Cyberangriff auf Halles Sirenen: Stadtrat drängt auf Aufklärung und IT-Sicherheit

Ein nächtlicher Sirenenalarm am 10. Januar 2026 riss die Bewohner in Halle (Saale) unsanft aus dem Schlaf. Was zunächst wie ein technischer Defekt wirkte, entpuppte sich schnell als ein beunruhigender Vorfall: Über das städtische Sirenensystem wurden unberechtigte Durchsagen in englischer Sprache verbreitet, die vor einem „aktiven Schützen“ warnten und zum „Lockdown“ aufforderten. Da weder Stadt, Land noch Bund den Alarm ausgelöst hatten, rückte schnell der Verdacht eines gezielten Cyberangriffs in den Fokus. Die Fraktion Die Linke im Stadtrat nahm diesen Vorfall nun zum Anlass für eine umfassende Anfrage zur IT-Sicherheit der Stadtverwaltung, auf die Bürgermeister Egbert Geier nun detailliert antwortete.

Der Vorfall vom Januar hat die Verwundbarkeit kritischer Infrastrukturen in das öffentliche Bewusstsein gerückt. Laut der Antwort der Stadtverwaltung wurde der Informationssicherheitsbeauftragte (ISB) bereits am Tag nach dem Vorfall informiert und ist seitdem aktiv in die Sachverhaltsaufklärung eingebunden. Auf die Kernfrage der Linksfraktion nach der personellen und finanziellen Ausstattung der IT-Sicherheit versichert das Rathaus, dass der ISB über ausreichende Kompetenzen und Ressourcen verfüge. Die notwendigen Mittel seien fest im Budget der Abteilung für IT und digitale Verwaltung verankert. Zudem verstärken zwei Vollzeitstellen für IT-Sicherheitsmanagement das Team, um die Sicherheit der städtischen Systeme zu gewährleisten.

Ein zentraler Aspekt der Sicherheitsstrategie in Halle ist die Kooperation mit der IT-Consult Halle GmbH (IT-C), einer Tochter der Stadtwerke. Diese fungiert als Hauptdienstleisterin und ist nach dem internationalen Standard ISO 27001 zertifiziert. Während die Stadtverwaltung selbst zwar noch keine formelle Zertifizierung vorweisen kann, orientiert sie sich laut Bürgermeister Geier an diesen Standards und strebt eine eigene Zertifizierung aktiv an. Die technische Dokumentation und die Risikoüberwachung der ausgelagerten IT-Dienste liegen vertraglich in der Hand der IT-C, was ein hohes Maß an Professionalität sicherstellen soll.

Besonderes Augenmerk legte die Anfrage der Linken auf das Krisenmanagement. Die Stadt verweist hierbei auf ein im Aufbau befindliches Risikomanagement nach BSI-Standard sowie auf bestehende Verwaltungsvorschriften für IT-Notfälle. Im Falle großflächiger Cyberangriffe oder kritischer Ausfälle würde der Katastrophenschutzstab, auch als „Stab für außergewöhnliche Ereignisse“ bekannt, die Koordination übernehmen. Um auch menschliche Fehlerquellen zu minimieren, setzt die Stadt auf Prävention: Regelmäßige Schulungen der Belegschaft sowie simulierte Phishing-Attacken sollen das Bewusstsein der Mitarbeitenden für die Gefahren des Social Engineering schärfen.

Bezüglich der Sirenen selbst gab die Verwaltung Entwarnung hinsichtlich des Netzausbaus. Die Standorte in Diemitz, Kanena, Neustadt, Nietleben und an mehreren Schulen sind mittlerweile fertiggestellt. Ein technisches Nadelöhr bleibt jedoch die Anbindung an den hochsicheren BOS-Digitalfunk des Landes. Obwohl die Stadt den Antragsprozess abgeschlossen hat, wartet sie derzeit noch auf die finalen Nutzerberechtigungen und Sicherheitskarten durch das Land Sachsen-Anhalt. Dieser Schritt gilt als entscheidend, um das Sirenensystem künftig besser gegen Manipulationen von außen abzuschotten, da der Digitalfunk im Gegensatz zu herkömmlichen IP-Verbindungen als deutlich resistenter gegen Hackerangriffe gilt.

Trotz der laufenden Ermittlungen durch das Landeskriminalamt und den Staatsschutz betont die Stadtverwaltung, dass die Bevölkerungsschutzsysteme grundsätzlich einsatzbereit bleiben. Neben den Sirenen wird zudem an weiteren Konzepten gearbeitet, wie etwa einem neuen Schutzraumkonzept und der laufenden Beschaffung von Arzttruppwagen. Der „Sirenen-Hack“ vom Januar bleibt somit nicht nur ein Fall für die Justiz, sondern dient der Stadtpolitik als Weckruf, die digitale Abwehr der Kommune fortlaufend zu härten.

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6 Antworten

  1. IT's so easy sagt:

    Die Stadt müsste mal mehr Geld in die IT und dessen Dienstleister fließen lassen, dann würde auch die Technik auf dem aktuellsten Stand sein.

  2. TETRA sagt:

    Es wird alles für die Sicherheit getan – mitnichten. Eine Stadt mit vielen kleinen und großen Eigenunternehmen zu „verwalten“ ist nicht zielführend. Gerade nicht, wenn es um Sicherheit und Bevölkerungsschutz geht. Allein schon der Angriff auf das Sirenensystem offenbart, dass Fachkenntnisse gegen Finanzen aufgewogen wurden. Wer in Halle einen Plan zum Sparen hat oder „zukunftsträchtige Visionen“ kommunizieren kann, ist gern gesehen. Letztlich führt alles zum Nachteil der Bevölkerung. Behinderte Menschen, Kinder/Jugendliche, Rentner und allgemein benachteiligte Menschen würden am meisten betroffen sein.

    In besonderen Lagen ist die Kommunikation extrem wichtig. Flexible Anlaufpunkte müssen für die Bevölkerung erreichbar sein, mit Kontakt zu Rettungsleitstellen und Lagezentrenten – wenn auch nur indirekt. Ein großes städtisches Unternehmen schafft den TETRA-Funk ab und verlässt sich auf Mobilfunkanbieter, deren Funkmasten an das öffentliche Stromnetz angebunden sind und daher entsprechend angreifbar sind. Andere Städte agieren da ganz anders, weiten ihren TETRA-Funk sogar noch aus und verlassen sich nicht auf private Mobilfunkanbieter. Verwaltungstechnisch und fachlich sind scheinbar die Stadt und derer Unternehmen katastrophal aufgestellt und völlig falsch beraten.

  3. KJHG sagt:

    Vorher bitte in die freiwillige Kinder-und Jugendarbeit investieren! Danach können wir über die harmlosen Themen diskutieren. Cyberattacke klingt für mich in dem Kontext eher wie „Wir haben keine anderen Probleme“… Der Norden würde sagen: Butter bei die Fische“.

  4. Emmi sagt:

    „Die Fraktion Die Linke im Stadtrat nahm diesen Vorfall nun zum Anlass für eine umfassende Anfrage zur IT-Sicherheit der Stadtverwaltung, auf die Bürgermeister Egbert Geier nun detailliert antwortete.“
    Die Linken wieder.

  5. Ich fühl mich dicht sagt:

    Das Intranet von Sachsen-Anhalt sieht aus wie eine mittelmäßige Webseite aus 2005 (konnte als Praktikant im Landesmuseum Einsicht nehmen), mehr muss man dazu nicht sagen. Die finanziellen Priotitäten liegen ganz offenbar woanders… Die Krankenhäuser arbeiten mit der Datenkrake Windows 11 aber uralten Office-Versionen.

    Es geht hier nicht um das Wohl des Bürgers sondern um die Bequemlichkeit von Verbeamteten.

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