Die Kuh ist ersoffen: Zweifacher Vater mit subjektivem Lagebericht zum Zustand der Kinderbetreuung in der Stadt Halle

Bereits am 27. Februar 2026 will die Stadt Halle (Saale) die Kita Vier Jahreszeiten am Jägerplatz schließen. Ein zweifacher Vater meldet sich diesbezüglich mit einem persönlichen Erfahrungsbericht zu Wort.

Januar 2026, ein milder Winter rutscht langsam durch die Stadt Halle an der Saale. Auf dem Fluss treiben vereinzelt Eisschollen, durch die Rathausfenster sieht die Welt da draußen unscharf aus, Schuld sind vielleicht die hübschen Eisblumen. Dort drüben ist die Saale komplett zugefroren. Doch halt! Was ist das? Der schwarze Fleck da hinten auf dem Eis, ist das etwa eine Kuh? Ach nein, trügerische Ho nung, die Kuh ist längst eingebrochen, gesunken und erso en. Was dort dunkel schimmert, ist nur noch das Loch im Eis, Mahnmal des plötzlich hereingebrochenen Todes. Bald ist das Loch weg, niemand wird sich an die Kuh erinnern. Tja, wir waren zu spät, wir haben eine Kuh verloren, sowas passiert, schade, schade. Was hat sie wohl bewegt aufs Eis zu gehen? Wurde sie etwa getrieben? Oder hat einfach niemand aufgepasst? Steht gar der ganze Kuhstall o en? Vielleicht sollten wir mal nachsehen. Hier endet die lyrische Einleitung zur Lage der derzeitigen Kinderbetreuung in der Stadt Halle an der Saale.

Hier beginnt das prosaische Drama:

Der Eigenbetrieb Kindertagesstätten der Stadt Halle stürzt rund 50 Familien in Unsicherheit. Der Entschluss, eine Kita plötzlich zu schließen bringt Kinder zum Weinen, Eltern an die Grenzen, Arbeitgeber in Notsituationen. Die Rechte der Erzieherinnen, die monatelang zum Teil selbstaufopferungsvoll die Betreuung der Kindergartenkinder aufrechterhalten haben, werden missachtet. Der wirtschaftliche Schaden und die psychologischen Folgen als Folge strukturellen Unvermögens werden nicht zu messen sein – sie sind aber da, jetzt schon. Rechtliche Vorschriften sind nicht eingehalten worden, es wurden o ensichtliche Probleme immer wieder verschleppt, Pseudolösungen verschärften die Situation nur noch weiter.

Die Kindertagesstätte „Vier Jahreszeiten“, in einer Gründerzeitvilla zu Füßen der Nationalen Akademie der Naturforscher Leopoldina gelegen, wird im Februar 2026 geschlossen; o izieller Zeitpunkt der Entscheidung: 28.Januar 2026. In den vergangenen Jahren hat sich die Personalsituation in der Kindertagesstätte derart zugespitzt, dass die Kita inzwischen nicht mehr als Bildungs- und Erziehungseinrichtung, sondern lediglich als Ort für die unfallfreie Aufbewahrung von Kindern bezeichnet werden konnte. Dieser Zustand wurde vom Betriebsleiter in Gesprächen mit den Elternvertretern auch bestätigt und er widerspricht ausdrücklich der Philosophie des Eigenbetriebes aus dem Jahr 2018 (https://kita-halle.de/artikel/philosophie) sowie dem aktuellen Bildungsprogramm des Landes Sachsen-Anhalt (https://ms.sachsenanhalt.de/fileadmin/Bibliothek/Politik_und_Verwaltung/MS/MS/4_KifoeG/2024/27_08_2 024_Bildungsplan_Sachsen-Anhalt_barr-frei_final.pdf). Der Kita-Träger hat auch dauerhaft gegen Rechtsvorschriften verstoßen, wie der Satzung über den Besuch von Kindertageseinrichtungen der Stadt Halle (https://halle.de/fileadmin/Binaries/Verwaltung/Stadtpolitik_und_Ortsrecht/Satzungen_ und_Verordnungen/GB_IV_Bildung_Soziales/FB_Bildung/SR_5085_Besuch_von_Kindertageseinrichtungen.pdf).

Nun wird der Kindergarten kurzerhand mitten im Kita-Jahr geschlossen, gegen den Willen der Eltern und obwohl Probleme lange Zeit bekannt waren oder, schlimmer noch, durch Personalentscheidungen der Verwaltung selbst verursacht wurden. Die verantwortlichen Personen in der Verwaltung und die zuständigen Aufsichtsgremien, sollte es sie geben, haben versagt.

Niemand hat die enorme Belastung des verbleibenden Kita-Teams wirklich ernst genommen, niemand hat die Alarmsignale gehört. Von einer individuellen Förderung der Kinder konnte aufgrund fehlenden Personals, verfehlter Personalplanung und nicht nachvollziehbarer Gründe schon lange keine Rede mehr sein. Die Eltern wurden in der Vergangenheit immer wieder vertröstet und eine Besserung der Situation in Aussicht gestellt. Doch dies geschah im Jahr 2026 wieder nicht – es gab erneut verkürzte Önungszeiten, das Personal befand sich o enbar an einer emotionalen und körperlichen Grenze und die Situation führt zu Belastungen in Familien und bei Arbeitgebern.

Die Kita hat seit einigen Monaten keine feste Leitung mehr. Es gibt darüber hinaus seit fast einem Jahr keine stellvertretende Leitung. Ehemalige Stellvertreter sind versetzt worden oder Anwärterinnen von dieser Position entbunden worden. Ursachen und Hintergründe wurden niemals o en kommuniziert. Die Kita ist also seit Monaten ohne echte Leitung, womit die Situation o ensichtlich eskalierte.

Die Kuh trabt orientierungslos aufs Eis.

Langjährige, zuverlässige und erfahrene Mitarbeiter des Kita-Teams sind im vergangenen Jahr kurzfristig an andere Kitas versetzt worden, was viele Kinder und Eltern sehr verstört hat. Ursachen und Hintergründe wurden ebenfalls nicht kommuniziert. Zeitgleich war der Krankenstand im Kita-Team immer wieder enorm hoch – all dies führte dazu, dass im Team ein ständiges Kommen und Gehen herrschte. Mal gab es kurzzeitige Aushilfen aus anderen Kitas, mal Helferinnen, die keine Fachkräfte sind. Dies führte dazu, dass die Kinder und Eltern teilweise gar nicht mehr wussten, wie die Personen heißen, von denen Sie betreut werden.

In den vergangenen Monaten gab es immer wieder nur kurze Önungszeiten, was für viele Eltern enorme Probleme in Hinblick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verursacht. Von einer Einhaltung der Regelö nungszeit gemäß §4 der Satzung über den Besuch von Kindertageseinrichtungen der Stadt Halle (Saale) kann seit Jahren keine Rede sein. Demnach ist die Regelö nungszeit zwischen 6 Uhr und 18 Uhr. In der Realität ist es oft nur zwischen 7 und 16 Uhr, was dauerhaft gerade einmal 75% der versprochenen Leistung entspricht. Die nicht ausreichende Personalsituation führte dazu, dass ab Betreuungsstufe 4 (8h/Tag) keinerlei Spielraum für die Eltern mehr blieb und mitunter die Einhaltung der Arbeitsverträge auf Elternseite nicht gewährleistet werden konnte. Das Paradox: Es gibt einen eklatanten Mangel an Betreuungspersonal und zeitgleich einen Personalüberhang. Personalmangel und Einstellungsstopp.

Die Kuh ist verwirrt, bleibt stehen. Unter ihr fängt das Eis an zu knacken.

Nun kommt das Ende schnell: Die Kita „Vier Jahreszeiten“ wird innerhalb kürzester Zeit geschlossen. Einfach so, mitten im Jahr. Eltern müssen einen neuen Betreuungsplatz organisieren, Kinder verlieren Freunde und mit den Erzieherinnen wichtige Bezugspersonen. Die Kinder benötigen kurzfristig eine neue Eingewöhnungszeit in einer neuen Kita, mitunter wochenlang mit Elternbegleitung. Doch gerade Zeit ist eine Ressource, von der arbeitende Eltern lediglich träumen dürfen. Kinder, die im Sommer eingeschult werden sollen, können keinen guten Übergang in die Grundschule erwarten mit entsprechenden Folgen auf der weiteren Schullaufbahn. Weitere langfristige Folgen für die Familien im Alltag, wie Urlaubsplanung werden gerade besser ignoriert, es schont die Nerven. Die Zukunft der Erzieher ist derweil völlig ungewiss. Das Versagen des Eigenbetriebes untergräbt die Stabilität der Gesellschaft und die Attraktivität der Stadt Halle als sicherer Standort für Familien.

Das Scheitern sollte ein Alarmsignal sein. Für Eltern, für Arbeitgeber, für Erzieher. Die Bevölkerungsprognosen des statistischen Landesamtes sprechen dafür, dass die Schließung der Kita „Vier Jahreszeiten“ nur ein Vorgeschmack darauf ist, was noch kommt. Andere Kitas kämpfen inzwischen um jedes Kind – auch sie kennen die Geburtenzi ern und was auf sie zukommen wird.

In den Ställen des Landes stehen viele Kühe. Und niemand passt auf?

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24 Antworten

  1. Endlich kostendeckende Kitagebühren sagt:

    Ich sag mal so: Wenn die Stadt endlich kostendeckende Kita-Beiträge erheben würde, wäre die Kuh gar nicht erst aufs Eis gelangt.
    Und das ist das Einzige, was der Stadt anzulasten ist: unwirtschaftliche Gebühren bei Kitas. V.a. die Bevorzugung der umweltschädlichen Vielwerfer muß aufhören, d.h. mit zunehmender Kinderzahl müsste der Beitrag steigen, nicht sinken.

  2. A.W. sagt:

    Im Jammern waren die Deutschen schon immer Weltmeister.

  3. ! sagt:

    Ich weiß, dass die Lage aus Sicht der Kinder gar nicht optimal ist – aber der Artikel zeigt eben auch keinen belastbaren Lösungsansatz auf. Man könnte die Schließung einer Einrichtung – bei zugleich sinkender Nachfrage – praktisch nur verhindern, indem man 5 Zentralkindergarten in Nord, Süd, Mitte, Ost und W est hätte. Wäre das besser? Wohl nein.

    Alle (auch Kinder und Eltern) müssen damit leben, dass das Leben seine Spuren hinterlässt und manche die „Arschkarte“ ziehen. Es ist nicht immer alles Zuckerwatte. So war das Leben nie und wird es nicht sein.

    Wo ist eigentlich die Resilienz in dieser Gesellschaft geblieben? Was wäre denn hier erst los, wenn Krieg wäre?

    Jeder weiß um die finanzielle Situation dieser Stadt und des Landes.

    Hier wird aufgrund der Demographie und schlechten Wirtschaftsdaten ohnehin alles schlechter – darauf sollte man sich gezielt einstellen. Optimismus ist da kaum angesagt. Wenn man sich ehrlich macht, sollte man sich auf polnische Verhältnisse einstellen. Die fetten Jahre sind schon lange vorbei.

    • !! sagt:

      Genau das ist der entscheidende Punkt, dass man sich zunächst einmal ehrlich macht. Erst dann kommt man zu einer Lösung.

      Aufgrund massiver politischer Fehlentscheidungen der letzten Jahre sind die Staatsausgaben enorm gestiegen, während die Wirtschaft schwächelt.

      Also ist der Gürtel enger zu schnallen. Der Lebensstandard muss reduziert werden. Nicht schön, nicht Klasse, nicht gewünscht. Aber es geht nicht anders.

  4. zagcl4oe sagt:

    Sehr wirrer Text.
    Wer ist eigentlich die Kuh und heißt es nicht eigentlich: Diekuhliefumdenteich und der Esel geht aufs Eis?
    Wenn Kühe im Stall stehen, muss niemand auf sie aufpassen und sie können nicht aufs Eis. Außerdem gehen Kühe nicht freiwillig aufs Eis, sie verlaufen sich maximal, aber das auch eher nur im dunkeln, wenn man die Stalltür offen lässt. Bin auf einem Bauernhof aufgewachsen und ich kenne keine Geschichte über eine Kuh auf dem Eis, vom Blitz erschlagen ja, aber Eis: Nein.
    Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich!

  5. Klardenkender sagt:

    Wenn man sein subjektives Gejammere mit Gleichnissen versucht irgendwie aufzuwerten, wird so ein Text noch schlimmer. Vielleicht merken fürs nächste Mal. Wir werden ja sicher weiter solche persönlichen Ergüsse hier sehen, obwohl sie da wohl kaum hingehören. Als ob der Verfasser allein von persönlichen Schicksalen betroffen ist. Der Turn auf andere ist nach dem ganzen Weinen nicht glaubwürdig.

  6. Erzieherinhalle sagt:

    Wenn man das lies ist es nur erschreckend, was da die letzten Monate lief. Ich frage mich wo die Fachaufsicht war….. bei freien Trägern stehen sie sofort auf der Stufe….. kontrollieren ständig alle Formulare, den Personalschlüssel und die anderen tausend Dokumente… Scheinbar nur nicht im eigenen Stall…..
    Tipp an die Eltern: Es gibt viele freie Plätze in der Innenstadt und wenn ihr mit den Kitas sprecht können auch Freunde zusammenbleiben und wechseln…

  7. Realistin sagt:

    Es wäre vielleicht gut, wenn man hier nicht jede Prosa veröffentlicht, die irgendwo in einer dunklen Wohnung unter offensichtlich erheblichem Alkoholeinfluss entstanden ist. Danke.

  8. WUT sagt:

    Damit noch weniger Kinder geboren werden?Ich war auch mal Erzieherin ,das hatten wir schon vor 25 Jahren. Die Stadt hat unfähige,selbstherrliche Mitarbeiter …..wie eine Frau Brederlow.Mit Arbeittsstudien nach der Wende wurde viel Geld rausgeschmissen.Junge fähige Erzieherinnen werden entlassen….statt sie zu fördern,um neuen Wind in die Einrichtungen zu bringen.Setzt junge Kolleginnen auch als Leiterinnen ein,die alten mit ihren veralteten Ideologien gehören in den Ruhestand bzw.in die zweite Reihe….ohne Macht.

  9. KITA sagt:

    Dieser Kommentar -ist an Kinderfeindlichkeit nicht zu übertreffen.

  10. Leistungsträger sagt:

    Wenn 50 Familien betroffen sind, ist es wohl nicht zuviel verlangt, wenn sich abwechselnd 2 oder 3 Elternteile um die Kinderbetreuung kümmern.

    Fahrkosten und ähnlicher Aufwand lassen sich als Kinderbetreuungskosten in der Anlage „Außergewöhnliche Belastungen“ eintragen.

    Dies nur als Hinweis.

  11. Erna sagt:

    Gefasel hin und her.
    Da ist bestimmt ein reicher Wessi scharf drauf, auf die Villa, Basta.
    Geld zählt mehr wie alles Andere.

    • Harald sagt:

      „Mehr wie alles Andere? “ Ossi biste offenbar auch nicht.

    • Foo sagt:

      Der Grundriss der Villa ist für ETW weniger interessant. Das Gebäude gehört afaik auch nicht dem Eigenbetrieb, sondern wurde Diesem unter Auflagen gestiftet..

    • Alt-Dölauer sagt:

      Wess??i – also Du bist echt vor 25 Jahren steckengeblieben. Wer Kohle hat wandert heutzutage ins Ausland aus und sicher nicht in den Osten mit AfD/ Linken und Co die den nächsten – dann echten – Niedergang herbeiführen.

  12. Zappelphilipp sagt:

    Was für ein wirres Geschreibsel …ist das unser Stadtschreiber? Omg …wenn die Situation schon länger so bescheiden ist…. warum haben sich die Eltern nicht längst eine andere Kita gesucht? Ach ja da hätte man ja aktiv werden müssen….so kann man jetzt jammern.

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