Sachsen-Anhalt will finanzielle Unterstützung für mitteldeutsche Flughäfen bis 2030 auf Null zurückfahren

Die beiden Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden sind von großem volkswirtschaftlichen Nutzen für den Freistaat Sachsen und für Sachsen-Anhalt. Das ist das Ergebnis einer Studie, die im Auftrag der Mitteldeutschen Flughafen AG (MFAG) vom Institut der Deutschen Wirtschaft Köln Consult erstellt worden ist. Mit beiden Flughäfen werden eine Bruttowertschöpfung von insgesamt 4,6 Milliarden Euro erzielt sowie 52.276 Arbeitsplätze gesichert. Die Steuereinnahmen betragen jährlich 875 Millionen Euro. Damit übersteigen die Steuereinnahmen auf Länder- und kommunaler Ebene die getragenen Kosten um mehr als das Sechsfache. Finanzminister Michael Richter kündigte an, die finanzielle Unterstützung an die Mitteldeutsche Flughafen AG bis 2030 grundsätzlich auf Null zurückfahren zu wollen.

Gleichzeitig forderte er die Bundesregierung auf, die Standortkosten für deutsche Flughäfen zu senken. „Während in Europa der Flugverkehr fast wieder Vor-Corona-Niveau erreicht hat und zum Teil sogar darüber liegt, ist in Deutschland das Gegenteil der Fall. Der innerdeutsche Flugverkehr ist im Vergleich vor der Corona-Pandemie um 50 Prozent eingebrochen. Das muss sich ändern.“

Der Studie zufolge gehen von beiden Flughäfen große direkte und indirekte Effekte für die Gesamtwirtschaft aus. Jeder Euro Wertschöpfung an einem der Flughäfen erzeugt weitere 1,50 Euro Wertschöpfung in der Gesamtwirtschaft. Jeder direkt Beschäftigte führt im Mittel zu rund zwei zusätzlichen Arbeitsplätzen. Etwa zwei Drittel des Gesamteffektes verbleibt in Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Zudem bestätigt die Studie die große Bedeutung der sächsischen Flughäfen für die Industrie, Wissenschaft und den Tourismus. Der Flughafen Leipzig/Halle ist Deutschlands zweitgrößter Luftfrachtstandort und wird gleichzeitig als eine Grundvoraussetzung für die am Standort sich entwickelnde Luftfahrtindustrie betrachtet. Die beiden Flughäfen in Leipzig/Halle und Dresden bilden – direkt und indirekt – die volkswirtschaftlich bedeutsame Grundlage für Zehntausende Arbeitsplätze.

„Wir wollen stabile, wirtschaftlich tragfähige Flughäfen, die ihre Rolle als Wachstumsmotoren für Mitteldeutschland auch in Zukunft erfüllen können“, so Finanzminister Michael Richter, „Die MFAG steht bei den gegenwärtigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen noch vor großen Herausforderungen, um den Sanierungsprozess erfolgreich zu beenden. Daher werden der Freistaat Sachsen und Sachsen-Anhalt der MFAG Aufwendungen nichtwirtschaftlicher Art wie zum Beispiel für Sicherheit und Feuerwehr teilweise erstatten.“

So sieht eine neue Vereinbarung zwischen dem Freistaat Sachsen und Sachsen-Anhalt vor, dass Kompensationsleistungen für die MFAG von insgesamt 37 Millionen (Mio.) Euro in 2026 auf 28 Mio. Euro in 2027, 21 Mio. Euro in 2028, 13 Mio. Euro in 2029 und schließlich auf Null ab 2030 gesenkt werden. An dem Kostenersatz beteiligen sich der Freistaat Sachsen zu 81,3 Prozent und das Land Sachsen-Anhalt zu 18,7 Prozent. Für Sachsen-Anhalt bedeutet dies einen Zuschussbetrag von insgesamt 11,6 Mio. EUR, über drei Jahre verteilt. Der Beitrag des Landes Sachsen-Anhalt dient dabei ausschließlich der Unterstützung für die Wahrnehmung von Aufgaben am Flughafen Leipzig/Halle. Der Flughafen Dresden ist hingegen essenziell für den Freistaat Sachsen und die Landeshauptstadt Dresden. Vor diesem Hintergrund erhält der Flughafen Dresden ab 2027 und bis zunächst 2030 zusätzlich einen Strukturausgleich für Kosten nichtwirtschaftlicher Art in Höhe von jährlich neun Mio. Euro. Diese Summe wird ausschließlich durch die sächsische Seite erbracht.

Die Vereinbarung muss noch von den Ministerpräsidenten beider Länder unterzeichnet werden.

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30 Antworten

  1. Richtig! sagt:

    „Der innerdeutsche Flugverkehr ist im Vergleich vor der Corona-Pandemie um 50 Prozent eingebrochen. Das muss sich ändern.“

    Da hat er recht! Der innerdeutsche Flugverkehr sollte um 100% einbrechen.

    • Friedensaktivist sagt:

      Menschen wie du wirken, als hätten sie ein regelrechtes Interesse daran, Deutschland wirtschaftlich zugrunde zu richten. Der moralische Überbau dafür besteht meist aus wohlfeilen Parolen wie der Enteignung derjenigen, die tatsächlich etwas leisten. Pikant ist nur, dass diese Forderungen fast immer ausgerechnet von Leuten kommen, die selbst weder Verantwortung getragen noch etwas aufgebaut haben – und deren produktivster Beitrag zum Gemeinwesen offenbar darin besteht, pünktlich das Bürgergeld zu kassieren.

      • Daniel M. sagt:

        Deine Annahmen und Vorwürfe beruhen auf Analysen von wem oder was genau? Innerdeutsche Flüge tragen sicher kaum etwas zur Wirtschaft dieses Landes bei. Wenn du fehlende Verantwortung identifizierst, dann übernimm welche. Es wäre gut, wenn der Innerdeutsche Flugverkehr weiter auf ein Minimum reduziert werden kann. Vor allem wirtschaftlich.

        • Friedensaktivist sagt:

          Meine Annahmen beruhen auf etwas, das in deiner Argumentation auffällig fehlt: einem Verständnis von Wertschöpfung, Infrastruktur und realwirtschaftlichen Zusammenhängen. Innerdeutsche Flüge sind kein Selbstzweck, sondern Teil eines Mobilitätsnetzes, das Zeit, Produktivität und Standortattraktivität sichert – besonders für Hochqualifikationsbranchen, internationale Anbindungen und föderale Wirtschaftsräume.
          Deine Reduktion auf „trägt kaum etwas bei“ ist kein Argument, sondern ein Bauchgefühl mit moralischem Etikett. Verantwortung zu übernehmen heißt nicht, funktionierende Strukturen ideologisch kleinzurechnen, sondern abzuwägen: Kosten, Nutzen, Alternativen. Pauschale Verzichtsfantasien ersetzen keine Analyse, sie kaschieren nur die eigene Bequemlichkeit im Denken.
          Wer ernsthaft glaubt, wirtschaftliche Stärke entstehe durch systematisches Schrumpfen von Infrastruktur, verwechselt Askese mit Fortschritt – ein klassischer Denkfehler, der Deutschland sicher nicht voranbringt.

  2. Rikscha Rudi sagt:

    Völlig richtige Entscheidung des Ministeriums. Fliegen sollte in Zeiten der Klimakatastrophe nur den wichtigen Genossen aus dem Zentralrat (Bundesregierung) vorbehalten bleiben. Für den Rest gilt die wunderbare Vorstellung von tausenden Fahrrädern wie auf dem Platz des Himmlischen Friedens. Onkel Mao lässt grüßen.

  3. Zappelphillip sagt:

    vor allem sollte man die beiden Flughäfen für Billigflieger attraktiver machen .. dann klappts auch mit der Auslastung.

  4. zagcl4oe sagt:

    Ist doch gut wenn der innerdeutsche Flugverkehr um 50% eingebrochen ist, besser wäre es noch, wenn er noch mal um 95% einbricht. Innerhalb Deutschland reicht Lastenfahrrad und Kutsche!

  5. 10010110 sagt:

    Der innerdeutsche Flugverkehr ist im Vergleich vor der Corona-Pandemie um 50 Prozent eingebrochen. Das muss sich ändern.

    Genau, und zwar genau wie die finanzielle Unterstützung auf Null. Der Flugverkehr ist eine der größten Umweltsünder schlechthin, da ist jede Reduktion positiv. Innerhalb Deutschlands muss man nicht fliegen. Spanien und Frankreich machen vor, wie es anders geht.

  6. PaulusHallenser sagt:

    „Die beiden Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden sind von großem volkswirtschaftlichen Nutzen für den Freistaat Sachsen und für Sachsen-Anhalt. Das ist das Ergebnis einer Studie, die im Auftrag der Mitteldeutschen Flughafen AG“

    Eine solche Auftragsstudie ist eigentlich völlig wertlos, denn die spiegelt im Wesentlichen nur die Sichtweise des Auftraggebers wider. Wäre der Auftraggeber der Studie eine Anti-Flugverkehrsorganisation gewesen, gäbe es wohl ein völlig anderes Ergebnis hinsichtlich des volkswirtschaftlichen Nutzens.

    „Sachsen-Anhalt will finanzielle Unterstützung für mitteldeutsche Flughäfen bis 2030 auf Null zurückfahren“

    Das Vorhaben erhält meine volle Unterstützung, denn Subventionen jedweder Art gehören abgeschafft und dafür Steuern gesenkt.

  7. seltsam ist das schon sagt:

    Wenn man so sieht wieviel Millionen für irre Klima“projekte“ und die Unterstützung linker NGOs und Vereine ausgegeben wird, dann ist die Summe für den Flughafen lächerlich.
    Wie der Artikel schon beschreibt, steht eine Wertschöpfung des Flughafens von mehreren Milliarden dagegen.
    Da sieht das „Einsparen“ der paar Millionen schon seltsam aus.
    Aber wie es scheint, haben in Sachsen-Anhalt wirtschaftlich sinnvolle jnd Arbeitsplatzschaffende Projekte für die Region wohl eher nicht das Wohlwollen der Politik.

  8. mirror sagt:

    Frankfurt, München, Düsseldorf, Hamburg, Berlin haben zwei Dinge gemeinsam. Attraktiv für ausländische Investoren und einen internationalen Flughafen.

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