Halbnackter Protest vor Lederladen am Boulevard in Halle: PETA prangert Tierleid öffentlich an

Auf dem Boulevard in Halle (Saale) sorgte am Montagnachmittag eine provokante Protestaktion für Aufsehen: Eine junge Frau saß – fast völlig nackt bis auf hautfarbene Unterwäsche – auf dem Pflaster und hielt ein Schild mit der Aufschrift „Leder tötet“ in die Höhe. Neben ihr lag ein blutiger Kuhkopf aus Pappmaché. Mit der Aktion vor der Täschnerei Gusti Leder wollte die Tierrechtsorganisation PETA nach eigenen Angaben auf die „blutige Wahrheit hinter der Lederindustrie“ aufmerksam machen. Passanten blieben stehen, zückten ihre Smartphones oder diskutierten mit den Aktivisten. Unterstützerinnen und Unterstützer verteilten Flyer, in denen beschrieben wird, wie Tiere für die Lederproduktion gequält und getötet würden. Zugleich appellierten sie an Verbraucherinnen und Verbraucher, ausschließlich vegane Alternativen zu kaufen.

„Profit über Mitgefühl“

„Jedes Produkt aus Leder ist die Haut eines Tieres, das für eine Industrie getötet wurde, die Profit über Mitgefühl stellt“, erklärte Kathleen Cox aus dem Aktionsteam von PETA. Die Lederbranche sei kein bloßer „Abfallverwerter“ der Fleischindustrie, sondern ein eigenständiger Industriezweig. Weltweit würden jährlich über 1,4 Milliarden Rinder, Ziegen und Schafe ausgebeutet und getötet. „Moderne vegane Alternativen machen Leder längst überflüssig – wer heute noch daran festhält, entscheidet sich bewusst für Tierleid“, so Cox.

Die Organisation verweist auf mehrere investigative Recherchen. Eine Undercover-Recherche von PETA USA habe schwere Tierschutzverstöße in einem US-amerikanischen Schlachthaus dokumentiert, das den Sportartikelhersteller Wilson Sporting Goods beliefert – Produzent der offiziellen Spielbälle der National Football League. Videoaufnahmen zeigten ein Rind, das mitansehen müsse, wie ein Artgenosse nach einem Kopfschuss aufgehängt und über Minuten hinweg gehäutet werde.

Auch in großen Lederproduktionsländern wie Indien und Brasilien prangert PETA Missstände an: Tiere würden über weite Strecken zu Schlachthöfen getrieben, erschöpfte Rinder mit Chilischoten in den Augen gequält. Weitere Aufnahmen zeigten, wie Kälbern mit heißen Brandeisen das Gesicht verbrannt und Rinder mit Elektroschocks traktiert würden.

Kritik an Haltungs- und Transportbedingungen

Nach Angaben der Aktivisten gebe es auch in Deutschland weiterhin problematische Haltungsformen. So stünden Rinder teilweise in dunklen Ställen in ihren eigenen Fäkalien, teils in Anbindehaltung. Zudem nehme der Lebendexport von Rindern zu. Bei langen Schiffstransporten litten Tiere unter Hunger und Durst, bevor sie in manchen Zielländern ohne Betäubung geschlachtet würden.

Branchenvertreter betonen hingegen regelmäßig, dass Leder überwiegend als Nebenprodukt der Fleischproduktion anfalle und strengere gesetzliche Standards sowie Zertifizierungen in vielen Ländern für Verbesserungen gesorgt hätten. Auch würden zahlreiche Betriebe in nachhaltigere Verfahren investieren.

Umweltfolgen im Fokus

PETA argumentiert zudem mit ökologischen Auswirkungen: Rund 36 Prozent des weltweiten Waldverlustes würden der Rinderzucht zugerechnet, darunter große Teile der Abholzung im Amazonasgebiet. Wälder gelten als zentrale Kohlenstoffspeicher und sind von entscheidender Bedeutung im Kampf gegen die Klimakrise. Die Produktion von Rindsleder sei deutlich umweltschädlicher als pflanzliche Alternativen und komme mit einer Vielzahl chemischer Gerbstoffe aus.

Als Alternativen nennt die Organisation neben Kunstleder innovative Materialien wie Apfel- oder Ananasleder. Mit dem globalen „PETA-Approved Vegan“-Label würden inzwischen mehr als 1000 Unternehmen weltweit Produkte kennzeichnen, die ohne Leder, Wolle, Seide, Fell oder Federn hergestellt werden.

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40 Kommentare

  1. Diesel sagt:

    Also ich liebe meine Lederjacken.

    • Harald sagt:

      Wollte eigentlich niemand wissen.

      • The_Minion sagt:

        Doch ich, denn ich liebe auch meine Lederjacken

        • Tom sagt:

          Hab gestern wieder Schuhe mit diesem Scheiß – Kunstleder beschichtetem Dreck, in die Tonne geklopft ! , weil Kunstleder sich einfach nach wenigen Monaten in Staub auflöst , so einfach ist das.
          Und die Leute die für Petra draußen rum rennen, sind neben den Grünen, die größten Deppen der Nation !!!

    • Chris sagt:

      Richtig sinnlos, dass das immer die erste Reaktion ist. „Mmmh ich liebe mein Fleisch, darauf erst einmal ein Steak, mit meiner Lederschürze“. So wie Peta provoziert, seid auch ihr alle kein bisschen besser. Natürlich polarisiert Peta und natürlich kann man das fragwürdig finden, sowas in der Innenstadt zu solchen Zeiten zu zeigen. Aber anstatt, dass man einfach mal kurz in sich geht und darüber nachdenkt, was die damit eigentlich sagen wollen, wird stattdessen immer zuerst ein dämlicher Gegenkommentar nach dem anderen ins Internet gerotzt. Da finde ich die Kommentare weitaus widerlicher als diese Protestaktion

  2. Michael Stuetzer sagt:

    Erst gegen Pelze und jetzt gegen Leder demonstrieren! Sollen wir uns jetzt in Gras einwickeln?

    • Skeptiker sagt:

      Genau, es gibt NUR Pelz und Leder!

      • Perlen vor die Säue sagt:

        Nein, es gibt daneben auch noch Gras!

        Ironie aus, aber bei Beiträgen, die keine Umlaute schreiben können, also ganz offensichtlich keine deutsche Tastatur verwenden UND dann noch von sich als „wir“ sprechen, also eine Mehrzahl suggerieren wollen, ist wohl jedes Argument „Perlen vor die Säue“…

    • vorgeschlagene Alternativen sagt:

      „Als Alternativen nennt die Organisation neben Kunstleder innovative Materialien wie Apfel- oder Ananasleder. Mit dem globalen „PETA-Approved Vegan“-Label würden inzwischen mehr als 1000 Unternehmen weltweit Produkte kennzeichnen, die ohne Leder, Wolle, Seide, Fell oder Federn hergestellt werden.“

      Da würde mich allerdings mal die Meinung eines Chemikers (Experte) oder Studien interessieren, welche die Produktionsprozesse von „Apfel- oder Ananasleder“ untersucht haben: Welche Chemikalien werden eingesetzt, wie viel Energie und welche Nebenprodukte entstehen? Wie haltbar sind diese Alternativen im Vergleich zum tierischen Produkt.

      Man mag von der Aktion halten was man möchte, aber wenn jeder Kunde erstmal die gesamte Produktionskette erleben (sehen, hören, riechen) würde, würden wahrscheinlich nur noch wenige kaufen.

    • Erika Sch. sagt:

      Ich kaufe und besitze nur Kunstleder.

  3. Emmi sagt:

    „Undercover-Recherche von PETA USA habe schwere Tierschutzverstöße in einem US-amerikanischen Schlachthaus dokumentiert, “
    Dann demonstriert doch dort , wo die Tiere leiden!
    Peta bekommt auch Steuergelder vom Staat und kümmert sich nicht um kleine Tierwohlgeschichten. Es muss immer „Größen“ annehmen. Bei Haustieren wird an die Polizei verwiesen.

    • Anna Logos sagt:

      Statt es ihnen ins Gesicht zu sagen, schreibst du hier anonym ins Internet.

      Selbes Prinzip.

    • Meine Güte, kann man eine Meinung nicht einfach mal akzeptieren? sagt:

      Es gibt also Tierleid nur in den USA? Und wieso nicht die Kunden, die tierische Produkte kaufen, ansprechen? Wo ist überhaupt dein Problem? Ich bin weder Vegetarier/Veganer noch verzichte gänzlich auf tierische Produkte, aber eine Anregung zum Nachdenken soll warum nicht auch hier möglich sein?

  4. Branchenkenner sagt:

    Was für ein Quatsch. Leder ist ein „Abfallprodukt“ der Nahrungsmittelindustrie. So wie Knochen usw. für andere Betriebszweige. In Deutschland werden keine Tiere für Leder getötet!

    • Frage sagt:

      Anscheinend hast du den Sinn der ganzen Maßnahme null verstanden. Aber absolut null. Daran ändert auch dein Ausrufezeichen nichts.

      Mal gefragt: Welchen Unterschied macht es für ein Tier, für Fleisch oder für Leder getötet zu werden? Und weil du dich ja als „Branchenkenner“ zu inszenieren versuchst und dich auf Deutschland konzentrierst: Wird Leder oder werden Lederprodukte nach Deutschland importiert?

  5. Bürger für Halle sagt:

    Tiere zu verarbeiten oder zu essen, verbietet sich schon aus ethischen Gründen. Die massiven Auswirkungen auf den gesamten Planeten sind extrem. Neben Abholzung der letzten Regenwälder, langen Futter- und Tiertransporten, Monokulturen und Verseeuchung des Grundwassers, sind es auch die untterirdischen Arbeitsbedingungen, die Menschen welteit ertragen müssen. Das gesamte System ist so krank, dass die erste Regel, (die jeder/jede sofort vollziehen kann) lauten sollte: Diese Produkte nicht kaufen, so sehr Billigpreise im Penny-Kühlregal oder im Aldi-Rammschmarkt auch locken.

  6. Lederliebhaber sagt:

    Ich liebe meine Lederjacken, Schuhe und Taschen von Gusti Leder

  7. !!! sagt:

    Ich finde diese Aktion einfach nur sexistisch.

  8. einhaneuer sagt:

    Ich stand kurz davor, im Laden eine Damen-Lederjacke zu holen und sie der halbnackten PETA-Aktivistin zu gegeben.Tierliebe schön und gut – aber Erfrierung ist auch kein Statement.

  9. Hans-Karl sagt:

    Vor einiger Zeit hatten die Extremisten von Peta ja auch schonmal dagegen mobilisiert, dass Medizinstudenten an Tieren die OPs üben. Vielleicht sollten die jungen Ärzte dann am Anfang ihrer Karriere mal nur auf Petas losgelassen werden.

  10. Trans sagt:

    Es gibt keine Ausreden, keine Übertreibung.
    Tiere werden nicht wegen Leder getötet, sie werden wegen Fleisch gezüchtet und geschlachtet.
    Leder ist ein Nebenprodukt, eine natürliche Folge der Fleischproduktion.
    Aussagen wie „Tiere sterben für Leder“, „Leder tötet“ sind völliger Unsinn, irreführend und überheblich.
    Milliarden Tiere werden weltweit für Fleisch getötet, die Haut fällt einfach mit ab.
    Wer das leugnet, oder dramatisiert, spielt mit Lügen, um Aufmerksamkeit zu erzeugen.
    PETA inszeniert diese Heuchelei… man tut ernsthaft so, als stünde das Tierwohl wegen Leder auf dem Spiel, obwohl es Fleisch ist, das getötet wird und Leder nur mitfällt.
    Fleisch ist der Haupttreiber, Leder nur ein Nebenprodukt. Punkt.
    Wer kein Fleisch essen will, isst kein Fleisch.
    Wer kein Leder tragen will, trägt kein Leder.
    Aber mit Lug, Trug und dramatischer Übertreibung die eigene Moral zu inszenieren und andere in diese Abartigkeit hineinzuziehen, ist schlicht krankhaft.

  11. Pulswächter sagt:

    Im Übrigen…
    Pflanzen reagieren auf Berührung, produzieren Abwehrstoffe, senden Signale, genau wie Tiere und Menschen.
    Ja und wer weiß, vielleicht fühlen sie ja sogar „Schmerz“ auf ihre eigene, winzige Art.
    Nach dieser PETA-Logik müssten wir nun jeden Apfel, jede Ananas, jede Tomate persönlich entschuldigen, bevor wir sie essen, oder ernten. XD

    • Pulsprügler sagt:

      Genau, und Luft die wir einatmen leidet auch. Vielleicht etwas weniger Gras konsumieren, dann kannst du auch wieder klarer denken.

      • Pulswächter sagt:

        Statt eines Arguments kommt ein persönlicher Angriff,
        armselig…
        Nun, Pflanzen reagieren nachweislich auf Reize, das ist Biologie. Sie sind auch Lebewesen.
        Die eigentliche Frage ist, wo die Grenze zwischen Reaktion und Leidensfähigkeit gezogen wird.
        Wenn dazu etwas Substanzielles kommt, gern.
        Alles andere bleibt Polemik.
        Ad hominem statt Argument, danke fürs Mitspielen.

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