Nachhaltiger Neubau für die St. Mauritius-Sekundarschule in der Murmansker Straße spart mit Lehm und Holz CO₂ und Kosten

In der Murmansker Straße in Halle (Saale) rollen wieder die Bagger. Die Edith-Stein-Schulstiftung errichtet hier einen modernen Neubau für die katholische Sekundarschule „St. Mauritius“. Bislang ist die Schule in einem angemieteten DDR-Schulgebäude untergebracht – nun soll ein zukunftsweisender Bau entstehen, der nicht nur pädagogisch, sondern auch ökologisch neue Maßstäbe setzt.

CO₂-neutral gedacht – von Anfang an

„Wir wollen die Schule möglichst CO₂-neutral bauen und auch betreiben“, betont Steffen Lipowski, Pädagogischer Vorstand der Stiftung. Nachhaltigkeit sei kein Zusatz, sondern Leitprinzip des gesamten Projekts.

Insgesamt kostet der Neubau inklusive Ausstattung 15,4 Millionen Euro. Davon entfallen 11,1 Millionen Euro auf den reinen Bau. Mit 2.800 Euro pro Quadratmeter bleibt das Projekt sogar unter dem Durchschnitt konventioneller Schulbauten, die mit rund 2.885 Euro pro Quadratmeter kalkuliert werden.

Der Entwurf stammt von der Steinblock Architekten GmbH aus Magdeburg. Die bauliche Umsetzung übernimmt die Terhalle Holzbau GmbH als Generalunternehmer, unterstützt von regionalen Subunternehmen. Für die anspruchsvollen Lehmbauarbeiten zeichnet die Pfennig Bau GmbH & Co. KG aus Oschatz verantwortlich.

Lehm und Holz als Antwort auf die Klimakrise

„Bauen ist eigentlich schlecht fürs Klima“, sagt Architektin Ulrike Tietze. Die Baubranche verursache rund 40 Prozent des CO₂-Ausstoßes, 55 Prozent des Mülls und verbrauche etwa 50 Prozent der Rohstoffe. Täglich würden Flächen in der Größe von 80 Fußballfeldern versiegelt.

Doch genau hier setzt das Projekt an. „Man darf die Baubranche nicht nur als Problemverursacher sehen, sondern muss sie auch als Teil der Lösung begreifen“, so Tietze. Der Schulneubau zeige, wie durch innovative Materialwahl positive Effekte erzielt werden können.

Sämtliche Innenwände entstehen aus Lehm – ein Baustoff mit langer Tradition in Mitteldeutschland. Lehm spart CO₂, reguliert die Luftfeuchtigkeit und wirkt temperaturausgleichend: Im Sommer schützt er vor Hitze, im Winter speichert er Wärme.

Architekt Christian Ziegert, ausgewiesener Experte für Lehmbau, sieht darin auch eine Rückbesinnung auf regionale Bautraditionen: „Früher wurde hier viel mit Lehm gebaut. Wir haben das nur vergessen.“ Während der Holzbau inzwischen als etablierte Bauweise gilt, gehe man mit dem konsequenten Einsatz von Lehm einen Schritt weiter – auch im Hinblick auf verbesserten Hitzeschutz.

Innovative Energietechnik auf dem Dach

Ein Herzstück des Konzepts ist die Energieversorgung. Auf dem Dach wird eine PVT-Anlage installiert – photovoltaisch-thermische Kollektoren, die gleichzeitig Strom und Wärme erzeugen. Nach Angaben der Planer soll sogar mehr Strom produziert werden, als die Schule selbst verbraucht. Ergänzt wird das System durch Erdwärme zur Beheizung des Gebäudes.

Damit werde das Schulgebäude nicht nur energieeffizient, sondern perspektivisch energiepositiv betrieben.

Konstruktion mit Bedacht

Das Fundament besteht aus Stahlbeton – allerdings ohne klassische Bodenplatte. Dadurch konnten rund 230 Kubikmeter Beton eingespart werden, erklärt Architekt Alexander Tietze. Über dem Fundament erhebt sich eine Holzkonstruktion mit Holzstützen. Die Gebäudeecken sind aus Brettsperrholz gefertigt, die Treppenanlage besteht aus Stahlbeton.

Der Materialmix folgt einem klaren Prinzip: Beton nur dort, wo er statisch zwingend notwendig ist – ansonsten nachwachsende oder natürliche Baustoffe.

Schule als Lernort für Nachhaltigkeit

Neben den ökologischen Effekten soll der Bau auch pädagogisch wirken. Der Neubau könne „Strahlkraft“ entwickeln, so Ziegert. Schülerinnen und Schüler erlebten Nachhaltigkeit nicht nur im Unterricht, sondern im Alltag. Ziel sei es, sie zu Multiplikatoren für klimabewusstes Handeln auszubilden.

Derzeit laufen die Installationen der technischen Gebäudeausrüstung, der Innenausbau sowie die Gestaltung der Lern- und Aufenthaltsbereiche. Die Fertigstellung ist für Ende 2026 vorgesehen. Erste Klassen sollen jedoch bereits zum Schulhalbjahr 2026/2027 einziehen.

Mit dem Neubau in der Murmansker Straße entsteht damit nicht nur ein modernes Schulgebäude – sondern ein Modellprojekt für klimagerechtes Bauen in Sachsen-Anhalt.

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Eine Antwort

  1. rela sagt:

    Und für die Stadthaus-Sanierung will man 33 Millionen verballern.

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