Erzieher, Hebammen, Unimitarbeiter – Streikdemo zog durch Halle (Saale) – Beschäftigte fordern 7 Prozent mehr Lohn

Mit einem ganztägigen Warnstreik und einer Demonstration durch die Innenstadt haben am heutigen Dienstag zahlreiche Beschäftigte des öffentlichen Dienstes in Halle ihrem Unmut Luft gemacht. Im Rahmen der laufenden Tarifrunde der Länder (TdL) hatte die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di zu der Arbeitsniederlegung aufgerufen. Betroffen waren unter anderem Landesverwaltungen, die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, die Hochschule Merseburg, das Universitätsklinikum Halle sowie die Franckeschen Stiftungen.

Der Demonstrationszug, der unter anderem über den Boulevard und den Riebeckplatz führte, wurde symbolträchtig vom Team der Geburtshilfe des Universitätsklinikums angeführt. Auf ihrem Banner stand in großen Lettern: „Hebammen: früher verbrannt, heute verheizt“. Damit machten die Beschäftigten auf die hohe Belastung und aus ihrer Sicht mangelnde Wertschätzung in einem der sensibelsten Bereiche des öffentlichen Dienstes aufmerksam.

Zentrale Forderungen in der Tarifrunde

Hintergrund des Warnstreiks ist die Tarifauseinandersetzung zwischen den Gewerkschaften und der Tarifgemeinschaft deutscher Länder. Die Beschäftigten fordern unter anderem eine Erhöhung der Tabellenentgelte um sieben Prozent, mindestens jedoch um 300 Euro monatlich. Zudem sollen die Vergütungen für Auszubildende, dual Studierende und Praktikant*innen um 200 Euro im Monat steigen. Weitere Kernforderungen sind die unbefristete Übernahme von Auszubildenden und dual Studierenden in Vollzeit nach erfolgreichem Abschluss, die Tarifierung der Arbeitsbedingungen studentischer Beschäftigter sowie die Angleichung der Kündigungsschutzrechte in Ostdeutschland an das Westniveau.

Deutliche Worte fand ver.di-Bezirkschef Johannes Mielke. „Die Beschäftigten sollen den Preis für falsche politische Entscheidungen tragen“, sagte er. Es gebe zwar einen Inflationsausgleich und „einen Schnaps obendrauf“, für strukturelle Verbesserungen sei jedoch angeblich kein Geld da. „Ich hab die Schnauze voll“, so Mielke. Es fehle an Wertschätzung, während die Anforderungen an die Beschäftigten stetig wüchsen.

Erzieherinnen berichten von Überlastung

Wie sich diese Entwicklung konkret auswirkt, schilderte Lina, Erzieherin in den Franckeschen Stiftungen. „Wir sind heute hier, weil wir nicht länger still sein wollen, während über unsere Arbeit entschieden wird, ohne uns zu hören“, erklärte sie. Die Bedingungen hätten sich in den vergangenen Jahren massiv verschlechtert. Während früher vier Gruppen mit jeweils 28 Kindern betreut worden seien, gebe es nach Langzeiterkrankungen und Verrentungen nur noch drei Gruppen – mit jeweils 35 Kindern. „Die Kinderzahlen wurden aber nicht reduziert“, beklagte sie.

Die Folge sei eine dauerhafte Arbeit am Limit. Gleichzeitig werde erzählt, es sei kein Geld da, obwohl die Verantwortung steige. Wer Betreuungsschlüssel festlege, die pädagogische Arbeit faktisch unmöglich machten, „handelt gegen die Kinder, gegen die Fachkräfte und gegen die Realität unserer Zeit“. Hinzu komme, dass Erzieherinnen und Erzieher im Landesdienst schlechter bezahlt würden als ihre Kolleginnen und Kollegen bei Städten und Kommunen. „Wer entscheidet sich für eine hochverantwortliche, körperlich und psychisch belastende Arbeit, die gleichzeitig schlechter bezahlt ist?“, fragte Lina. Anerkennung brauche es nicht in „Sonntagsreden“, sondern „in Bezahlung und tragfähigen Rahmenbedingungen“.

Personalnot auch in den Landesbehörden

Auch aus den Landesbehörden wurde Kritik laut. Ines vom Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten machte auf den Einstellungsstopp der Landesregierung aufmerksam. „Wir stehen gerade vor einem großen Generationswechsel“, sagte sie. Viele erfahrene Kolleginnen und Kollegen gingen in den Ruhestand, dürften jedoch nicht ersetzt werden. „Das ist fatal“, betonte sie – auch vor dem Hintergrund, dass die Landesbeschäftigten bereits seit 2009 schlechter entlohnt würden als Beschäftigte von Bund und Kommunen.

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33 Antworten

  1. stadt Halle+ sagt:

    Halle wird Stadt der Demos, Chaos Verkehrseinschrenkungen

  2. armin mützenbecher sagt:

    Verdi streikt, nicht die Beschäftigten, die müssen mitmachen.
    Die ganzen armen Arbeitnehmer mit Mindestlohn, werden Hiermit so richtig diskriminiert.

    • Daniel M. sagt:

      Der Mindestlohn wurde und wird weiter angehoben, so dass diese Arbeitnehmer nicht arm sind. Reich wird man natürlich damit auch nicht. Das ist aber klar.
      Es ist gut, dass den Forderungen Ausdruck verliehen wird.

      • NiceM sagt:

        Anhebung des Mindestlohnes gibt im Endeffekt nur Mehr Steuern für den Staat. Kaum Kaufkraft für den AN und deutliche Mehrkosten für den AG. Was wiederum Produkte und Dienstleistungen teurer macht.

    • RaSchu sagt:

      Ach armer Armin. Wenn es nur solche wie Dich gäbe , dann hätte der bose Kapitalist bestimmt noch mehr Kohle.

    • Unsinn, Armin sagt:

      Verdi kann gar nicht streiken, weil Verdi eine Organisation ist. Verdi kann aber sehrwohl zum Streik aufrufen. Beschäftigte können streiken, müssen aber nicht. Deine Behauptungen sind Unsinn.

      Übrigens haben wir massig soziale Errungenschaften wie Höchstarbeitszeiten (täglich und wöchentlich), Mindesturlaub Lohnfortzahlung im Krankheitsfall usw. Gewerkschaften zu verdanken.

      • PaulusHallenser sagt:

        Bitte verbreiten Sie keine Unwahrheiten. Das Arbeitszeitgesetz wurde von Politikern erschaffen und nicht von Gewerkschaften.

        • @FDPaulenser sagt:

          Das haben die übrigens ganz freiwillig gemacht und nicht durch Druck von gegründeten Arbeitervereinigungen und Gewerkschaften, die mit Streiks begannen.
          Danke für deine Wahrheiten.

  3. Geschäftsmann sagt:

    Alle aussperren!

  4. PaulusHallenser sagt:

    Die Arbeitgeber sollten mit einer Aussperrung reagieren, und zwar auf einen Streiktag mit 5 Aussperrungstagen.

    • ECenterOst sagt:

      Sie haben recht. Es sollte den unverschämten Arbeitsameisen verboten werden, zu protestieren. Allein der Besitzer hat über die Pausen von Sklaven zu entscheiden!

    • Erdna sagt:

      Hast Du das bei geistiger Umnachtung oder im Vollrausch geschrieben? Also dem heutigen Streiktag folgen 5 Aussperrtage auch im Gesundheitswesen? Wieviel Patienten würden deinen Vorschlag nicht überleben? Damit hast Du den Vogel abgeschossen. Aber das passt so absolut zu Dir.

    • Von der Wand bis zur Tapete sagt:

      Auf welcher Grundlage denn, seitens des Arbeitgebers wäre das ein Annahmeverzug. Wer soll dann an den 5 Tagen die Arbeit machen?

    • Liberaler sagt:

      Richtig so!

      Es hat mal Zeiten gegeben, in denen die Gewerkschaften wenigstens halbwegs vernünftig waren und in Zeiten einer schweren Wirtschaftskrise und hoher Arbeitslosigkeit mit einer Nullrunde zufrieden waren.

      Diese Vernunft ist leider vollends abhanden gekommen.

      • Halbwegs Vernünftiger sagt:

        Das waren aber Zeiten mit einer höheren Arbeitslosenquote. Heute ist die Nachfrage nach Arbeitskräften wesentlich größer. Und du weißt ja, wie der Markt auf Angebot und Nachfrage reagiert. 🙂

    • IG Metall sagt:

      Gott Pauli, die Diskussion hatten wir doch schon.
      Also mit wieviel Tagen Aussperrung der Arbeitgeber sich für einen Streiktag seiner Arbeitnehmer „rächen“ darf. Haste nicht verstanden, oder? Das Streikrecht regelt das juristisch ganz klar und sieht eine Option der Arbeitgeber „ich bin jetzt beleidigt und zahle des denen heim“ ausdrücklich nicht vor. Sorry, Du hast mal hier von mehr als einem Hochschulabschluß rumgepranzt – in keinem deiner Kommentare merkt man was davon. Muß fachlich wohl eher in der Rubrik, ich studiere mal Hobby, einzuordnen sein.

  5. Realistin sagt:

    Situation wie in Italien in den 90ern. Ein riesiger träger und unfähiger Staatsapparat in Kombination mit unendlich viel Bürokratie. Ein Zustand der Lähmung. Nach der baldigen Staatspleite wird man da hoffentlich mit dem Stahlbesen durchgehen und Millionen dieser Nichtstuer durch KI und Abschaffung unnützer Gesetze und Vorschriften auf die Straße setzen.

  6. Zappelphilipp sagt:

    Das die streiken ist doch kein Problem ….merkt man nicht mal …

  7. Echte Gewerkschafter sagt:

    Seht euch mal die Gehälter von dem Verdiboss , Stellvertretern und den anderen untergeordneten Gebietsleitern und Vertretern an. Was haben die noch mit Gewerkschaft zu tun. Nebenbei sitzen die noch in zig Aufsichtsräten drinn.

  8. Ausblick in die Zukunft sagt:

    Nichts ist mehr sicher. Selbst Hebammen wird man durch humanoide Roboter ersetzen. Die arbeiten rund um die Uhr, meckern nicht und haben keinen Urlaub.

  9. Hans Wurst sagt:

    Jaja, immer ist Krise. Seltsam ist nur, dass diese immer nur auf den Schwächsten der Gesellschaft ausgetragen wird und noch seltsamer ist, das die obersten Reichen bei jeder Krise stets reicher werden. Belegt durch verschiedenste Medienformate. Wie erklärt sich das aus liberaler Sichtweise?

  10. else sagt:

    Wer braucht solche Arbeitsverweigerer?

  11. Peter sagt:

    Richtig so. Dem Entlassungsfetisch, Sparzwang und falscher Ausgabenverwendung der Kommumen entgegentreten.

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