Eine Heimkehr in Farbe: Hans-Dietrich Genscher-Porträt feierlich an „sein“ Gymnasium übergeben

In Halle (Saale) markierte die heutige feierliche Übergabe eines besonderen Porträts von Hans-Dietrich Genscher einen bedeutsamen Moment für das nach ihm benannte Gymnasium. Nur zwei Tage vor dem 99. Geburtstag des legendären Politikers kehrte sein Konterfei an den Ort zurück, an dem er zwischen 1937 und 1946 – mit kriegsbedingten Unterbrechungen – selbst die Schulbank drückte. Das großformatige Kunstwerk, welches zuvor seinen festen Platz im Dorint Hotel Halle hatte, wurde im Rahmen einer feierlichen Zeremonie offiziell von Vertretern des Hotels an die Schulgemeinschaft übergeben.

Schulleiter Herr Dengler blickte in seiner Ansprache auf die bewegte Geschichte Genschers an dieser Institution zurück, die er im Jahr 1946 mit der sogenannten Ergänzungsprüfung zum Abitur abschloss. Seit mittlerweile neun Jahren trägt das Gymnasium stolz seinen Namen, ein Erbe, das im Schulalltag durch den engen Kontakt zur Genscher-Stiftung und die stete Würdigung seines politischen Vermächtnisses aktiv gelebt wird. Die Initiative für die Schenkung ging ursprünglich von der Genscher-Stiftung und Frau Hütten aus, woraufhin die Schulleitung ohne Zögern zusagte, das markante Bildnis dauerhaft in die Schule aufzunehmen.

Der Weg des Porträts an seinen neuen Bestimmungsort war jedoch mit komplexen logistischen Überlegungen verbunden. Wie Schulleiter Dengler erläuterte, war ursprünglich die Aula als Standort vorgesehen, doch die spezielle Architektur mit konkaven Wandstrukturen machte eine sichere Installation des großen Werkes dort unmöglich. Auch der Eingangsbereich wurde als Option verworfen, da man Beschädigungen durch die täglichen Schülerströme und anstoßende Rucksäcke befürchtete. Letztlich fand das Porträt seinen idealen Platz im Foyer vor der Aula, wo es nun direkt in die Schulgemeinschaft hineinwirkt. An diesem zentralen Punkt begrüßt das Bildnis die Schüler an ihrem ersten Schultag, begleitet sie bei Höhepunkten sowie Klausuren der Oberstufe und verabschiedet sie schließlich am Ende ihrer Schullaufbahn beim feierlichen Abiturmarsch zur Zeugnisübergabe.

Ein besonderes Gewicht erhielt die Feierstunde durch die Worte von Dr. Bertram Thieme, dem langjährigen Direktor des Dorint Hotels und persönlichen Weggefährten Genschers. Er schilderte lebhaft seine erste Begegnung mit Hans-Dietrich Genscher im Jahr 1977. Damals war Thieme gerade als jüngster Hotelchef Deutschlands mit 27 Jahren Direktor des Interhotels, heute auch bekannt als ehemaliges Maritim Hotel, geworden und wartete geschlagene dreieinhalb Stunden auf die Ankunft des Prominenten aus dem Westen. Thieme schilderte Genschers Wesen als das einer Persönlichkeit, die Menschen stets auf Augenhöhe begegnete und zu der über die Jahrzehnte eine tiefe, persönliche Freundschaft gewachsen war. Er erinnerte an rührende Begegnungen und betonte die große Bedeutung Genschers für die Wiedervereinigung. Am Ende seiner emotionalen Worte zitierte Thieme Albert Schweizer: „Das schönste Denkmal, das ein Mensch bekommen kann, steht in den Herzen seiner Mitmenschen.“ Genscher habe dies bei vielen Menschen erreicht und das Porträt habe nun an einem würdigen Ort seine neue Heimat gefunden.

Geschaffen wurde das Werk von dem halleschen Fotokünstler Knut Mueller, der selbst eine persönliche Verbindung zum Schulhaus pflegt, da er hier einst Schüler der damaligen Sportschule war. Das Porträt basiert auf einer Fotografie, die durch eine künstlerische Überarbeitung – eine Kombination aus digitaler Retusche, partieller Übermalung mit Farbe und erneuter Belichtung – verlieh Mueller dem Bild eine besondere ästhetische Tiefe und eine „Präsentationswertigkeit“, die über eine einfache Fotografie hinausgeht und dem würdevollen Rahmen der Schule gerecht wird.

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3 Kommentare

  1. Blindschleiche sagt:

    Die Umbenennung der Schule war schon umstritten, aber nun nimmt der Personenkult wirklich absurde Züge an.

  2. PaulusSaalekreisler sagt:

    Bitte unbedingt in FDP-Gedenkschule umbennen!

    Die FDP wird bald ein Denkmal sein!

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