„Frauen, die lesen, sind gefährlich“ – Gruppe Artemis ruft zu Kundgebung am Frauenkampftag auf

Unter dem Motto „Frauen, die lesen, sind gefährlich“ ruft die Gruppe Artemis für Sonntag, den 8. März, zu einer Kundgebung am Leipziger Turm in Halle auf. Die Veranstaltung soll um 13 Uhr beginnen und steht im Zeichen des Internationalen Frauenkampftags.

In ihrem Aufruf stellt die Gruppe Bildung und kritisches Denken in den Mittelpunkt feministischer Politik. „Als eine Frau lesen lernte, trat die Frauenfrage in die Welt“, heißt es programmatisch in dem Text. Damit knüpfen die Aktivistinnen an historische feministische Bewegungen an, die Bildung als zentrale Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe verstanden.

Nach Auffassung der Gruppe gerät dieser Ursprung des Feminismus heute zunehmend in Vergessenheit. Statt sich mit grundlegenden gesellschaftlichen Bedingungen auseinanderzusetzen, dominierten häufig verkürzte Parolen oder symbolische Aktionen. Feminismus werde teilweise als Selbstvermarktung oder als Sammlung einfacher Handlungsanweisungen verstanden, kritisiert Artemis.

Die Gruppe fordert stattdessen eine Rückbesinnung auf Analyse und Theorie. Frauen müssten ihre eigene gesellschaftliche Lage erforschen und sich mit den Gedanken früherer sowie zeitgenössischer Denkerinnen und Denker auseinandersetzen. Nur so könne verstanden werden, wie Unterdrückung historisch entstanden sei – und welche Bedingungen heute für Diskriminierung und Gewalt verantwortlich sind.

Der Aufruf verweist außerdem auf aktuelle internationale Entwicklungen. In autoritären und fundamentalistischen Regimen werde der Zugang zu Bildung für Frauen häufig eingeschränkt oder verboten. Dies sei ein zentrales Instrument zur Kontrolle der gesamten Bevölkerung. Die Gruppe sieht darin ein warnendes Beispiel dafür, wie eng Bildung und Freiheit miteinander verbunden seien.

Zugleich übt Artemis scharfe Kritik an Teilen der gegenwärtigen feministischen Szene. In dem Aufruf wird unter anderem bemängelt, dass politische Positionen manchmal unreflektiert übernommen würden und die Beschäftigung mit komplexen oder unbequemen Themen ausbleibe. Statt eines „Kuschel-Feminismus“ fordert die Gruppe eine stärker theoretisch fundierte Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Verhältnissen.

Mit der Kundgebung am Leipziger Turm wollen die Aktivistinnen einen Raum schaffen, um genau diese Fragen zu diskutieren: Welche Begriffe und Analysen sind heute noch tragfähig? Unter welchen Bedingungen erleben Frauen weiterhin Diskriminierung? Und welche Rolle spielen Bildung, Lesen und kritisches Denken für eine mögliche Befreiung?

Alle Interessierten seien eingeladen, an der Veranstaltung teilzunehmen und sich an der Debatte zu beteiligen, heißt es im Aufruf abschließend. Ziel sei es, gemeinsam über Wege nachzudenken, wie ein besseres und freieres Leben für Frauen möglich werden könne.

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11 Kommentare

  1. Basta sagt:

    „In dem Aufruf wird unter anderem bemängelt, dass politische Positionen manchmal unreflektiert übernommen würden und die Beschäftigung mit komplexen oder unbequemen Themen ausbleibe.“…denn nur wer sich offen politisch äußert ist eine richtige Feministin! Alle anderen sind nix.

  2. 10010110 sagt:

    Zugleich übt Artemis scharfe Kritik an Teilen der gegenwärtigen feministischen Szene. In dem Aufruf wird unter anderem bemängelt, dass politische Positionen manchmal unreflektiert übernommen würden und die Beschäftigung mit komplexen oder unbequemen Themen ausbleibe. Statt eines ‚Kuschel-Feminismus‘ fordert die Gruppe eine stärker theoretisch fundierte Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Verhältnissen.

    Da haben wir’s wieder: man kritisiert sich lieber gegenseitig und beschäftigt sich mit theoretischen Schwurbeleien statt konkret was zu einer Verbesserung der Welt beizutragen. 🙄

  3. margot sagt:

    Toll, Frauen, die Lesen, ja die die Apotheken-Rundschau reinsaugen, die sind besonders wertvoll.

  4. hmmm sagt:

    Wenn ich mir die abgebildeten Sprüche auf den Transparenten so anschaue, erinnert mich das irgendwie an „verkürzte Parolen“ und eine theoretisch schlecht fundierte Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Verhältnissen.

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