KiK und Pepco machen diesen Monat zu: Stadtverwaltung äußert sich zum Südstadt-Center

Die Hiobsbotschaften für die Bewohner der halleschen Südstadt reißen nicht ab. In den verbliebenen Geschäften des Centers herrscht die Gewissheit: Mit KiK und Pepco verlassen dieser Tage zwei weitere Ankermieter das Objekt. Bereits im Herbst gab es das Aus von Ernsting’s Family und Mister & Lady Jeans. Auch die Krankenkasse AOK hat ihre Büros bereits aufgegeben.

Die Situation vor Ort ist für Kunden und Angestellte gleichermaßen unzumutbar. Seit die Stadtwerke im vergangenen Jahr die Heizung aufgrund unbezahlter Rechnungen des Eigentümers abstellten, gleicht das Gebäude einem Kühlhaus. Nur die Initiative des größten Mieters, Kaufland, hält den Betrieb aktuell noch notdürftig aufrecht: Der Lebensmittelriese hat eine eigene Notheizung organisiert, um die Grundversorgung im Center zu sichern.

Stadtverwaltung: „Nicht zufriedenstellende Mitwirkung des Eigentümers“

Im Planungsausschuss der Stadt wurde nun ein Statusbericht vorgelegt, der die Ratlosigkeit, aber auch die Bemühungen der Verwaltung verdeutlicht. Das Hauptproblem scheint die mangelnde Kooperationsbereitschaft auf der Eigentümerseite zu sein. Die Stadtverwaltung wird in ihrer Stellungnahme deutlich: „Die Herausforderungen sind aufgrund der aktuell nicht zufriedenstellenden Mitwirkung des Eigentümers vielschichtig und nicht einfach zu lösen.“

Dennoch sieht die Bauaufsicht derzeit von einer kompletten Schließung des Komplexes ab. Eine solche Maßnahme sei zum jetzigen Zeitpunkt „unverhältnismäßig“. Allerdings wird der Druck erhöht: Der Eigentümer wurde im Rahmen einer Anhörung aufgefordert, Brandschutzmängel zu beseitigen, die von der Feuerwehr festgestellt wurden. Für den Beginn des Jahres 2026 ist eine erneute, umfassende Prüfung des gesamten Objekts durch die Bauaufsicht und die Feuerwehr angekündigt.

Hilfe bei der Flucht: Wirtschaftsförderung bietet Unterstützung

Da die Zukunft des Standorts ungewiss bleibt, bereitet die Stadt Halle bereits den „Plan B“ für die verbliebenen Gewerbetreibenden vor. Der Fachbereich Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung (FB WWD) hat den Mietern den städtischen Immobilienservice angeboten. Das Hilfsangebot umfasst kostenlose Suche nach neuen Gewerbeflächen im Stadtgebiet, direkte Vermittlung zu anderen Immobilieneigentümern und zentrale Ansprechpartner für den gesamten Umzugsprozess. Die Verwaltung räumt jedoch ein, dass dies keine Ideallösung für den Stadtteil ist. Das Angebot an freien Flächen im direkten Umfeld des Südstadtrings ist stark begrenzt. Ein Umzug bedeutet für viele Händler den Verlust ihrer Stammkundschaft – und für die Anwohner den Verlust kurzer Wege. Zudem hatten sich bereits Betreiber kleinerer Läden beklagt, dass mit ihnen nicht gesprochen wurde.

Das erklärte Ziel der Stadt bleibt der „Erhalt der Versorgungsfunktion“. Man setze auf Dialogformate zwischen Mietern, Einzelhändlern und der Verwaltung. Doch solange der Eigentümer seinen finanziellen Verpflichtungen gegenüber den Energieversorgern nicht nachkommt und die baulichen Mängel nur schleppend bearbeitet werden, bleibt das Südstadt-Center ein Sorgenkind auf Abruf.

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36 Antworten

  1. PaulusHallenser sagt:

    Vielleicht müsste man mehr roten Karten an die Eigentümer verteilen und am besten eine Internetpetition starten. 🙂

    Im Ernst: Es gibt in Halle viele Möglichkeiten einzukaufen. Das Südstadtcenter ist bei weitem nicht so wichtig, wie oftmals getan wird.

    • Schmutzfee sagt:

      Pepco und KIKI hätten das Südstadtcenter wahrscheinlich auch ohne die jetzige Situation verlassen. Pepco ist in Insolvenz und schließt fast die hälfte seiner Filialen und KIK will 400 Filialen (wohl auch die in Heide Nord und dort hat erst McGeiz zu gemacht) dicht machen.

    • IT-Bürger sagt:

      Was für ein selten dämlicher Kommentar.
      Für nicht betroffene Menschen wie sie, lässt sich sowas schnell sagen.

    • 10010110 sagt:

      Junge, halt doch einfach mal den Sabbel. 🙄 Du wohnst dort nicht und hast null Interesse an der Südstadt und ihren Menschen, also lass das mal deren Problem sein und erzähle nicht immer großsprecherisch, was andere zu tun und zu denken haben.

    • Anna Lühse sagt:

      Die Entwicklung Ihrer Denkfähigkeit verläuft auffallend proportional zu dem bei den nächsten Wahlen für die FDP zu erwartenden Stimmanteil. Überhaupt haben Sie eine erstaunlich große Klappe für ein dem „Glauch’schen Adel“ entstammendes Würstchen, das nur dank eines überschaubar erfolgreichen „Studiums“ der Cash-Flow- und Break-Even-„Wissenschaft“ erfolgreich in das (längst nicht mehr angesagte) Paulusviertel emigrieren konnte…

  2. Ahoi! sagt:

    „zwei weitere Ankermieter“

    Es gibt immer nur einen Ankermieter. Das ist im Fall des Südstadtcenters Kaufland.

  3. Detlef sagt:

    Dauert nicht mehr lange dann ist das Gebäude ein lost Place.

    • anne sagt:

      Wird auch Zeit!

      • Yvonne sagt:

        Seitdem das Café ausgezogen ist… War es abzusehen das irgendwas nicht stimmte.
        Manchmal kaufe ich dort ein. Aber der Eigentümer hat wohl Immobilien in Berlin, mit Stromschulden und so. So ging der Buschfunk. Waren dort eigentlich. I. M Toilette ist offen… Wir werden sehen was demnächst passiert.
        Seit ihr jetzt fertig mit euren Ankerkram?

  4. A.W. sagt:

    Es gibt mehr als genug alternative Einkaufsmöglichkeiten im Umfeld. Das Rumgeheule finde ich als direkter Anwohner absolut unverständlich.

    • Julius Neumann sagt:

      Aus sehr vielen persönlichen Gesprächen kann ich diesen Eindruck nicht bestätigen. Ja, an Lebensmittel kommt man in der Südstadt weiterhin. Aber die gebündelten Versorgungsfunktionen wie Drogerie, Arzt und bisher auch Bibliothek sind nicht einfach zu ersetzen. Für ältere Menschen ist es ideal, mit einem Weg verschiedene Besorgungen zu erledigen. Und viele Menschen können es sich finanziell nicht leisten, dafür in die Stadt zu fahren.

  5. Herr Neumann, bitte kommen! sagt:

    Petitionieren Sie was das Zeug hält!

  6. Emmi sagt:

    Ich glaube der Eigentümer will diese Gebäude nur noch loswerden. Aufgegeben hat er es doch schon. Auf diese Weise wird er die Mieter los.

    • Karl Marx sagt:

      Wie kann man im Jahr 2026 so wenig Ahnung von Wirtschaft haben.
      Mit Mietern ist ein Einkaufszentrum etwas wert.
      Ohne Mieter, vernagelt und vergammelt ist es nichts mehr wert.

  7. Julius Neumann sagt:

    Es ist wichtig, dass sich im Hintergrund etwas bewegt und die Verwaltung aktiv wird. Die Zentralität des Südstadt Centers ist aktuell nicht gleichwertig zu ersetzen. Das gilt für Kunden, die mehr als Lebensmittel einkaufen müssen, und Händler, die so einen größeren Kundenstamm haben.

  8. Sven sagt:

    Warum sind eigentlich derart „wichtige“ Immobilien in privater Hand?
    Wenn es wirklich um die Versorgung der Menschen geht ist doch die Stadt in der Verantwortung. Dann soll man sich doch nicht selbst aussperren und damit beinahe handlungsunfähig machen.
    Wäre die Stadt Eigentümer, hätte sie „Kontrolle“ über die Versorgungssituation und würde durch die Mieten sogar noch Geld verdienen.
    Hier schlage ich vor mit der vollen Härte des Gesetzes vorzugehen und Strafen zu verhängen und immer wieder Strafen verhängen. Nicht androhen sondern machen! Im schlimmsten Fall wird das Grundstück gepfändet und geht in das Eigentum der Stadt über.

    • für Frieden und Sozialismus sagt:

      Enteignung? Hm. Keine schlechte Idee.

      • Sven sagt:

        Enteignung, nein. Eintreiben der aufgelaufenen Verpflichtungen.
        Macht doch der Gerichtsvollzieher auch beim „Bürger“. Der kommt und nimmt die PS5 weg wenn er meint damit einen Gläubiger bedienen zu können.

    • Karl Marx sagt:

      Warum sollte die Stadt in der freien Marktwirtschaft für Lebensmittelversorgung verantwortlich sein? Unzählige Dörfer ohne Laden zeugen von etwas anderem.
      Ihr wolltet den Sozialismus nicht mehr, dann müsst ihr mit dem Kapitalismus auch klar kommen.
      Um eine „Kontrolle“ über die Versorgungssituation zu haben, müsste in diese auch investiert werden.
      Man kann echt verzweifelt sein, wie wenig hier einige von der Welt um sie herum verstehen bzw. was sie sich an Sachen zusammenträumen.

      • Halle-Leser sagt:

        Schon Karl Marx wusste, dass Immobilien keine Lebensmittel sind.
        Im Übrigen ist im Wort „Betongold“ das Substantiv Gold nicht umsonst enthalten.

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