„Stiller Streik“ machts möglich: Notfahrplan der HAVAG an diesem Wochenende – Busse und Straßenbahnen fahren auf wichtigen Strecken – das sind die Forderungen der Beschäftigten

Noch bis Montagfrüh streiken die Beschäftigten der Halleschen Verkehrs AG (HAVAG). Am Freitag blieben deshalb alle Busse und Straßenbahnen im Depot. Dagegen sind an diesem Wochenende Trams und Busse auf wichtigen Strecken mit einem Notfahrplan unterwegs. Möglichst macht es ein sogenannter „Stiller Streik“. Gegen 1 Uhr am Samstagmorgen haben die Streikenden die Barrikaden vor den Betriebshöfen weggeräumt. Die Beschäftigten streiken zwar trotzdem weiter, aber zu Hause. Die Gewerkschaft ver.di beschert ihnen also freie Tage mit ihren Familien. „Insofern euch Führungskräfte in Vorbereitung des Warnstreiks zur Streikbeteiligung fragen, sind alle Antworten erlaubt. Eine Aussage, ob ihr euch am Streik beteiligt, müsst ihr nicht geben“, betont die Gewerkschaft. „Es ist eure freie Entscheidung, welche Informationen ihr hierbei mit dem Arbeitgeber teilt. Wir sagen: je weniger Infos ihr teilt, umso besser“, heißt es in einem Schreiben von ver.di an die Gewerkschaftsmitglieder. Genau dadurch ist es für die HAVAG auch schwierig, einen Notfahrplan zu erstellen, weil das Unternehmen nicht weiß, wer und wieviele Personen sich am Streik beteiligen. Aber zumindest der Zeitraum zwischen 5 und 20 Uhr kann abgedeckt werden.

Während der Streikkundgebung wurden auch solidarische Grüße der Eisenbahnerverkehrsgewerkschaft (EVG) ausgerichtet und schwarze Schleifen verteilt. Anlass ist die tödliche Attacke auf einen Zugbegleiter. Mit Gewalt haben auch die Beschäftigten der HAVAG zu tun. Im vergangenen September gab es eine brutale Attacke gegen einen Straßenbahnfahrer in der Südstadt gegeben, er wurde dabei schwer verletzt. „Es ist traurig, dass es heutzutage soweit gekommen ist“, sagte ein Redner.

Jannik Balint, Co-Vorsitzende der Linken in Halle. “Ihr kämpft nicht nur für euch, sondern für das, was unsere Gesellschaft lebenswert macht”, sagte er. Das Angebot der Arbeitgeber sei einfach nur eine Frechheit. Zwar nerven die Streiks auch. “Aber sie müssen nerven, weil die Leute nur so begreifen, welchen Wert die Arbeit hat, die ihr jeden Tag leistet.”

ver.di-Vertrauensmann und HAVAG-Betrriebsrat Robert Schmidt ging auf bekannt gewordene Pläne der Stadt im Konsolidierungskonzept ein, wonach bei der HAVAG der Rotstift angesetzt werden soll. “Das kann ich nicht nachvollziehen.“ Schließlich ist ein Koalitionsvertrag geschlossen worden, der eine Stärkung der ÖPNV will. Schon jetzt schaffe man es angesichts steigender Fahrgastzahlen nicht immer, alle Menschen auch zu befördern. Deshalb seien Kürzungen ein No Go, “das dürfen wir nicht zulassen.“

“Für Kriegswirtschaft ist Geld da”, meinte Frank Oettler (MLPD), aber nicht für ÖPNV und Soziales. Und gleichzeitig werde auch noch ein Zukunftszentrum errichtet. “Wie kann es denn sein, wenn Bund, Land und Kommune sagen ‘Wir haben kein Geld’ dort so ein Ding gebaut wird. Das ist mir völlig unerklärlich.” Oettler war 26 Jahre Straßenbahnfahrer, wegen einer Erblindung auf einem Auge musste er diesen Job an den Nagel hängen. Für Oettler eine Folge der Arbeitsumstände. Deshalb kämpfe er für die 35-Stunden-Woche, “weil ich nicht will, dass es anderen Kolleginnen oder Kollegen aus so ergeht.” Oettler forderte, dass der Menschen im Mittelpunkt stehen soll, “doch in einer solchen kapitalistischen Ausbeutergesellschaft steht eben nicht der Mensch im Mittelpunkt, sondern der Profit.”

“Die, die heute hier sind, kämpfen für ihre Zukunft. Und Zukunft heißt vernünftige Tarifverhandlungen mit konstruktiven Gesprächen, mit Angeboten, die Angebote sind“, sagte Gewerkschaftssekretärin Katja Fiebiger. “Und Arbeitsverschlechterungen gehören nicht zum Teil einer Tarifverhandlung.“ Sie warf den Arbeitgebern eine Totalverweigerung vor.

Buslinien (Sa & So)

Folgende Buslinien verkehren an beiden Tagen im 40-Minuten-Takt: Buslinien 21, 22, 27, 36, 40, SEV Bus 1, SEV Bus 5.

Zusätzlich verkehren nur am Samstag: Buslinien 25, 42, 30

Straßenbahnlinien (Sa & So)

Zwischen 5 und 20 Uhr fahren folgende Straßenbahnlinien in ihrer regulären Linienführung: Tram 1, 3, 5, 7, 9, 10.

Zwischen 5 und 8 Uhr gelten die Abfahrtszeiten des Tagesverkehrs Samstag.

Zwischen 8 und 20 Uhr gelten grundsätzlich die regulären Fahrzeiten, es kann jedoch zu kleinen Abweichungen kommen.

Besonderheit Halle-Neustadt: Zwischen 5 und 8 Uhr fährt die Linie 9/10 als Linie 10: Soltauer Straße → Hauptbahnhof und zurück als Linie 9: über Franckeplatz → Marktplatz → Soltauer Straße.

Im Überlandverkehr Richtung Merseburg/Bad Dürrenberg gilt der Regelfahrplan im 60-Minuten-Takt.

Fahrgäste werden gebeten, sich an den Optischen Fahrgastanzeigern an den Haltestellen und an den Fahrtauskünften in der movemix_app zu orientieren.

Das HAVAG-SERVICE-CENTER Neustadt bleibt am Samstag geschlossen.

Das HAVAG-SERVICE-CENTER Rolltreppe öffnet am Samstag von 9 bis 16 Uhr.

Das Unternehmen geht derzeit davon aus, dass am Montag, 2. März, mit Betriebsbeginn alle Linien wieder nach dem regulären Fahrplan verkehren.

Forderungen für den Spartentarifvertrag Nahverkehr Sachsen-Anhalt (TV-N LSA):
▪ Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 35 Stunden (§ 10 Abs. 1 Satz 1 TV-N LSA)
▪ Einführung eines tariflichen Wahlmodells mit der Maßgabe die wöchentliche Arbeitszeit von 35 Stunden (§ 10 Abs. 1 S. 1 TV-N LSA) auf regelmäßig wöchentlich 38 Stunden zu erhöhen mit den Optionen, der entsprechenden finanziellen Vergütung als mo￾natliche feste Zulage, die Umwandlung in freie Tage oder den entsprechenden Zufluss in ein Wertkonto
▪ Reduzierung des Zeitraums zur Berechnung des Durchschnitts der regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit (§ 10 Absatz 1 Satz 2)
▪ Erhöhung des Zuschlages für Nachtarbeit in der Zeit von 21:00 Uhr bis 00:00 Uhr und von 04:00 Uhr bis 06:00 Uhr auf 25 Pro￾zent (§ 12 Abs. 1 TV-N LSA)
▪ Erhöhung des Zuschlages für Nachtarbeit in der Zeit von 00:00 Uhr bis 4:00 Uhr auf 40 Prozent (§ 12 Abs. 1 TV-N LSA)
▪ Erhöhung des Zuschlages für Arbeit an Sonntagen auf 50 Prozent (§ 12 Abs. 1 TV-N LSA)
▪ Berechnung der Höhe der Zuschläge auf der individuellen Stufe der jeweiligen Entgeltgruppe, mindestens aber auf Stufe 3 (§ 12 Abs. 1 TV-N LSA)
▪ Neufassung der Kopplungsregelung der Entgelte an den TVöD (§ 7 Abs. 1 Sätze 2 bis 6)
▪ Streichung von § 2 Abs. 3 Sätze 2 und 3 der Anlage 1 zum TVN LSA
▪ Einführung einer gewerkschaftlichen Vorteilsregelung in Höhe von 500 Euro pro Jahr

und zum Tarifvertrag für Auszubildende in Nahverkehrsbetrieben (TV-N Azubi LSA):
▪ Übernahme aller Kosten für den Erwerb des Führerscheins der Klasse B, sofern dieser dienstlich erforderlich ist (§ 8 Abs. 7 TV-N Azubi LSA)
▪ 6 Freistellungstage zur Vorbereitung auf Abschluss- und Zwischenprüfungen für Auszubildende

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