Uniklinik in Halle rettet Drillingen das Leben


Tristan, Anouk und Zoé heißen die drei kleinen Erdenbürger, die am 31. März 2017 im halleschen Universitätsklinikum geboren worden sind. Eigentlich sollten sie Braunschweiger werden, doch eine schwere Erkrankung machte den Eltern einen Strich durch die Rechnung. Zwei der Drillinge litten an dem fetofetalen Transfusionssyndrom (FFTS). Dieses kann bei eineiigen Mehrlingen entstehen, wenn ihre Blutkreisläufe miteinander über die Plazenta im Mutterleib verbunden sind. Das „Spenderkind“ nimmt dabei zu wenig Blut auf und es kommt dadurch zu einer Unterversorgung. Das Kind wächst nur langsam. Das „Empfängerkind“ nimmt hingegen zu viel Blut auf und das Herz muss stärker arbeiten. Es droht eine Herzschwäche. Für beide Kinder ist die Situation lebensbedrohlich. Das dritte Kind hat meist gute Überlebenschancen. Wenn zwei Babys eine Plazenta teilen, kommt es in jedem zehnten Fall zu einem FFTS.

In der 24. Schwangerschaftswoche stellten die Ärzte in Braunschweig fest, dass zwei der Kinder von Wiebke Lüders an dem fetofetalen Transfusionssyndrom erkrankt waren. Doch helfen konnten ihnen die Geburtsmediziner in der niedersächsischen Stadt nicht. „Wir hätten nur auf ein Wunder hoffen können.“ Einzige realistische Hilfe war ein chirurgischer Eingriff im Mutterleib, um die Blutkreisläufe der betroffenen Kinder zu trennen. Deutschlandweit gibt es nur eine Handvoll Experten, die solche Eingriffe vornehmen. Prof. Michael Tchirikov, Direktor der halleschen Universitätsklinik und Poliklinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin, gehört zu den Ärzten, die über ausreichende Erfahrung auf diesem Gebiet verfügen. Neben dem verfügbaren Instrumentarium beschäftigt er sich mit Weiterentwicklungen und hat mehrere Patente inne.

Durch Internetrecherche und Informationen von Bekannten kam Familie Lüders nach Halle. „Voller Hoffnung sind wir am nächsten Tag nach Halle gefahren“, sagt Wiebe Lüders, die von ihrem Mann Helge begleitet wurde. Nach einem ausführlichen Aufklärungsgespräch führte Professor Tchirikov umgehend den Eingriff durch. Denn es war Eile geboten, der Gesundheitszustand der beiden Kinder hatte sich deutlich verschlechtert. Doch alles ging gut. „Ein Fetoskop wurde durch die Bauchdecke eingeführt, um mittels eines Lasers die betroffenen Blutgefäße zu veröden“, erklärt Prof. Tchirikov die Methode. Sieben Mal hat er bei Drillingsschwangerschaften solch einen Eingriff bisher vorgenommen und mehr als 200 Mal bei Zwillingen.

„Nach einer Woche wussten wir, dass der Eingriff erfolgreich war“, erklärt die nun dreifache Mutter rückblickend. Danach begann eine Zeit des Wartens. Die 36-Jährige, die im UKH ihren Geburtstag feierte, sagt: „Wir haben von Tag zu Tag, von Woche zu Woche gelebt.“ Denn das Ziel sei es gewesen, die Geburt so lange wie möglich hinauszuzögern, damit sich die Babys im Mutterleib weiter entwickeln können.

In der 32. Schwangerschaftswoche war es dann soweit. Nach einem Blasensprung wurden die Kinder mittels eines Kaiserschnitts auf die Welt geholt. Um 7.25 Uhr Tristan (41 Zentimeter, 1740 Gramm), eine Minute später Anouk (35 Zentimeter, 1130 Gramm) und um 7.27 Uhr kam Zoé auf die Welt (39 Zentimenter, 1397 Gramm). In den ersten Tagen nach der Geburt wurden die drei auf der neonatologischen Intensivstation der Abteilung für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin (Abteilungsleiter: PD Dr. Roland Haase) behandelt und dann auf die Nachsorgestation für Frühgeborene des UKH verlegt. Innerhalb des Perinatalzentrums (Level 1) der halleschen Universitätsmedizin kümmerten sich zudem Ärzte/innen verschiedener Fachdisziplinen um die Kinder.

Alle drei haben sich in den vergangenen Wochen gut entwickelt, so dass sie am Mittwoch, 26. April 2017, zur weiteren Behandlung in das Klinikum Braunschweig verlegt worden sind. Für die Eltern ist das nach der Geburt ein weiterer bedeutender Tag. Können doch Wiebke und Helge Lüders sich nun gemeinsam in ihrem Heimatort um ihren Nachwuchs kümmern. Die Drillinge sind die ersten Kinder der beiden. Seit Anfang Februar hatte die Mutter im halleschen Universitätsklinikum gelegen, während der Vater sich um die Vorbereitungen zu Hause kümmerte. „Wir konnten uns nur an den Wochenenden sehen und werden nun gemeinsam den Nestbau vollenden.“ Unterstützt werden sie von Familie und Freunden. Wiebe Lüders: „Wir sind sehr gespannt, wie sich die Drillinge entwickeln werden und wie sich das Familienleben gestalten wird.“ Schon jetzt seien bei den zwei Mädchen und dem Jungen unterschiedlichen Charakterzüge zu erkennen: Tristan braucht viel Aufmerksamkeit, Zoé ist selbstbewusst und Anouk sei sehr zart. „Wir sind den Pflegenden, Hebammen und Ärzten des Universitätsklinikums sehr dankbar dafür, wie sie uns in den vergangenen Monaten betreut haben.“ Und auch Professor Tchirikov und PD Haase und ihren Teams geht nun ein besonderes Kapitel zu Ende: „Wir freuen uns, dass sich die drei Kinder so gut entwickelt haben und es ihnen gut geht.“