Ein Hallenser als „Schlächter von Prag“: Ausstellung im Stadtmuseum Halle beleuchtet Nazi-Karriere und NS-Verbrechen von Reinhard Heydrich

Am Donnerstagabend, dem 12. Februar 2026, eröffnet um 17 Uhr im Stadtmuseum Halle (Saale) eine Ausstellung, die sich einer der zentralen Figuren des nationalsozialistischen Terrorapparats widmet – und damit zugleich einem besonders dunklen Kapitel der halleschen Stadtgeschichte. Gezeigt wird die Ausstellung der Stiftung Topographie des Terrors „Reinhard Heydrich. Karriere und Gewalt“, ergänzt durch die Werkstattausstellung „Spuren in Halle. Zum Forschen und Mitmachen“.

Dass die Ausstellung ausgerechnet in Halle (Saale) Station macht, ist kein Zufall: Reinhard Heydrich wurde hier 1904 geboren. Sein Vater Bruno Heydrich betrieb in der Saalestadt ein Konservatorium, in dem der junge Reinhard als Jugendlicher selbst bei Konzerten auftrat. Die Ausstellung greift diese biografischen Anfänge auf – unter anderem mit der Präsentation von Heydrichs Taufurkunde – und stellt sie bewusst in Kontrast zu seiner späteren Rolle als einer der Hauptverantwortlichen für die nationalsozialistischen Verbrechen.

Reinhard Heydrich (1904–1942) machte im NS-Staat eine außergewöhnlich schnelle Karriere. Unter Heinrich Himmler stieg er in wenigen Jahren zu einer der mächtigsten Figuren im Überwachungs- und Verfolgungsapparat von SS und Polizei auf. Als Chef des Reichssicherheitshauptamtes war er maßgeblich an der Organisation und Umsetzung des Holocaust beteiligt. Während des Zweiten Weltkriegs fungierte Heydrich zudem als „Stellvertretender Reichsprotektor“ im deutsch besetzten Teil der Tschechoslowakei, wo er mit äußerster Brutalität gegen Widerstand und Zivilbevölkerung vorging. Nach einem Attentat in Prag starb er im Juni 1942 an seinen Verletzungen. Das NS-Regime stilisierte ihn anschließend propagandistisch zum „Märtyrer“.

Die Ausstellung „Reinhard Heydrich. Karriere und Gewalt“ zeichnet den Verlauf dieses Aufstiegs nach und fragt nach den politischen, gesellschaftlichen und persönlichen Bedingungen, die ihn ermöglichten. Sie wirft Schlaglichter auf Heydrichs Rolle in zentralen Verbrechenskomplexen des NS-Regimes und endet mit einem Blick auf die Bilder und Vorstellungen seiner Person, die aus der nationalsozialistischen Propaganda hervorgingen und nach 1945 weiterwirkten, umgedeutet wurden oder bis heute nachhallen.

Einen besonderen Schwerpunkt bildet das Tagebuch des tschechischen Zwangsarbeiters Josef Sýkora (Jahrgang 1920), der seinen Alltag und seine Erfahrungen in den Jahren 1942 bis 1945 in Halle dokumentierte. Ergänzt wird dieses eindrucksvolle Zeitzeugnis durch ein Fotoalbum aus derselben Zeit. Die Aufzeichnungen wurden von seiner Tochter, der Historikerin Dr. Anna Košárková, ins Englische übersetzt. Sie wird zur Ausstellungseröffnung persönlich anwesend sein.

Nach ihrer Erstpräsentation im Dokumentationszentrum Topographie des Terrors in Berlin wird die Ausstellung nun erstmals außerhalb der Hauptstadt gezeigt – und damit ausgerechnet in Heydrichs Geburtsstadt. In Kombination mit der Werkstattausstellung „Spuren in Halle. Zum Forschen und Mitmachen“ richtet das Stadtmuseum Halle den Blick nicht nur auf die Person Heydrich, sondern auch auf die konkreten Auswirkungen von Ausgrenzung, Radikalisierung und nationalsozialistischer Gewalt im lokalen Alltag. Die Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, selbst zu forschen, Fragen zu stellen und die Geschichte der Stadt im Nationalsozialismus kritisch zu reflektieren.

Museumsdirektorin Jane Unger betont die Bedeutung der Auseinandersetzung: „Die Ausstellung lädt dazu ein, sich mit der damaligen Zeit auseinanderzusetzen.“ In Halle sei über Heydrich lange geschwiegen worden. „Klar, man redet lieber über Leute, mit denen sich Tourismus machen lässt“, sagt Unger. Umso wichtiger sei es, sich auch den unbequemen Teilen der eigenen Geschichte zu stellen.

Die Ausstellung im Stadtmuseum Halle versteht sich damit nicht nur als historische Dokumentation, sondern auch als Aufforderung zur Erinnerung – und zur Verantwortung im Umgang mit Vergangenheit und Gegenwart.

Mehr über die Ausstellung später.

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9 Antworten

  1. Lehrer sagt:

    Eine zusätzliche Ausstellung über die Beneš-Dekrete und über die damit verbundenen Progrome und die Ermordung tausender Sudetendeutscher wäre auch interessant. Was hat man dahingehend schon geplant?

  2. ECenterOst sagt:

    Traumkarriere für manch Foristen aus dem Paulusviertel. Einer, der sich durchsetzte!

  3. Bürger sagt:

    Vor vielen Jahren habe ich mal eine Ausstellung in Berlin gesehen. Da gab es sogar den offenen (originalen) Mercedes zu sehen, in dem der Schlächter von Prag fuhr, als auf ihn das Attentat verübt wurde und er letztlich an den Spätfolgen verstarb, weil er etwas von der Fahrzeugverkleidung (Stofffetzen= in seine Blutbahn bekommen hat.

    Ist dieser schwarze Mercedes auch ausgestellt?

  4. Hans-Karl sagt:

    Mir macht da eher Angst, dass diese Nazis in diesem Land immer noch soviel Faszination hervorrufen. Und von Kritik kann ich jetzt auf den Fotos der Ausstellung auch nicht so richtig etwas erkennen.

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