Kinderstadt-Team zieht Bilanz und blickt auf die Fortsetzung im nächsten Jahr

Ein halbes Jahr ist die Kinderstadt auf der Peißnitzinsel mittlerweile Geschichte. Am Montag kamen Kinder, Betreuerinnen und Betreuer sowie Organisatorinnen und Organisatoren zusammen, um gemeinsam zurückzublicken. Im Puschkinhaus wurde ein während der Kinderstadt entstandener Film gezeigt, anschließend tauschten sich die Beteiligten über ihre Erfahrungen aus.

Vom 13. Juni bis 19. Juli 2025 regierten erneut die Kinder die Stadt. Unter dem Motto „Dein, mein, unser Halle an Salle!“ setzten sie sich spielerisch mit Fragen des Zusammenlebens auseinander und gestalteten ihre eigene Stadt. Ein Projekt, das zeigt, wie viel möglich ist, wenn Kinder ernsthaft beteiligt werden – und das auch in Zukunft fortgesetzt werden soll. Über die gesamten sechs Wochen hinweg hatten täglich rund 350 Kinder das Gelände auf der Peißnitz bevölkert. Sie spielten nicht nur Stadt, sondern gestalteten sie aktiv mit. Eine zentrale Rolle übernahm dabei der Kinderrat: 21 Kinder waren maßgeblich in die Vorbereitungen eingebunden und entwickelten in insgesamt 15 Sitzungen Ideen für die Kinderstadt. „Wir haben gelernt, dass wir ganz viel erreichen können, wenn wir etwas zusammen machen“, sagte ein Mädchen rückblickend. Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam Lösungen zu finden, sei eine wichtige Erfahrung gewesen. „Allein geht vieles, aber zusammen geht vieles besser.“

Damit der Alltag in der Kinderstadt reibungslos funktionieren konnte, brauchte es auch zahlreiche erwachsene Helferinnen und Helfer. Rund 350 Menschen engagierten sich in unterschiedlichen Bereichen. Laura fasste ihre Erfahrung so zusammen: Sie habe gelernt, dass alles gemeinsam besser funktioniere als allein. Auch Jonas sprach von einem „großen Gemeinschaftsgefühl“, das er aus der Zeit mitgenommen habe. Susie wurde erst im Rückblick bewusst, wie wichtig das Projekt eigentlich sei – ihrer Meinung nach sollte es in jeder Stadt eine Kinderstadt geben. „Ich habe so viel von euch lernen können“, sagte eine weitere Betreuerin.

Die Wege in das Engagement waren dabei ganz unterschiedlich. Laurenz erfuhr über seine Schwester, die im Internet davon gelesen hatte, von der Möglichkeit mitzuhelfen. Er betreute während der Kinderstadt die Zeitung. Mitmachen können Jugendliche bereits ab 15 Jahren, etwa im Rahmen eines Schülerpraktikums. Dass es nach oben keine Altersgrenze gibt, zeigte Marlies: Ihre Tochter, selbst Betreuerin, hatte sie für ein Engagement begeistert. Marlies leitete die Geschichtenwerkstatt, in der Kinder eigene Texte entwickeln konnten. Auch Unternehmen unterstützten das Projekt – so betreuten Auszubildende von Bauer Elektroanlagen eine Elektronikwerkstatt, in der die Kinder selbst basteln durften.

Für Mille Maria Dalsgaard, künstlerische Leiterin des neuen theaters und des Thalia Theaters, ist die Kinderstadt weit mehr als ein Ferienangebot. „Wir glauben, es ist für euch Kinder so wichtig, einmal Gesellschaft und Leben zu erproben“, sagte sie. Davon könnten auch Erwachsene viel lernen. Und sie machte deutlich: „Nach der Kinderstadt ist vor der Kinderstadt.“ Hinter den Kulissen laufen bereits die Vorbereitungen für das Jahr 2027.

Auch Halles Bildungsdezernentin Katharina Brederlow betonte, dass die Kinderstadt nicht auf ein paar Wochen begrenzt sei. Sie erfordere viel Vorbereitung und zahlreiche Unterstützer. Seit Beginn begleitet Brederlow das Projekt in verschiedenen Funktionen innerhalb der Stadtverwaltung. „Für uns als Stadt war es am Anfang auch ein Experiment“, sagte sie. Inzwischen gehöre die Kinderstadt jedoch fest dazu.

Zum Abschluss gaben die Mitglieder des Kinderrats ihre Tipps an den zukünftigen Kinderrat weiter: „Freut euch auf die tolle Zeit und seid nicht zu schüchtern.“ Besonders wichtig sei es, einander zuzuhören und andere Meinungen zu akzeptieren.

Die Kinderstadt „Halle an Salle“ öffnet aller zwei Jahre ihre Tore auf der Peißnitzinsel. Die Idee entstand 2002 am Thalia Theater Halle, das das Projekt seitdem gemeinsam mit dem Kinderstadt Halle e. V. umsetzt. Kinder und Jugendliche im Alter von 7 bis 14 Jahren können hier mitspielen und von Anfang an mitentscheiden. Der Kinderrat bereitet die Kinderstadt inhaltlich vor, ergänzt durch mobile Workshops sowie Ferienangebote für Schulklassen und Hortgruppen.

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11 Antworten

  1. 10010110 sagt:

    Und wie war der Kostendeckungsgrad? 😛 Die Kinder sind doch nur persönliche Verfügungsmasse der Kulturblase. Kann weg! (frei nach PaulusHeuchler).

    • Langweilig sagt:

      Gähn 🥱

      • sachlich betrachtet sagt:

        Aber Recht hat er. Laut PH sind das unnütze Ausgaben. Zumindest Eintritt könnte man verlangen, dann käme der Pöbel nicht auf die Idee, seine Kinder mitmachen zu lassen.

        • Mensch sagt:

          Es wird doch ein Eintrittspreis verlangt, warum schreiben Sie hier so einen Unsinn und hetzen gegen unsere Kinder?

          • sachlich betrachtet sagt:

            Gemeint war kostendeckender Eintritt. Und nein, ich hetze nicht gegen eure Kinder. Ich habe nur die Gedanken des PH gesponnen, der immer von Segregation und Abschaffung von Kultur träumt, wenn sie sich nicht selbst trägt. Persönlich finde ich die Idee Kinderstadt mehr als toll.

        • Klara sagt:

          Es ist doch aber gut, wenn Kinder des „Pöbels“, wie „sachlich betrachtet“ arme Kinder nennt, sich auch mal in einem anderen Kontext als Schule erleben und ausprobieren können und vielleicht etwas können, was sonst nie jemand mitbekommt, eine Stärke vielleicht, oder gar ein Talent.
          Auch für Kinder „aus gutem Hause“ ist es gut, diese Kinder mal anders zu erleben und zu lernen, sie zu schätzen.

          • sachlich betrachtet sagt:

            Natürlich ist das gut und förderungsfähig. In meinem Kommentar habe ich mich auf eine gewisse Person bezogen, der genau solche Aktionen ablehnt, Unterstützung von Kunst und Kultur verteufelt, jede Spendenaktion z.B. der AWO unsachlich kritisiert, Segregation toll und erstrebenswert findet und sich nie mit sozial Schwachen einlassen würde. Daher der Begriff „Pöbel“, nicht meine Wortwahl.
            Hätte nie gedacht, dass verstehendes Lesen bei einigen solche Schwierigkeiten bereitet. DAS ist jetzt von mir.

  2. Dino sagt:

    Kinder an die Macht. Kinderrechte werden zu wenig berücksichtigt, sie brauchen einen Ort um sich aus zu probieren, Raum für ihre Ideen und und…

  3. Langweilig sagt:

    Jetzt mal ehrlich…wer Kindern nicht mal ne kostenlose Freizeit gönnen kann , bei dem stimmt was im Kopf nicht.

  4. Langweilig sagt:

    Jetzt mal ganz ehrlich … wer nicht mal Kindern ne kostenlose Freizeit gönnen kann, bei dem stimmt was nicht im Kopf!

    Und wer nicht mit den Pöbel rumhängen will, kann ja gerne seine Groschen für ne Woche auf Sylt ausgeben

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