Noch ein Brunnen vor „New Yorker“? Fehler in Vorlage sorgt für Irritation – Stadt plant Millionenumbau für mehr Grün auf dem Marktplatz
2,5 Millionen Euro aus dem sogenannten Sondervermögen für Klimaanpassung sollen in die klimaresiliente Umgestaltung des Marktplatzes fließen. Doch eine missverständliche Formulierung in der Beschlussvorlage hat im Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt und Ordnung für Stirnrunzeln gesorgt – und eine politische Debatte über Sinn, Kosten und Gestaltung ausgelöst.
Verwirrung um „neuen“ Brunnen vor dem Kaufhaus
In der Vorlage war von einer Brunnenanlage auf der südöstlichen Seite des Marktplatzes die Rede – also im Bereich vor dem Kaufhaus „New Yorker“. Marion Krischok (Linke) stutzte: Sollte dort ein weiterer Brunnen entstehen?
Baudezernent René Rebenstorf musste einräumen, dass es sich um einen Fehler handelt. Gemeint ist nicht ein neuer Standort, sondern der bereits bestehende Brunnen auf der Südwestseite – die sogenannte Goldsole. Diese Anlage soll im Zuge der Neugestaltung deutlich vergrößert, barrierefrei umgebaut und zu einem bespielbaren Wasserspiel mit integrierten Spielelementen erweitert werden.
Klimaanpassung in einer aufgeheizten Altstadt
Hintergrund der Maßnahme ist die zunehmende Hitzebelastung in der historischen Altstadt von Halle (Saale). Laut Fachbeitrag Stadtklima zur Neuaufstellung des Flächennutzungsplans zählt die Altstadt zu den am stärksten vom Klimawandel betroffenen Gebieten der Stadt.
Mit einem Versiegelungsgrad von rund 90 Prozent und hoher baulicher Dichte ist der Bereich besonders vom sogenannten Wärmeinseleffekt betroffen. Die Folgen: überhitzte Plätze im Sommer, geringe Luftzirkulation und eingeschränkte Aufenthaltsqualität.
In Beteiligungsrunden zum Leitbild Marktplatz seien zusätzliche Begrünung und Beschattung die am häufigsten genannten Wünsche gewesen, so die Verwaltung. Der Handlungsdruck sei entsprechend hoch.
Goldsole soll wachsen – und zum Wasserspiel werden
Die Umgestaltung der Goldsole wurde bereits im „Grün- und Freiraumkonzept Altstadt 2023“ vom Stadtrat beschlossen. Vorgesehen ist eine signifikante Vergrößerung der Brunnenanlage, eine barrierefreie Gestaltung, ein bespielbares Wasserspiel mit Spielelementen sowie kühlungseffekte durch Wasserflächen. Neben der klimatischen Wirkung soll damit auch ein neues Spielangebot entstehen – denn die Altstadt gilt als mit Spielmöglichkeiten unterversorgt.
Ergänzt werden soll die Anlage durch bepflanzte Hochbeete mit integrierten Sitzgelegenheiten und Beschattungselementen. Ziel ist ein attraktiver Aufenthaltsbereich, der Abkühlung und soziale Nutzung verbindet.
Drei echte Bäume statt Kübelgrün
Im Zuge der Revitalisierung des ehemaligen Kaufhof-Gebäudes – dort sollen in Kürze zwei neue Restaurants mit Freisitzen eröffnen – plant die Stadt zudem neue Begrenzungen durch Hochbeete mit Sitzbänken. Und: Drei „richtige“ Bäume sollen gepflanzt werden. Bislang prägen vor allem Kübelbäume das Bild des Marktplatzes.
Rebenstorf dämpfte jedoch Erwartungen: „Die werden aber ihre Jahre und Jahrzehnte brauchen, bis sie groß sind“, warnte er vor überzogener Euphorie. Schatten werde sich nicht über Nacht einstellen.
Für die Gestaltung der Westseite des Platzes ist zudem ein städtebaulicher Wettbewerb vorgesehen.
Grünes Band an der Marienkirche geplant
Ein weiterer Schwerpunkt liegt südlich des Kirchenschiffs der Marktkirche Unser Lieben Frauen. Der etwa 60 Meter lange Korridor zwischen Hallmarkt und Marktplatz soll zu einem „baumüberstellten grünen Band“ umgestaltet werden.
Geplant sind klimaangepasste, schmalkronige Bäume mit großzügigen, unversiegelten Baumscheiben. Es soll ein zentrales Staudenband als gestalterisches Element mit integrierten Sitzmöbeln geben. Ein wichtiger Punkt dabei sind die Berücksichtigung von Brandschutz und unterirdischen Leitungen.
Der Bereich gilt derzeit als funktionale Durchgangszone ohne Aufenthaltsqualität. Künftig soll hier ein schattiger, einladender Stadtraum entstehen.
Kritik an Kosten und Eingriff
Nicht alle Fraktionen stehen hinter dem Vorhaben. Alexander Raue (AfD) hält die Investitionssumme von 2,5 Millionen Euro für zu hoch. Er sehe keine Notwendigkeit für eine grundlegende Umgestaltung.
„Welche Stadt hat sonst so einen großen Marktplatz?“, fragte Raue im Ausschuss. Der Platz habe bereits Konzerte und Beachvolleyball-Veranstaltungen beherbergt. Eine „gemütliche Enge“ müsse nicht künstlich geschaffen werden.
Auch bezweifelte er, dass ein dreimal so großer Brunnen wirtschaftliche Impulse bringe oder zusätzliche Touristen anziehe.
Balanceakt zwischen Klima, Markt und Veranstaltungen
Die Stadt steht vor einem planerischen Spagat: Der Marktplatz ist multifunktional – Wochenmarkt, Veranstaltungsfläche, Außengastronomie und zugleich zentraler Aufenthaltsort. Gleichzeitig verlaufen unterirdische Versorgungsleitungen, und Rettungswege für die Feuerwehr müssen freigehalten werden.
Die Verwaltung betont, dass die Klimaanpassung nicht im Widerspruch zur Veranstaltungsnutzung stehen solle. Vielmehr gehe es darum, die Aufenthaltsqualität langfristig zu sichern und angesichts zunehmender Hitzetage zu verbessern.
Ob die geplanten Maßnahmen am Ende als notwendige Zukunftsinvestition oder als kostspielige Verschönerung wahrgenommen werden, dürfte die politische Debatte in den kommenden Monaten weiter prägen. Fest steht: Ein zusätzlicher Brunnen vor „New Yorker“ ist nicht geplant – wohl aber eine deutlich größere Goldsole.









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