AWO Sachsen-Anhalt kritisiert Teilzeit-Debatte: Sozialstaat kürzen heißt Wirtschaft schwächen – wer an Sozialem und Gesundheit spart, zahlt mit Fachkräften und Vertrauen
„Die aktuelle Debatte über überbordende Kosten des Sozialstaats, angeblich ,zu viele Krankmeldungen‘ und ,zu viel Teilzeit‘ führt in eine falsche Richtung. Sie schiebt den Arbeitnehmer*innen und armutsbetroffenen Menschen einseitig die Schuld zu für die aktuell schwache Wirtschaftsleistung, heizt unnötig Diskussionen an, löst aber kaum Probleme. Angesichts einer steigenden Arbeitslosenquote können angebliche ,Fehlzeiten‘ durch Teilzeitarbeit kein durchgehendes Problem in der Wirtschaft sein. Hier sollen wieder einmal die schwachen Schultern einen hohen Beitrag zur Lösung der Probleme der Wirtschaft zahlen“, kritisiert Barbara Höckmann, Vorsitzende des Präsidiums des AWO Landesverbandes Sachsen-Anhalt e.V.
Ein starker Sozialstaat ist kein Gegenspieler der Wirtschaft, sondern ihre Grundlage. Er ist nicht das Problem, sondern die Lösung. Er stabilisiert Beschäftigung und Konsum, weil Menschen bei Krankheit, Arbeitsausfall oder familiären Belastungen nicht ins Bodenlose fallen. Er steigert Produktivität, weil Prävention, Gesundheitsversorgung und gute Arbeitsbedingungen Ausfälle reduzieren und Leistungsfähigkeit erhalten. Und er sichert Fachkräfte, weil verlässliche Kinderbetreuung und Unterstützung in der Pflege darüber entscheiden, ob Menschen ihre Arbeitszeit ausweiten können oder den Arbeitsmarkt verlassen.
Wer Fachkräftemangel und hohe Krankenstände wirklich ernst nimmt, muss an den wirksamen Stellschrauben drehen: qualitativ gute und leistbare Kinderbetreuung, starke Bildungs- und Unterstützungsangebote für junge Menschen, eine Pflegeinfrastruktur, die Angehörige entlastet, flächendeckende Reha- und Therapieangebote sowie Arbeitsbedingungen, die Menschen gesund halten. Jede verlässliche Betreuung, jede abgesicherte Pflegevertretung und jede vermiedene Erkrankung wirkt direkt ökonomisch: mehr planbare Arbeitszeit, weniger Ausfalltage, weniger Fluktuation und weniger Frühverrentung – also geringere Kosten für Betriebe und Sozialversicherungen. Das ist keine Sozialromantik, sondern Standortpolitik.
Es braucht deshalb eine Politik, die soziale Gleichheit stärkt und hohe Einkommen sowie große Vermögen wieder stärker für das Gemeinwohl heranzieht.
Was jetzt zu tun ist:
* Hohe Einkommen über die Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenzen angemessen beteiligen, so lange bis echte Reformen die Finanzen der Sozialversicherungssysteme stabilisieren
* Sozialleistungen so anpassen, dass sie Armut wirksam verhindern, insbesondere durch die Anpassung der Regelsätze und eine echte Kindergrundsicherung
* Sozialstaat und Gesundheitswesen stabilisieren und Lebensrisiken armutsfest absichern
* Familienunterstützung ausbauen: Kita-Qualität verbessern, Kinder und Jugendliche entlang des Bildungsweges stärken, Bildungseinrichtungen von früher Bildung an multiprofessionell aufstellen, Familienhilfen in Krisensituationen stärken und Teilhabe junger Menschen sichern
* Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts durch Anerkennung und Stärkung zivilgesellschaftlicher Organisation
„Bei uns in Sachsen-Anhalt sind die Menschen besonders von Armut betroffen. Wir sehen mit großer Sorge, dass die aktuellen Debatten die Lebensrealitäten der Menschen vor Ort verkennen. Starke Schultern müssen für die Stabilisierung der sozialen Sicherung einen Beitrag leisten. Ein schwacher Sozialstaat wird zu einer schwachen Wirtschaftsleistung führen“, so Barbara Höckmann.









Der von der SPD wirtschaftlich wie politisch kontrollierte Träger AWO meldet sich zu Wort. Schon klar 😆
Warum fangen Abgeordnete im Bundestag nicht an bei sich selbst zu sparen? Für alle Einzahlungen in Kranken- und Rentenkassen. Verzicht auf Privilegien wie Gelder für Fotografen und Frisör und Verzicht auf Diätenerhöhung.