Blackout-Gefahr nach Berlin-Anschlag: So rüstet sich Halle mit Leuchttürmen und Notfallplänen für den Ernstfall

Tagelang hielt ein massiver Stromausfall den Berliner Südwesten in Atem. Nachdem Unbekannte eine Kabelbrücke in Brand gesetzt hatten, saßen Zehntausende ohne Licht, Heizung und Internet fest. Die Folgen waren verheerend: Ampeln fielen aus, Supermärkte mussten schließen, und in den Wohnungen wurde es stündlich kälter. Erst nach Tagen konnte die Versorgung mühsam wiederhergestellt werden. Der Vorfall wirft auch in der Händelstadt Fragen auf: Wie gut ist Halle auf ein solches Szenario vorbereitet? Die Stadtverwaltung gibt nun Antworten auf die brennendsten Fragen zur Krisenvorsorge. Denn das Ereignis hat eine Debatte befeuert, die lange Zeit als „Prepper-Paranoia“ abgetan wurde. Doch die Abhängigkeit der modernen Gesellschaft vom Strom ist heute so absolut, dass ein Ausfall binnen Stunden die öffentliche Ordnung gefährden kann. In Halle (Saale) beobachtet man diese Entwicklungen genau. Die Stadtverwaltung und die Stadtwerke Halle GmbH haben das Berliner Szenario zum Anlass genommen, ihre eigenen Schutzkonzepte auf den Prüfstand zu stellen.

Die Strategie der Stadt Halle – Schutz des öffentlichen Sektors

Die Stadtverwaltung Halle lässt keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Lage: „Aufgrund des technischen Fortschritts ist eine zuverlässige Stromversorgung aus vielen Lebensbereichen kaum noch wegzudenken“, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme. Das gilt für den digitalen Bezahlvorgang beim Bäcker ebenso wie für die lebenserhaltenden Systeme im Krankenhaus.

Die bittere Wahrheit vorab: Eine Vorbereitung kann die Stromversorgung als solche nicht ersetzen. Wenn das Netz weg ist, bleibt es dunkel. Die Strategie der Stadt Halle konzentriert sich daher primär auf zwei Säulen:
– Aufrechterhaltung der kritischen Infrastruktur (KRITIS).
– Sicherstellung der Handlungsfähigkeit der Behörden.

Der Krisenstab: Das Gehirn der Stadt

Im Falle eines Blackouts zählt jede Minute. Der städtische Krisenstab – offiziell der „Stab für außergewöhnliche Ereignisse“ (SAE) – ist laut Verwaltung innerhalb einer Stunde voll einsatzbereit. Während der regulären Dienstzeiten verkürzt sich diese Zeit sogar deutlich. Entscheidend dabei: Der Stabssitz ist technisch so ausgestattet, dass die Arbeitsfähigkeit der Unteren Katastrophenschutzbehörde auch ohne externes Stromnetz fortgeführt werden kann.

Das Drei-Tage-Versprechen beim Trinkwasser

Die größte Sorge vieler Bürger gilt dem Wasser. Ohne Strom funktionieren keine Pumpen. In Halle gibt man hier vorsichtige Entwarnung: Die Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft hat Vorbereitungen getroffen, um die Trinkwasserverteilung bis zu drei Tage lang abzusichern.
– Fernwasser aus dem Harz: Die Belieferung durch den Vorversorger „Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz“ ist durch Notstromkonzepte technisch realisiert.
– Reserven vor Ort: Sollte die Zuleitung dennoch versagen, halten Speicher und Hochbehälter im Stadtgebiet Reserven für weitere 12 bis 24 Stunden bereit.
– Keine Notbrunnen: Interessanterweise verfügt Halle über keine funktionsfähigen autarken Trinkwassernotbrunnen – man verlässt sich voll auf das leitungsgebundene System und dessen Notstromkapazitäten.

Abwasser: Keine hygienischen Katastrophen

Ein oft unterschätztes Problem ist der Rückstau in der Kanalisation. Hier hat die Stadt vorgesorgt: Einzelne Abwasserpumpwerke werden mittels mobiler Notstromaggregate weiterbetrieben. Kanalabschnitte können zudem mit Saugwagen abgepumpt werden, um Überflutungen und Seuchengefahren zu verhindern. Die nötige Technik wird dauerhaft vorgehalten.

Die Kraftstoff-Frage: Die Stadt tankt autark

In Berlin wurde deutlich, dass Tankstellen ohne Strom nutzlos sind – die Zapfsäulen streiken. Halle geht hier einen eigenen Weg. Statt auf Kooperationen mit privaten Tankstellenketten zu setzen (Gespräche hierzu wurden in der Vergangenheit zwar angedacht), hat man die eigene Versorgung priorisiert. Durch eine Vereinbarung im Notfallverbund bezieht die Stadt Kraftstoff direkt aus der Raffinerie. Feuerwehr, Rettungsdienst und die Notstromaggregate der Stadt verfügen über ausreichende Reserven.

Wichtiger Hinweis für Pflegedienste: Hier zieht die Stadt eine klare Grenze. Während die Kraftstoffversorgung für Rettungskräfte gesichert ist, müssen sich private Pflegedienste im Rahmen ihrer eigenen Vorsorge selbständig bevorraten.

Medizinische Versorgung und Pflege – Ein Balanceakt

Die Situation in den Krankenhäusern ist gesetzlich streng geregelt: Kliniken müssen für mindestens 72 Stunden vollumfänglich notstromversorgt sein. Die Abstimmung zwischen der Stadt und den lokalen Kliniken bezüglich der Treibstofflogistik für diese Aggregate wird als „sehr eng“ beschrieben.

Schwieriger gestaltet sich die Lage in den Pflegeheimen. Der Fachbereich Gesundheit hat die Konzepte der Einrichtungen zwar gesichtet, doch die Realität ist differenziert: Nur einzelne Pflegeeinrichtungen können ausgewählte Bereiche (z.B. für Medikamentenkühlung oder Beatmungsgeräte) mit Notstrom versorgen. Eine flächendeckende Vollversorgung aller Heime ist technisch und logistisch derzeit nicht gegeben.

Das „Leuchtturmprojekt“ – Kommunikation ohne Netz

Was tun, wenn das Smartphone kein Signal mehr hat und das Festnetz tot ist? In Halle setzt man auf das Projekt „Leuchttürme“.

Die Standorte der Ortswehren der Freiwilligen Feuerwehr werden im Krisenfall zu festen Anlaufpunkten für die Bevölkerung. Hier können:
– Notrufe abgesetzt werden.
– Informationen zur Lage eingeholt werden.
– Erste Hilfe geleistet werden.

Solange die App KATWARN oder das Radio noch funktionieren, werden Informationen darüber gestreut. Fällt alles aus, bleibt nur der physische Weg zum nächsten Feuerwehrhaus.

Zusätzlich plant die Stadt für den Winterfall sogenannte „Wärmeinseln“. Dies sind öffentliche Gebäude, die im Falle eines Heizungsausfalls (durch Fernwärme- oder Gasstopp) beheizt werden, um Menschen vor dem Erfrieren zu schützen.

Die Lücke in der Versorgung – Lebensmittel

Während Wasser und Strom priorisiert werden, ist die Versorgung mit Lebensmitteln noch eine Baustelle. Aktuell erarbeitet die Stadt zusammen mit dem Land Sachsen-Anhalt ein Konzept auf Basis des Ernährungssicherungs- und Vorsorgegesetzes (ESVG). Dieses soll regeln, wie Supermärkte oder Logistikzentren in den Notfallplan integriert werden können. Ein fertiges System zur Verteilung von Nahrungsmitteln während eines Blackouts existiert jedoch noch nicht.

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36 Antworten

  1. 10010110 sagt:

    Wichtig ist, dass die Sirenen uns vor der Gefahr warnen können. 😛

  2. Peter sagt:

    „Die Folgen waren verheerend: Ampeln fielen aus, Supermärkte mussten schließen, und in den Wohnungen wurde es stündlich kälter. “

    Interessante Priorisierung …

  3. MS sagt:

    Wichtig ist, dass wir alles öffentlich bekannt geben. Damit brauchen dann Terroristen und ausländische Geheimdienste nicht lange suchen und ausforschen, sondern können einfach im Internet nachlesen, was sie attackieren sollten ….
    Viel wichtiger: Stadt und Stadtwerke sollten überprüfen, ob es auch in Halle solche Flaschenhälse wie die Kabelbrücke in Berlin gibt, wo Schaden an einer einzigen Stelle zu so massiven Problemen führt, oder ob genug Redundazen vorhanden sind, solche Stellen zu umgehen. Hat man mehr als eine Leitung zur Wasserversorgung, oder einen Notfallanschluss an eine andere versorgungsgruppe? Wie schnell können Schäden der Stromversorgung aus den nördlichen Strakstromleitungen durch Umschaltung auf andere ausgeglichen werden, oder gibt es da Probleme? Ich will gar nicht im Detail wissen, was da geplant ist, aber solche Fragen sind viel wichtiger zu klären, als individuelle Kraftstoffversorgung.

    • micha sagt:

      Man muss das nicht mal öffentlich diskutieren. Die AfD stellt im Bundestag und verschiedenen Landesparlamenten seit Monaten kleine Anfragen zur kritischen Infrastruktur. Das ist die Partei, die weiter „alle Kanäle offen hält“ nach Russland, China und den USA.

      • Deine Ideologie klingt so pathologisch, als wenn du denkst sie diene einen höheren Zweck !

        • Ach Deduschka sagt:

          Das sind schlicht Fakten und die bestreitest du nicht einmal.

          • Maximalbesteuerte sagt:

            In Berlin wurden andere Bezirke angefragt und nicht die, die von der linksextremistischen Vulkan-Terrortruppen angegriffen wurden. Weißt du aber selber.

          • Steuerlappen sagt:

            Natürlich wurden andere Bezirke angefragt. Damit ausländische Diktaturen auch diese lahmlegen können.

            Formulierungen im angeblichen Bekennerschreiben klingen übrigens nicht, als hätte das ein deutscher Muttersprachler verfasst.

      • Wahnfried sagt:

        Das macht sie und gibt Infos gern weiter. ZB nach den USA. Ich nenne das Vaterlandsverrat, andere die Partei mit offenen Kanälen.

      • Daniel M. sagt:

        Kritische Fragen schützen keine Infrastruktur. Der offene Kanal nach Russland schon gar nicht. Die Afd ist die Partei, die unsere Infrastruktur durch ihre hochverräterischen Einlassungen gefährdet.

        • Maximalbesteuerte sagt:

          Unbedingt. Kein Mensch braucht Satellitenaufklärung. Nur Anfragen der Opposition klären auf. Psssst, hoffentlich wissen das nicht alle Geheimdienste dieser Welt.
          Alter Schwede…

          • Steuerlappen sagt:

            Satellitenbilder zeigen nicht alles. Da ist es nützlich, wenn man ein paar Freunde hat, die gezielte Nachfragen stellen können.

      • Wario sagt:

        @micha, welche kritische Infrastruktur wurde von rechtsradikalen angegriffen ? Sind die Klimaterroristen der Vulkangruppe jetzt rechts ? Hatten sich nicht „Aktivisten „ von FfF an Gasversorgungsstellen gekettet? Die Angst vor der Lw. ist wirklich groß.

  4. BESORGTER Hallenser sagt:

    Endlich hat man sich Gedanken gemacht das man ohne Strom angreifbar ist in der Vergangenheit hat man es nicht glauben wollen!Sorge kaum aus der falschen Richtung.

    • micha sagt:

      Man ist auch mit Strom angreifbar. Und das in mehreren Wortsinnen.
      Und jetzt, da wir „unabhängiger“ vom russischen Gas für Gaskraftwerke sind, sind wir abhängiger vom Fracking-Gas aus den USA.
      Dabei könnten wir schon lange unabhängig von dem Zeug sein.

      • Maximalbesteuerte sagt:

        Unabhängig von Industrie, Altersvorsorge und Wohlstand. Toll bist du.

        • Steuerlappen sagt:

          Du möchtest gerne abhängig sein von chinesischer Industrie, amerikanischen Altersvorsorgefonds und russischem Wohlstand. Deshalb wählst du die Partei, die Deutschland an chinesische, russische und amerikanische Mächte verkauft.

  5. Detlef sagt:

    Ist doch schön wenn man einen Hamster mit Laufrad hat und entsprechend Stromgenerator dran und Steckdose

  6. Blubb sagt:

    In Halle reicht doch ein Jugendlicher, der Dinge über den Zaun vom Umspannwerk wirft!

  7. hilf dir lieber selbst in Halle sagt:

    Na immerhin, „man denkt darüber nach“ und „erarbeitet Konzepte“.
    Wer Halle kennt, der weiß, da passiert im Ernstfall gar nichts. Die bekommen ihre Infrastruktur ja nicht mal ohne Katastrophe ordentlich erhalten und gewartet.

  8. Experte für Schiffahrt sagt:

    Die KATWARN Techniker sind hoffentlich mit im Krisenstab! Wenigstens als Leuchturmwärter an der Saale!

  9. G.Neubert sagt:

    Hoffe im Fall aller Fälle das die alten Leute nicht wieder in kalten Turnhallen eingewiesen werden. Dann im Alter noch gesundheitlichen Problemen und was macht man wenn die Apotheke auch zu ist
    Es ist ein breites Feld um Alles zu berücksichtigen.

  10. Genial sagt:

    Leuchttürme für die Notbeleuchtung!

  11. SWH und EVH müssen Hausaufgaben machen sagt:

    Was ist mit der Redundanz Regel für das Stromnetz? Sieht so aus, als ob die Stadtwerke hier einfach mit den Schultern zucken mit der Aussage, wenns ausfällt – Pech gehabt – statt ihre Anlagen und Verkabelungen zu ertüchtigen und weitgehend redundant und „anschlagsfest“ zu machen.

    • Alt-Dölauer sagt:

      Leider ja. Die Friedensdividende ist vorbei. Putin hat sie unnötig zerschossen, und Trump verrät sie gerade. Xi lacht sich ins Fäustchen und wartet ab. Europa könnte unabhängig und stark sein, aber solange der ungarische Quertreiber mit wechselnden Freunden ( Polen, Slowenien etc) die Einheit verraten, geht nichts voran. Die Lehren aus Putin, Trump, Xi, Erdogan und wie die Autokraten alle heißen, sollte eine starke Beschleunigung von größtmöglicher militärischer und Ressourcen-Autarkie sein, sowie Abkommen mit allen anderen demokratschen Staaten..Weder das Geheule der Bauern ( Mercosur – sooo wichtig!!) noch der Links- und Rechtsradikalen ist da hilfreich. Im Gegenteil, sie beschädigen den Kampf um unseren Wohlstandserhalt. Besonders interessant ist, das Brasilien stärkere demokratische Institutionen hat als die USA: X und Musk in die gesetzlichen Schranken gewiesen, trotz Superzöllen der USA Bolsonaros Putsch geahndet und ihn inhaftiert. Die Brasilianer lassen sich nicht von den US Gringos am Nasenring durch die Manege ziehen. Sie biedern sich aber auch nicht Putin an. Und als Demokratie hääte selbst die Entführung des Präsidenten kaum Einflusss – abgesehen davon, dass Brasilien da eine ganz andere Nummer ist als Venezuela. Und jetzt Mercosur Partner. Gut so.