Ehemaliger Waggonbau: Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche besucht MSG Ammendorf – Unternehmen sucht dringend Industrielackierer und investiert 3,5 Millionen Euro

Es ist ein grauer Mittwochnachmittag in Halle-Ammendorf, es fällt etwas Nieselregen. Doch in den Werkshallen der Maschinenbau und Service GmbH (MSG) herrscht Hochbetrieb. Wo einst der legendäre „Waggonbau Ammendorf“ bis zu 1.000 Wagen pro Jahr für die Sowjetunion, die Berliner S-Bahn oder den ICE fertigte, ist heute ein hochspezialisierter Dienstleister herangewachsen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche ist gekommen, um sich ein Bild von diesem „Phönix aus der Asche“ zu machen. Begleitet wird sie von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze und Staatssekretärin Gitta Connemann.

Eine Erfolgsgeschichte aus den Trümmern von Bombardier

Der Standort Ammendorf hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Nach dem Aus durch den Konzern Bombardier im Jahr 2005 schien das Ende der Schienenfahrzeugtradition besiegelt. Doch engagierte ehemalige Mitarbeiter glaubten an den Standort und gründeten die MSG.

Heute, fast zwei Jahrzehnte später, ist das Unternehmen mit 239 Mitarbeitern eine feste Größe. „Wir sind in unserem Business Marktführer im Bereich des Mittelstands“, erklärt Geschäftsführer Thomas Tautz stolz. Seit 2020 hat sich der Umsatz auf rund 30 Millionen Euro verdoppelt. Die Auftragsbücher sind für die nächsten vier Jahre prall gefüllt.

Weiße Farbe für die Region: Die größte Lackieranlage Deutschlands

Während des Rundgangs der Ministerin durch die Hallen wird die Dimension des Betriebs deutlich. In der riesigen Lackiererei – laut Tautz die größte ihrer Art in ganz Deutschland – erhalten die neuen „Mireo“-Züge der S-Bahn Mitteldeutschland ihr markantes weißes Gewand.

Doch MSG ist weit mehr als eine Lackierwerkstatt. In den Hallen stehen Züge aus Niedersachsen und Bremen zur Wartung. Sogar der „Advanced Train Lab“ des ICE, ein Testzug für autonomes Fahren, wird hier technisch betreut. „Die Technik für autonomes Fahren ist bereits ausgereift“, erklärt Tautz der Ministerin, „doch ob und wann sie kommt, liegt bei den Betreibern.“

Investition in die Zukunft: Die neue 1,4-Millionen-Euro-Anlage

Trotz der guten Auftragslage ruht sich die MSG nicht aus. Das Unternehmen investiert massiv in die Infrastruktur. Stolz präsentiert die Geschäftsführung eine neue Sandstrahlmaschine, die allein 1,4 Millionen Euro gekostet hat. Ab März soll sie in Betrieb gehen und bis zu 200 Fahrzeuge pro Jahr bearbeiten. Damit werden unter anderem Siemens-Loks für den weltweiten Einsatz vorbereitet. Dazu kommen weitere Investitionen von 2,1 Millionen Euro, unter anderem für eine neue Schiebebühne und einen Hallenumbau.

Wo der Schuh drückt: Energie, Fachkräfte und Bürokratie

Doch die glänzende Fassade der frisch lackierten Züge täuscht nicht über die Sorgen des Mittelstands hinweg. Im vertraulichen Gespräch mit der Ministerin nahm Thomas Tautz kein Blatt vor den Mund.

Die Energiefalle: Die MSG ist ein energieintensiver Betrieb. „Wir brauchen enorme Mengen an Energie für die Trocknung in der Lackierung und für die Beheizung der riesigen Hallen“, so Tautz. Die explodierenden Energiepreise bedrohen die Wettbewerbsfähigkeit.

Die Suche nach den „Händen“: Das größte Wachstumshindernis ist jedoch der Fachkräftemangel. Während viele junge Menschen ins Studium drängen, fehlen in Ammendorf die Praktiker. „Kaum jemand will heute noch Industrielackierer werden“, beklagt der Geschäftsführer. Auch Fahrzeugelektriker werden händeringend gesucht. Ohne Personal können zusätzliche Aufträge schlichtweg nicht angenommen werden.

Bürokratie und Abgaben: Auch die bürokratischen Hürden und die steuerliche Belastung waren Thema des Besuchs. Staatssekretärin Gitta Connemann fand hierzu klare Worte: „Mittelstand darf nicht nur in Sonntagsreden stattfinden.“ Sie warnte davor, Familienunternehmen durch eine zu hohe Erbschaftssteuer oder die Besteuerung von Betriebsvermögen zu schwächen. „Diese Firmen denken nicht in Quartalszahlen, sondern in Generationen.“

Politik verspricht Unterstützung

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze nutzte den Besuch für ein Plädoyer für die Berufsausbildung. Man müsse jungen Menschen klarmachen, dass ein guter Sekundarschulabschluss die Basis für einen hervorragend bezahlten Job sein kann. „Es ist nicht immer ein Abitur notwendig, um in der ersten Liga zu spielen“, so Schulze mit einem Augenzwinkern in Richtung des Investors Roland Schimek, der früher selbst Profifußballer beim 1. FC Nürnberg war.

Ministerin Katherina Reiche zeigte sich beeindruckt vom Standort: „Es ist eine schöne Nachricht, dass Ammendorf von hier aus die Mobilitätswelt bedient.“ Sie versprach, die Anregungen zum Bürokratieabbau mit nach Berlin zu nehmen. Man wolle wissen, wo die Politik aktiv unterstützen kann – oder wo sie sich „gegebenenfalls auch mal raushalten sollte“.

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24 Kommentare

  1. PaulusHallenser sagt:

    „MSG-Geschäftsführer Thomas Tautz berichtete, dass der Umsatz seit 2020 verdoppelt wurde. Für die nächsten vier Jahre seien die Auftragsbücher bereits voll.“

    Eine gute Nachricht in den wirtschaftlich eher mauen Zeiten. Sehr schön!

    Dazu kommt dass Frau Reiche als Wirtschaftsministerin äußerst kompetent ist. Sie ist mit Abstand die beste Ministerin der aktuellen Bundesregierung.

  2. Alt-Hallenser sagt:

    Dazu kommt dass Frau Reiche als Wirtschaftsministerin äußerst kompetent ist. Was qualifiziert sie?

    • A.R.C sagt:

      Ihre Qualifizierung bestand darin, am Ludwig Erhard Gipfel der Weimer Media Group 11 mal teilzunehmen, um dann in die Bundesregierung als Wirtschaftsministerin aufzusteigen.
      Original Zitat von Frau Reiche: Wenn sie hier elfmal durchhalten, werden sie Bundeswirtschaftsministerin, sagte die CDU Politikerin unter Applaus in dem vollen Saal.
      Sie bezeichnete sich als „Wiedergängerin“ der von der Weimer Media Group ausgerichteten Konferenz.

  3. Ach Pauli... sagt:

    Du weißt schon, dass sie NICHT in der FDP ist und in Umfragen sogar schlechter als ihr Vorgänger rangiert?
    Darüber hinaus sind ihre unerträglichen Aussagen zur Lebensarbeitszeit nicht vergessen. Ich denke, du bist immer auf der Seite der „hart arbeitenden Bevölkerung“? Also wenn die mal nicht streikt oder sich gegen Sklavenmaßnahmen wehrt.
    Von Politik also auch keine Ahnung.

  4. t-haas sagt:

    Wenn bekannt ist , daß Industrielackierer und Fahrzeugelektriker fehlen, ist doch das Problem, daß man offenbar keine ausgebildet hat, oder wenn, dann zu wenige. Schlafen die dort in HR alle?

    • Daniel M. sagt:

      Genau das ist die richtige Frage, bzw. Feststellung.

    • Schmutzfee sagt:

      Da schläft keiner. Man findet schlichtweg keine geeigneten Bewerber für eine Ausbildung.

      Bei dem was es mittlerweile an offenen Ausbildungsplätzen gibt dürfte es keinen Jugendlichen geben der nicht in einer Ausbildung ist. Trotzdem haben wir viele Jugendliche die in keiner Ausbildung sind, weil sie oftmals nicht Ausbildungsfähig sind. Da bringt die Forderungen der Linken nach Absenkung der Anforderung auch nichts, weil ein Mindestmaß an Wissen und „Fähigkeiten“ (z.B. selbständiges Handeln) schon vorhanden sein muss.

      • : sagt:

        Wenn ein erheblicher Teil der Jugendlichen nicht die nötigen Grundlagen mitbringt, ist das ein strukturelles Problem des Bildungssystems – und genau dafür tragen €DU/C$U in vielen Bundesländern Verantwortung.

        • Schmutzfee sagt:

          Das ist nicht nur ein strukturelles Problem des Bildungssystems, sondern man bekommt die wichtigsten Dinge schon zuhause nicht beigebracht. Das fängt damit an das Grundschülern teilweise die grundlegendsten Fähigkeiten fehlen oder Eltern der Meinung sind, dass die Schule für die Erziehung ihres Kindes verantwortlich ist.

          • Daniel M. sagt:

            Nur gut, dass du nicht verallgemeinerst und keine Phrasen verbreitest.
            Unternehmen, die starr und nicht innovativ agieren, rekrutieren natürlich niemanden, der derartige Arbeiten für wenig Geld macht. Es gibt lediglich einen Mangel an Fachkräften, die sich schlecht bezahlen lassen. Aber es ist natürlich schön, wenn man Dinge, die man selbst nicht auf die Kette bekommt, auf imaginäre Eltern schieben kann. Sehr kreativ.

    • Max sagt:

      Wir gehen davon aus, dass die Ammendorfer zur IHK gehört. In diesem Fall wäre der Beruf „Verfahrensmechaniker/in für Beschichtungstechnik“. Derzeit strebt jedoch niemand diesen Beruf an. Die Berufsschule kann die Klasse nicht annähernd vollständig besetzen. Meines Erachtens liegt darin das Hauptproblem: Die jüngere Generation möchte offenbar keine handwerklichen oder industriellen Berufe erlernen. Aus dem kleinen Anteil derer, die noch bereit sind, ergibt sich zudem eine schwierige Suche nach passenden Bewerbern (Berufsausbildung, Schulabschluss etc.).

      • Daniel M. sagt:

        Das Hauptproblem besteht darin, dass derartige Berufe nicht attraktiv sind. Dies wiederum liegt an den Unternehmen selbst. Die sind in der Pflicht, dies entsprechend zu gestalten und Perspektiven zu schaffe, wenn sie wirklich nachwuchssorgen haben sollten.. Dafür braucht es allerdings einen politischen, stabilen Rahmen.

  5. JtD sagt:

    „wo die Politik aktiv unterstützen kann – oder wo sie sich „gegebenenfalls auch mal raushalten sollte“.“

    Wie wäre es damit, „Mobilitätswende“ nicht mit (E-)Autoförderung gleichzusetzen? Wie man bei VW sieht, liegen in der Branche ja 6 Milliarden mal einfach so rum, da muss man keine Steuermilliarden reinballern.

  6. Ohne Korb kein Rundgang! sagt:

    Roland Schimek – da war doch mal was …
    Katherina Reiche – da war doch auch mal was …
    Weiße Waggons zum Bebomben – beat street for ever.

  7. Henk sagt:

    Für alle hier, die die Deindustrialisierung wegen der hohen Energiepreise leugnen: oben Artikel mal gründlich lesen.

    • gründlich gelesen sagt:

      „Das größte Wachstumshindernis ist jedoch der Fachkräftemangel.“

    • JtD sagt:

      „Seit 2020 hat sich der Umsatz auf rund 30 Millionen Euro verdoppelt. Die Auftragsbücher sind für die nächsten vier Jahre prall gefüllt.“

      Die Leugnung der Deindustrialisierung durch die MSG. Die halten sich einfach nicht dran.

    • Daniel M. sagt:

      Dann lies mal richtig! Da steht was von vollen Auftragsbüchern, Umsatzerhöhungen und Investitionen. Also was genau hat die MSG mit der Deindustrialisierung zu tun?

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