Feuerwehrrente in Halle : mehr als die Hälfte der 600 Berechtigten nutzt sie

Ob Großbrand, Hochwasser oder schwere Unfälle – die Ehrenamtlichen der Freiwilligen Feuerwehren und Hilfsorganisationen in Halle sind zur Stelle, wenn es brenzlig wird. Als Zeichen der Anerkennung finanziert die Stadt eine private Zusatzvorsorge. Neue Zahlen aus dem Ordnungsausschuss zeigen nun: Das Angebot kommt an, stößt aber auch an finanzielle Grenzen.

Was ist ein jahrzehntelanges Engagement für die Gesellschaft wert? In Halle drückt sich diese Wertschätzung seit einiger Zeit auch in Euro und Cent aus. Mit der sogenannten „Feuerwehrrente“ hat der Stadtrat ein Instrument geschaffen, das die Gewinnung und Bindung von Ehrenamtlichen fördern soll. Über die öffentliche Versicherung ÖSA wird dabei eine private Rentenvorsorge aufgebaut, die nach langjährigem Dienst eine monatliche Zusatzrente ermöglicht.

Bilanz: über 50 Prozent sind dabei

Nach einer aktuellen Anfrage der Fraktion Die Linke im Ordnungsausschuss legte die Stadtverwaltung nun detaillierte Zahlen für das Jahr 2024 vor. Von den insgesamt 601 berechtigten Helferinnen und Helfern in der Saalestadt nehmen bereits 305 das Angebot wahr. Damit sichert sich knapp mehr als die Hälfte der Aktiven diesen zusätzlichen Bonus für das Alter.

Die Stadt lässt sich dieses Zeichen der Dankbarkeit einiges kosten: Rund 35.000 Euro flossen im Jahr 2024 in die Beitragszahlungen. Pro Person entspricht dies einem jährlichen Beitrag von etwa 350 Euro.

Große Unterschiede zwischen den Organisationnen

Ein Blick in die Statistik offenbart jedoch eine unterschiedliche Akzeptanz innerhalb der verschiedenen Blaulicht-Organisationen. Während die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren das Angebot stark nutzen, gibt es bei anderen Einheiten noch Luft nach oben:

OrganisationBerechtigteNutzer (2024)Quote (ca.)
Freiwillige Feuerwehren (Halle)36721158 %
Technisches Hilfswerk (THW)1224839 %
DRK (Betreuungszüge)462452 %
DLRG (Wasserrettung)161381 %
ASB (Sanitätszug I)28829 %
Malteser (Sanitätszug II)2215 %

Spitzenreiter bei der Nutzungsquote ist die DLRG, wo über 80 Prozent der Berechtigten die Vorsorge in Anspruch nehmen. Bei den Maltesern hingegen ist das Interesse mit nur einem angemeldeten Mitglied bislang verschwindend gering.

Haushaltslage bremst weitere Pläne

Trotz des Erfolgs gibt es einen Wermutstropfen für die Ehrenamtlichen. Der Stadtrat hatte die Verwaltung bereits vor drei Jahren beauftragt, eine mögliche Erweiterung des Modells zu prüfen. Ziel war es, die Leistungen attraktiver zu gestalten oder den Kreis der Empfänger zu vergrößern.

Doch die Verwaltung erteilte diesen Plänen vorerst eine Absage. Der Grund: Die angespannte Haushaltslage der Stadt Halle. In Zeiten knapper Kassen sieht sich die Kommune derzeit nicht in der Lage, über die bestehenden Verpflichtungen hinaus zusätzliche Mittel für die Rentenvorsorge bereitzustellen.

Die Feuerwehrrente versteht sich als freiwillige Zusatzleistung, die über die regulären Aufwandsentschädigungen hinausgeht. Sie soll insbesondere die Treue zum Ehrenamt belohnen. Wer jahrelang bei Wind und Wetter ausrückt, soll im Alter spüren, dass die Stadt dieses Engagement nicht als selbstverständlich ansieht.

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12 Kommentare

  1. PaulusHallenser sagt:

    Was hat das noch mit einem freiwilligen Ehrenamt zu tun? Die Aufwandsentschädigung stellt in Verbindung mit der Feuerwehrrente de facto eine Lohnersatzleistung dar. Anstelle eines klassischen Arbeitsverhältnisses arbeitet man faktisch für einen zweiten Arbeitgeber, der lediglich den Namen „Freiwillige Feuerwehr“ trägt.

    • MS sagt:

      Die lächerlichen Aufwandsentschädigungen sind in keinster Weise „Lohnersatzleistungen“. Und wie hoch mag wohl eine Zusatzrente sein, wenn da jährlich 350 Euro eingezahlt werden? Das sind nach 20 jJahren 7000 Eur, selbst mit Ertragen dürften das keine 8000 Euro sein….Also manchmal fragt man sich, ob Leute wie du irgendeine Art von Gemeinsinn haben! Aber hey: Häng doch ein Schild an dein Fenster: „Im Notfall für mich keine Feuerwehr oder Rettungsdienst rufen. Ich sorge für mich slber!“

    • JeanPütz sagt:

      Na denn. Wie sieht denn die FDP/AfD die Sache? Wie sollen Anreize geschaffen werden, damit notwendiges Ehrenamt noch gemacht? Oder bist du tatsächlich der dumm/naiven Meinung, dass wir kein Ehrenamt mehr brauchen? Wie weltfremd und asozial kann man eigentlich sein?

      • Horst Licher sagt:

        Gibs auf. Entweder ein Chatbot oder ein sehr einsamer und dummer Mensch…Aber an ihm kann man beobachten, wie man sich im Internet radikalisieren kann. Zum Anfang voll FDP mit den üblichen Verachtungen für die Unterschicht, inzwischen voll AfD: menschenverachtend, diffamierend, beleidigend gegen so ziemlich jede Randgruppe, Ehrenamt, Gewerkschaften oder sozial engagierte Personen

    • wow sagt:

      Du musst tatsächlich mal schwer aufn Kopf gefallen sein.

    • ich sagt:

      Mitglieder von Freiwilligen Feuerwehren in der Stadt Halle erhalten keine Aufwandsentschädigung. Es gibt wenige Ausnahmen für bestimmte Funktionen, wenn diese wahrgenommen werden.

    • @Paulus Saulus sagt:

      „de facto eine Lohnersatzleistung“

      Du bist ja sogar zu blöd, das Wort „Rente“ richtig einzuordnen. Damit ist eigentlich alles zu Deinem dämlichen Kommentar gesagt.

  2. Geiz ist geil sagt:

    Ein schlechtes Trinkgeld für ein aufopferungsvolles u. ggf. lebensgefährliches Ehrenamt.

  3. Kaiausderkiste sagt:

    Mathe Sechs, 35000,00 Euro bei 305 Helfern macht 114 Euro pro Helfer.

  4. Vote for PH sagt:

    Ich glaube aber nicht, dass sich Menschen in der Feuerwehr, beim DLRG, THW usw. wegen dieser „Zusatzrente“ engagieren. Anders als beim PH haben die eben tatsächlich das Bedürfnis nach Hilfe für Mitmenschen und wollen nicht nur aus der klimatisierten Wohnung zusehen. Danke dafür und Dank auch den nicht genannten Ehrenämtlern.

  5. Mein sagt:

    Ich frage mich wie die auf die Summe kommen? Im Monat steht dem normalen FF Kammerad/in 10€ zu. Das macht 120€ im Jahr. Wer macht sich denn da die Taschen nebenher voll.

  6. Rechenfehler sagt:

    „Rund 35.000 Euro flossen im Jahr 2024 in die Beitragszahlungen. Pro Person entspricht dies einem jährlichen Beitrag von etwa 350 Euro.“

    Dieses Ergebnis stimmt weder für die 601 Personen noch für die 305.