Abschied von einem Wahrzeichen: Halles Kult-Rentier „Finni“ zieht nach Dessau

Eine Ära geht zu Ende: Die Rentiere vom Goldberg verlassen die Saalestadt. Damit verliert Halle nicht nur eine tierische Attraktion, sondern auch das lebende Original des beliebten Weihnachtsmarkt-Maskottchens „Finni“.

Ein Geschenk aus dem hohen Norden
​Die Geschichte begann im Jahr 2008 als rührende Geste der Städtefreundschaft. Satte 2.400 Kilometer legten die Rentiere zurück, um als Geschenk der finnischen Partnerstadt Oulu in Halle heimisch zu werden. Finni und Rudi wurden schnell zu den heimlichen Stars der Stadt. Obwohl Rudi vor einigen Jahren eingeschläfert werden musste, blieb ihr Vermächtnis präsent: Als Comic-Figuren zieren sie alljährlich die Glühweintassen des Weihnachtsmarktes und wurden sogar Helden einer eigenen Hörspielreihe. Während das Comic-Duo bleibt, verabschiedet sich nun mit Finni das letzte Original-Rentier aus der Händelstadt, samt seiner Familie.

Die Gründe: Tierwohl und Finanzen
​Die Entscheidung der Stadtverwaltung basiert auf einer nüchternen Analyse der aktuellen Lage. Die Bedingungen auf dem Goldberg werden den anspruchsvollen Geweihträgern nicht mehr gerecht.
Herdenstruktur: Die aktuelle Gruppe lebt ohne Bock. Angesichts des Alters der Tiere droht eine weitere Dezimierung der Herde.
​Medizinische Versorgung: Fachspezifische Hilfe ist derzeit nur über die Tierklinik Leipzig gesichert – ein logistischer Kraftakt bei Notfällen.
​Kostenfaktor: Die Haltung der nordischen Tiere stellt für den Goldberg-Zoo eine erhebliche finanzielle Belastung dar.

Neuanfang im Tierpark Dessau
​Für die fünf verbliebenen Rentiere bedeutet der Umzug eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität. Der Tierpark Dessau steht bereits in den Startlöchern. „Die dortigen Gehege und die bereits existierende Rentierherde bieten ausreichend Platz für artgerechte Bewegung in einer naturnahen Umgebung“, heißt es von Seiten der Stadt.


​Zudem ist in Dessau eine intensivere tiermedizinische Betreuung direkt vor Ort gewährleistet. Die Integration in die bestehende Herde wurde bereits detailliert zwischen dem Fachpersonal beider Standorte abgestimmt.

Umzug im März unter strengen Auflagen
​Ein solcher Transport ist für die sensiblen Tiere kein leichtes Unterfangen. Um Stress und gesundheitliche Risiken zu minimieren, findet die Umsiedlung unter strengsten Tierschutzauflagen statt. Erfahrene Tierpfleger begleiten die Reise, für die zuvor umfangreiche Impfungen und Untersuchungen nötig sind.

Wichtig für den Zeitplan: Aufgrund biologischer und rechtlicher Auflagen können die Rentiere ausschließlich im Monat März transportiert werden. Dann heißt es für die Hallenser endgültig: „Hyvää matkaa“ – Gute Reise, Finni!

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15 Antworten

  1. Kinder August Bebels sagt:

    Erst die Elefanten, jetzt die Rentiere unser Zoodirektor verscherbelt alle Publikumsmagneten. Er weiss wie man einen Zoo ruiniert. Es gibt auch keinen Streichelzoo mehr-für Familien werden der Zoo und der Goldberg richtig uninteressant…

  2. ... sagt:

    „Die dortigen Gehege und die bereits existierende Rentierherde bieten ausreichend Platz für artgerechte Bewegung in einer naturnahen Umgebung“

    Das heißt also, seit 2008 lebten die Rentiere NICHT in artgerechter Umgebung. Hat aber 18 lange Jahre die Stadt und auch sonst niemanden interessiert.

    • Emmi sagt:

      Sie leben ohne Bock und sind zu alt. Verstehendes Lesen noch einmal üben bitte.

      • Kinder August Bebels sagt:

        Emmi auch hier, der Zoodirektor hat die kostengünstigste Variante gewählt.Er hätte auch eine neue Herde aufbauen können. Er hat sich im übrigen auch in der MZ am Samstag geäußert.

  3. Emmi sagt:

    Es ist schade, das sie vom Goldberg ausziehen, aber Tierwohl geht vor. Die Mitarbeiter vom paritätischen Wohlfahrtsverband haben sich gut gekümmert. Vielen Dank dafür.

  4. at Hallenser sagt:

    Es ist sooooo traurig was hier in unserer wunderschönen Stadt passiert .Gelder zum bewachen von Einrichtungen mit dehnen wir nichts zu tun haben sind reichlich da .Schämen sollen sich die, die dafür Verantwortung tragen.

  5. Bob sagt:

    Wenn man sparen muss, muss man eben schauen wo es am besten geht. Den Spargedanken ansich und die Haltung (fehlender Bock) kann ich nachvollziehen. Soweit so gut. Nun stellt sich mir die Frage was passiert wenn man beispielsweise auf die Kosten für das sichern und reinigen von Denkmälern etc verzichten muss/will?
    Steht Händel dann in MD?
    Aber zurück zum Thema. Steht auf den Glühwein-Tassen dann ein Werbeslogen für ein Zoobesuch in Dessau? Was sagt Oulu dazu, dass ein Partnerstadt – Geschenk „einfach“ weitergereicht wird weil man sich es nicht mehr leisten kann bzw eher möchte?
    Aber so geht man eben in Halle mit der Geschichte dieser Stadt um. Früher füllten Stadtgeschichten dicke Bücher. In Zukunft werden sie wahrscheinlich eher in kurzen leicht verständlichen „einfacher Sprache (ARD/Bild)“ – Absätzen niedergeschrieben. Länger dauern die nennenswerten Geschichten ja hier nicht. (Mal von den Jahrhunder-Baustellen abgesehen 😉)
    Und NEIN, das ist keine Kritik am Goldberg ☝️☝️

  6. X sagt:

    Extrem schlechtes Stadtmarketing. Als Hallemser höre ich davon heute zum ersten mal.

  7. Klara sagt:

    Ich dachte immer, es heißt Rentierbulle/ – kuh und – Kalb ….

  8. Hallenser55 sagt:

    Tja unsere tolle Stadtverwaltung samt der tollen Uni haben es ja fertig gebracht 2003 die 138 !!! Jahre alte Tierklinik zu schließen !!!
    Ebenso wie die älteste deutsche Urologische Klinik am Weidenplan….
    Solche „Schätze“ lässt man in Halle einfach so verschwinden.

    • wer sonst sagt:

      die Antwort auf diesen allseits bekannten und totgeschwiegenen lokalen Zustand findet man verklausiliert und recht kreativ wie ich finde in Eingang des Finanzamtes zu sehen.

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