Drohen erneut Streiks der HAVAG-Beschäftigten? Morgen neue Verhandlungsrunde zwischen ver.di und Arbeitgebern

Am morgigen Dienstag, den 17.03.2026, setzen Gewerkschaft und Arbeitgeber ihre Tarifverhandlungen für die Beschäftigten im kommunalen Nahverkehr Sachsen-Anhalts fort. Nach bislang zwei ergebnislosen Runden steht vor allem die Frage im Mittelpunkt, wie die dringend notwendige Entlastung für die Beschäftigten erreicht werden kann.

In den bisherigen Gesprächen haben die Arbeitgeber ein zentrales Anliegen der Beschäftigten – ein Wahlmodell zur Arbeitszeitverkürzung – bislang grundsätzlich abgelehnt und keine eigenen substanziellen Vorschläge für eine Entlastung vorgelegt, kritisiert die Gewerkschaft. Ver.di hatte dagegen mehrfach betont, dass sie bereit sei, über Wege und Zeiträume zu sprechen, um schrittweise Verbesserungen zu erreichen.

„Die Kolleginnen und Kollegen im Fahrdienst und in den Werkstätten und auch im Service arbeiten seit Jahren am Limit. Es geht hier nicht um Luxus, sondern um die Gesundheit von Menschen. Und schließlich darum, diesen Beruf langfristig ausüben zu können“, sagt ver.di-Verhandlungsführer Paul Schmidt. „Wir haben deutlich gemacht, dass wir über längere Laufzeiten und über Stufenmodelle reden können. Entscheidend ist, dass wir einen realen Einstieg in die kollektive Entlastung schaffen.“

In der letzten Verhandlungsrunde signalisierten die Arbeitgeber selbst, dass sie nicht davon ausgehen, kurzfristig zu einem Abschluss zu kommen. Gleichzeitig zeigte die Gewerkschaft klare Bereitschaft, weiter konstruktiv nach Lösungen zu suchen.

„Natürlich sind wir sehr daran interessiert, in dieser Tarifrunde zu einer Einigung zu kommen“, so Schmidt weiter. „Wir hoffen auch, dass der zuletzt bis zu viertägige Streik deutlich gemacht hat, wie ernst es den Beschäftigten mit dem Thema Arbeitszeit und Entlastung ist.“

Die Arbeitszeitverkürzung ist dabei Teil eines Wahlmodells, das den Beschäftigten mehr Flexibilität geben soll. Je nach persönlicher Situation könnten sie sich zwischen mehr Freizeit oder zusätzlichem Entgelt entscheiden. Ziel ist es, die Belastungen im Nahverkehr langfristig besser zu verteilen, sowie auf individuelle Bedürfnisse reagieren zu können.

„Wenn die Wochenarbeitszeit perspektivisch sinkt, bedeutet das natürlich auch, dass mehr Personal eingestellt werden muss“, sagt Robert Schmidt, Mitglied der Tarifkommission und Beschäftigter der HAVAG. „Aber genau darum geht es: Die Arbeit im Nahverkehr muss auf mehr Schultern verteilt werden. Sonst bleibt die Belastung einfach dauerhaft zu hoch und macht uns krank.“ Die Beschäftigten hoffen, dass die Arbeitgeber diese Perspektive nun ernsthaft aufgreifen und sich in der kommenden Runde bewegen.

„Die Tür für eine Einigung steht unsererseits offen“, betont Schmidt. „Aber wenn die Arbeitgeber weiter auf ihren Prinzipien sitzen bleiben und jede Bewegung verweigern, werden wir gemeinsam mit den Beschäftigten darüber nachdenken müssen, wie wir den Druck noch weiter erhöhen. Ohne echte Entlastung wird es keinen tragfähigen Abschluss geben.“

Die nächste Verhandlungsrunde findet am Dienstag in Halle (Saale) statt.

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9 Kommentare

  1. Verdi Bonzen sind Genies sagt:

    Was wollen die eigentlich?
    Die schaffen es nicht einmal, dass ihr Unternehmen ohne horrende und stetig steigende Subventionen wirtschaftlich überlebt, finden aber, sie hätten dafür auch noch mehr Geld verdient.

    • didi sagt:

      Es ist nicht Aufgabe von Gewerkschaften dafür zu sorgen, daß ein Unternehmen wirtschaftlich überlebt, das ist Aufgabe der Unternehmensführung.
      Gewerkschaften sind dafür da, daß ihre Mitglieder ordentlich entlohnt werden.
      In den neuen Bundesländern jammert man rum, daß der Lohnabstand zum Westen zu groß ist, gleichzeitig leiden die Gewerkschaften unter zu wenig Mitgliedern und die Unternehmer treten aus den Verbänden aus um keine Tarifverträge einhalten zu müssen.
      Also selber Schuld am Lohnabstand.

      • Freie Verhandlungen sind nur bei freien Märkten angebracht - hier also nicht sagt:

        Na ja, wenn das Unternehmen nicht überlebt, nützt es den Angestellten auch nichts. Aber bei der Havag zahlt ja unfreiwillig der Steuerzahler für die übersubventionierten Tickets.

    • Flutschi sagt:

      Welches Unternehmen betreibt denn Verdi? 🤔

  2. PaulusHallenser sagt:

    „Wenn die Wochenarbeitszeit perspektivisch sinkt“

    Warum sollte die Wochenarbeitszeit bei der HAVAG eigentlich sinken? Die Beschäftigten der HAVAG arbeiten doch schon heute nur 38 Stunden pro Woche bei einem Grundurlaub von 30 Tagen. Den Beschäftigten der HAVAG täte ein Ausflug in die Privatwirtschaft mal ganz gut, um zu erkennen, dass hier ein Jammern auf hohem Niveau stattfindet. Außerdem ist die Arbeit bei der HAVAG körperlich nicht besonders anstrengend, wenn man den ganzen Tag in einer klimatisierten Fahrerkabine sitzt.

    „Aber wenn die Arbeitgeber weiter auf ihren Prinzipien sitzen bleiben und jede Bewegung verweigern, werden wir gemeinsam mit den Beschäftigten darüber nachdenken müssen, wie wir den Druck noch weiter erhöhen“

    Dann kommt es halt zum Streik. Kündigen wird keiner der HAVAG-Beschäftigten, denn nirgendwo anders in Halle gibt es so viel Geld für so wenig Arbeit.

  3. Steuerzahler sagt:

    Erst einmal aufs Kerngeschäft konzentrieren und den ganzen anderen Quatsch wie zum Beispiel die Leihfahrräder gehören abgeschafft. Alleine mit Abschaffung der Fahrräder kann man 230.000 EUR pro Jahr einsparen.

  4. Hannibal sagt:

    Toll, also wieder Preiserhöhungen! Haben diese Mitarbeiter auch mal an den normalen Mitbürger gedacht. Bei denen hat sich auch nur noch ein „Ich“ entwickelt. Mehr nicht.

    • Alt-Dölauer sagt:

      Ich hoffe auf eine ordentliche Preiserhöhung, damit die Subvention der Havag mit meinen Steuergeldern endlich reduziert wird.

  5. Barbara die Bar bezahlt sagt:

    Sitzen den ganzen Tag aufm Arsch in beheizten und klimatisierten Kabinen und verlangen mehr und mehr Kohle. Danke für die Lohn-Preis-Spirale, die wieder die Ärmeren ausbaden dürfen.
    NULL Verständnis. Schade das man Streikenden nicht kündigen darf, dieser Realitätscheck würde denen mal gut tun

Antworte auf den Kommentar von Freie Verhandlungen sind nur bei freien Märkten angebracht - hier also nicht Antwort abbrechen

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