Geschlossenes Südstadt-Center: Handwerksfirmen aus ganz Deutschland bringen Einkaufszentrum in Ordnung, umfassender Bericht für’s Bauamt erst in einigen Wochen

Seit einem Monat sind die Türen des Südstadt-Centers am Südstadtring geschlossen. Nachdem die Stadt Halle bei Kontrollen erhebliche Brandschutzmängel festgestellt hatte, musste das Einkaufszentrum kurzfristig den Betrieb einstellen. Seitdem bleibt der Komplex für Besucher gesperrt – und eine schnelle Rückkehr zum normalen Betrieb ist derzeit nicht absehbar.

Inzwischen haben mehrere Unternehmen Konsequenzen gezogen. Verschiedene Händler kündigten an, ihre Filialen dauerhaft zu schließen. Besonders schwer wiegt die Entscheidung des Ankermieters Kaufland, der ebenfalls nicht mehr in das Center zurückkehren will. Damit verliert der Standort einen seiner wichtigsten Publikumsmagnete. Auch die provisorische Heizungsanlage ist abgebaut. Dies hatte Kaufland im Herbst organisiert, weil wegen umbezahlter Rechnungen des Gebäudeeigentümers die Fernwärme abgeklemmt wurde.

Handwerker arbeiten hinter verschlossenen Türen

Während die Ladenpassagen leer sind und keine Kunden mehr durch die Gänge gehen, herrscht im Inneren des Gebäudes dennoch reger Betrieb. Zahlreiche Handwerksfirmen aus ganz Deutschland arbeiten derzeit im Center. Sie prüfen technische Anlagen, beseitigen Mängel und setzen notwendige Sicherheitsmaßnahmen um.

Der Eigentümer des Gebäudes, das Unternehmen hedera Bauwert, spricht von intensiven Arbeiten in den vergangenen Wochen. Ziel sei es, die von der Stadt beanstandeten Punkte vollständig abzuarbeiten und die technischen Systeme wieder in einen ordnungsgemäßen Zustand zu bringen.

Nach Angaben des Unternehmens stehen derzeit mehrere abschließende Prüfungen an. „Derzeit laufen noch einige abschließende Sachverständigenprüfungen an den technischen Anlagen. Diese werden voraussichtlich im Laufe dieser und der kommenden Woche abgeschlossen sein“, sagt Unternehmenssprecher Thomas Fleischhauer.

Im Anschluss soll der mit der Bearbeitung der festgestellten Mängel beauftragte Dienstleister einen Bericht erstellen. Dieser wird anschließend an ein zuständiges Ingenieurbüro übergeben. Dort sollen die Ergebnisse zusammengeführt und bewertet werden.

Bauamt entscheidet über weitere Schritte

Auf Grundlage dieser Auswertung plant der Eigentümer einen umfassenden Abschlussbericht. Dieser soll dem Bauamt der Stadt Halle übergeben werden. „Im Anschluss wollen wir gemeinsam die weiteren Schritte besprechen“, erklärt Fleischhauer. Vorgesehen sei außerdem eine erneute Vor-Ort-Begehung mit Vertretern der Stadt. Dabei sollen sich die Verantwortlichen selbst ein Bild vom Zustand des Centers und von den umgesetzten Maßnahmen machen. Erst danach kann entschieden werden, ob das Einkaufszentrum wieder öffnen darf.

Nach Angaben des Eigentümers sind die wichtigsten sicherheitsrelevanten Anlagen inzwischen wieder betriebsbereit. Dazu zählen insbesondere die Alarmierungsanlage, die Brandmeldeanlage, die Sicherheitsbeleuchtung sowie die Sicherheitsstromversorgung. Auch Mängel im Bereich der Flucht- und Rettungswege seien inzwischen beseitigt worden, so Fleischhauer.

Trotz der laufenden Arbeiten bleibt die Zukunft des Centers ungewiss. Selbst wenn das Bauamt eine Wiederöffnung genehmigt, steht der Standort vor einem weiteren Problem: Viele Geschäfte haben ihre Flächen bereits aufgegeben. Takko und der Radweltstore haben ihre Filialen im Halleschen Einkaufspark in Bruckdorf eröffnet, Zoo Kaiser hat den Standort Halle komplett aufgegeben.

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4 Kommentare

  1. MS sagt:

    Wenn eine derart umfassende Sanierung der Schutztechnik erforderlich ist, stellt sich die Frage, warum diese Schäden erst im Januar/Februar diesen Jahres gefunden wurden…. oder ob Kontrollen zu lasch, bewusst unterlassen, aus Schludrigkeit nicht richtig durchgeführt wurden, oder ob das Kontrollsystem für solche Anlagen zu löchrig ist.

  2. Fakt ist: der Süden hat eine gute Versorgung verdient. Ich denke hier an die über 90-Jährige Dame, mit der ich letzte Woche gesprochen habe. Sie fährt nun jeden Monat per Taxi zu Rossmann. Straßenbahn kann sie nicht mehr fahren. Und das Taxigeld belastet sie.

    Fakt ist auch: Der Eigentümer ist und bleibt am Zug. Die vergangenen Wochen haben viel Vertrauen zerstört.

    Die Prüfungen der Stadt werden zeigen, inwiefern das Center wieder sicher öffnen kann. Die Situation ist für die verbleibenden Händler und ihre Mitarbeiter wahnsinnig schwierig. Wir werden noch Geduld brauchen, wie es weitergeht.

    Zugleich finden die Händler den Standort selbst aus guten Gründen attraktiv. Die Lage hat weiter Potenzial.

  3. Bummel sagt:

    Wie wäre es denn, wenn der tolle Investor erst mal seine offenen Rechnungen bei den Stadtwerken bezahlt? Und ein Center ohne Geschäfte ist auch irgendwie sinnlos?

  4. !!! sagt:

    Diese ganze Aktion des Eigentümers ist doch von vorne bis hinten einfach nur komplett irre.

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