vielfältiger Bewegungs- und Erholungsraum. Damit der Schulbetrieb während der zweijährigen Bauphase reibungslos weiterlaufen kann, wurde eine von den Stadträten geforderte Interimslösung direkt vor Ort beschlossen. Die Schüler werden während der Bauzeit in einem Containerbau unterrichtet, der ganz in der Nähe aufgestellt wird. Dies erspart den Kindern lange Anfahrtswege zu anderen Ausweichquartieren und hält die Schulgemeinschaft im gewohnten Quartier zusammen. Den Bau gibt es schon, er steht derzeit in der Mötzlicher Straße und diente dort ebenfalls als Ausweichquartier für Schulsanierungen.










Mal sehen, wie viel der Stadtrat von diesem sinnvollen Konzept noch übrig lässt. Projekte kaputt reden kann man ja dort immer wieder.